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Königin Silvia : Ein Stück Brasilien

  • -Aktualisiert am

Königin Silvia unterstützt mit ihrer Stiftung weltweit Kinder Bild: dpa RTL

Königin Silvia von Schweden, die gerne als Deutsche vereinnahmt wird, hat auch brasilianische Wurzeln. Ein Besuch mit ihr bei einem von ihrer Stiftung Childhood geförderten Projekte in Sao Vicente.

          4 Min.

          Mühsam würgt sich der Bus aus dem Labyrinth des Molochs Sao Paulo. Er nimmt Kurs Richtung Meer, durchstößt in dem Gebirgsriegel, der sich vor der Küste aufbaut, eine Nebelfront und bleibt schließlich in der Strandstadt Sao Vicente vor einem bunt bemalten Haus stehen. Vor der Tür haben Fotografen und Kameraleute Position bezogen. Sie wirken ein wenig enttäuscht, als eine Frau in einem schlichten, hellen Hosenanzug über die Türschwelle tritt. Königin Silvia von Schweden kommt unauffällig, ohne großes Gefolge, hat nicht einmal eine Hofdame dabei.

          Deren Aufgabe übernimmt mit einem Lächeln ihr Bruder Jörg Sommerlath, der nur selten von ihrer Seite weicht. Der Einzug der Königin in dem Haus des Sozialprojekts "As Meninas" (Die Mädchen) ist von familiärer Schlichtheit, fernab jeden Protokolls. Silvia spricht die Mädchen ohne Schnörkel in perfektem Portugiesisch an, und sie erklären ihr mit brasilianischer Unbefangenheit, wie sie gelernt haben, Leckereien und kleine Kunstwerke zu zaubern, Schokoladenpralinen, von denen die Königin gleich eine vernascht, Duftkerzen und Kleidungsstücke. In der Textilfärberei legt sie Hand an, um ein Tuch mit einem Muster zu versehen.

          Elf Jahre in Brasilien gelebt

          Königin Silvia, die am Tag vor Heiligabend sechzig Jahre alt wird, ist selbst ein Stück Brasilien. Ihre Mutter war gebürtige Brasilianerin, ihr Vater hat 32 Jahre in dem Land gelebt, ihre beiden älteren Brüder sind in Brasilien geboren, und sie selbst ist elf Jahre lang in Brasilien in die Schule gegangen. Das Mädchenhaus ist auch ihr Haus. Es wird mitunterhalten von ihrer Stiftung "Childhood", die sie vor vier Jahren gegründet hat. Die fünfzig Mädchen haben alle Schlimmes erlebt, sind sexuell mißbraucht, vergewaltigt, mißhandelt, vernachlässigt worden, zum großen Teil in ihren eigenen Familien. "Childhood" widmet sich ausschließlich Kindern, die solcherlei traumatische Erfahrungen hinter sich haben. In der Enge und dem Elend der brasilianischen Favelas sind das weitverbreitete Verbrechen.

          Als Geschenk an den Gast aus der Ferne gibt es nach dem Rundgang eine kleine Vorführung im Innenhof mit brasilianischen Liedern. Besonders hübsch geraten die witzigen, rhythmisch schmissigen Stückchen mit kleinen jodlerartigen Juchzern aus Rio Grande do Sul, wo die "Gauchos", die Südbrasilianer, eine stark europäisch beeinflußte Musikkultur pflegen. Die Königin nimmt sich viel Zeit für den Besuch, fühlt sich sichtlich wohl, sie ist zufrieden damit, wie die Arbeit in dem Zentrum von der brasilianischen Partnerorganisation "Camara" angepackt wird. Alles in dem Haus macht einen soliden, professionellen Eindruck.

          Vorbildlich in Moskau

          "Childhood" betreibt so gut wie keine eigenen Vorhaben, arbeitet dafür intensiv zusammen mit anderen Institutionen und ihren schon bestehenden Einrichtungen. In Moskau hat die Stiftung allerdings ein erstes, dazu besonders wirkungsvolles Projekt selbst gegründet. Dort werden in Heimen aufgewachsene und für ein selbständiges Leben nicht gerüstete Mädchen mit alten, herumstreunenden Frauen, "Babuschkas", zusammengebracht. Beide Gruppen, die jungen Frauen, denen es an Lebenserfahrung fehlt, und die "Babuschkas", denen der Lebensinhalt abhanden gekommen ist, helfen und ergänzen einander.

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