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Königin Silvia : Brasilianisches Herz, deutscher Kopf, schwedische Seele

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Deutschland - in Heidelberg wurde sie 1943 an dem Tag geboren, den die Skandinavier als "Kleinen Weihnachtsabend" bezeichnen - bleibe ihre Heimat, sagt die einzige Deutsche auf einem Königsthron. In Deutschland sei sie öfter, als man gemeinhin glaube, früher auch, um ihre Eltern, die in den neunziger Jahren starben, zu besuchen. Die Zweieinhalbjährige war 1946 mit ihrer Familie nach Brasilien gegangen und erst knapp dreizehn Jahre später wieder zurückgekehrt. Nach ihrem Abitur in Düsseldorf hatte sie an der Dolmetscherschule in München ihre Sprachfertigkeit verfeinert - neben Schwedisch, Deutsch, Portugiesisch und Englisch spricht sie Spanisch und Französisch. Zudem erlernte sie in einer Taubstummenschule die Gebärdensprache, um sich mit Gehörgeschädigten verständigen zu können. Ihren Kindern brachte sie Deutsch mit Hilfe eines Kasperletheaters bei, das sie mit ihnen spielte. Kronprinzessin Victoria, die im vergangenen Jahr einige Zeit in Berlin arbeitete, beherrscht Deutsch gut, ihre Geschwister Carl Philip und Madeleine beherrschen es leidlich.

Die Familie zog schon früh vom Stadtschloß - das riesig und kalt ist - in das zierliche Drottningholm um, wohl auch ein Einfluß der Königin. Im Stadtschloß hat Silvia ihr Arbeitszimmer, und dort liegt auch eines von fünf Kissen mit der Aufschrift "It Ain't Easy Being Queen!", die ihr Freunde geschenkt haben. Ihre Aufgabe empfindet sie aber weniger als schwierig denn als wunderbar. Das schwedische Königshaus lebt weniger abgeschirmt von der Öffentlichkeit als andere. Die Königin geht zum Einkaufen, der König und sein Sohn joggen am Ostseeufer, und die Töchter besuchen Diskotheken in der Stockholmer Innenstadt. Allerdings wuchs das Interesse der Medien an der Thronfolgerin, die unter besondere Beobachtung geriet, als sie an einer Eßstörung erkrankte. Victoria widmet sich seit ihrem achtzehnten Geburtstag umfassend ihren Aufgaben als künftige Königin und äußert sich schon mal beherzter, als es in einer "unpolitischen" Monarchie üblich ist, etwa mit dem Eintreten für die Europäische Union und den Euro.

Silvia nutzt ihre Position, um Wichtiges zu leisten

Die Königsfamilie ist, mögen Kritiker sagen, Teil der Unterhaltungsindustrie geworden. Zum Beispiel bei Banketten für Nobelpreisträger muß man herzlich lächeln und Gescheites sagen. Das weiß und akzeptiert Königin Silvia. Aber sie nutzt ihre Position auch, um Wichtigeres zu leisten. Sie gründete und leitet Stiftungen für geistig oder körperlich Behinderte, was ihr mit Preisen und Ehrendoktorwürden vergolten wurde. Besonders aber setzt sie sich für Kinder ein. Von Brasilien bis Estland besucht sie die von ihrer Stiftung "World Childhood Foundation" geförderten Kinderheime. Dabei bewegt sie nicht nur ihre Rolle als Mutter, sondern auch als Frau. Der Kronprinzessin gab sie das Selbstbewußtsein mit auf den Weg, sich etwa nach dem Vorbild der dänischen Königin Margrethe und der niederländischen Monarchin Beatrix zu richten, Victorias Taufpatin. Was würde Königin Silvia tun, wenn sie mehr Zeit nicht nur für Skifahren, Theater, Oper und Konzerte hätte? Vielleicht das gleiche studieren wie ihre Tochter Madeleine: Kunstgeschichte.

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