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Kölner Karneval : „Alaaf“ kommt jedenfalls nicht aus Syrien

„Alaaf Cöln“ hörte man schon in Reden von Konrad Adenauer und John F. Kennedy. Bild: Picture-Alliance

So mancher Mythos und noch mehr Anekdoten ranken sich um den Kölner Karnevalsgruß „Alaaf“. Doch woher stammt er wirklich?

          Kölner blicken mit fröhlichem Fatalismus auf die Welt. Das liege an der Stadt, in der Kölner leben müssen, schließlich habe sich Köln den Ruf erarbeitet, der Ort zu sein, an dem schiefgeht, was nur schiefgehen kann, sagen Spötter. Köln „könne“ keine U-Bahn, keine Oper, keine Oberbürgermeisterwahl, keine Polizei. Nur Karneval könne Köln. Kölner werden damit leicht fertig - auf ihre eigene dialektische Art. Wenn sie ihre Stadt hochleben lassen, rufen sie „Alaaf“. Das bedeutet „alles abwärts, alles andere nieder“.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          In Köln werde eben auch anders als anderswo gejubelt, befand vor wenigen Jahren Heribert Hilgers, der Altmeister der kölnischen Sprache. „Für den, der alles andere abwertet, bleibt das, worauf es ankommt, in einsamer Höhe stehen, ohne dass er es erst ,hoch‘ heben (eben ,hochjubeln‘) muss.“ Ein Lied von Carolin Kebekus ist dafür das schönste Beispiel der aktuellen Session. Die unverschämt talentierte Kölner Karnevalistin macht sich auf die Melodie von Adeles Hit „Hello“ über „Helau“ lustig, den unter anderem von den Narren in Düsseldorf benutzten Karnevalsruf. „Helau, wie fies“, heißt es in dem Lied. „Helau, das sagt man nicht.“

          Köln war immer ein Schmelztiegel, eine Vielvölkerstadt. Schon deshalb liegt es nahe, das kölsche Schlüsselwort „Alaaf“ auf mögliche ausländische Bezüge abzuklopfen. Gelehrte brachten „Alaaf“ schon mit dem spanischen „alabar“ (loben, preisen) oder dem englischen „aloft“ (hoch) in Verbindung.

          Ein schöner Scherz, den man sich heute nicht besser ausdenken könnte, stammt schon aus dem Jahr 1844. Damals behauptete ein „Dr. Moritz“, „Alaaf“ stamme aus dem Syrischen, Kölner Kreuzfahrer hätten es mit nach Hause an den Rhein gebracht. „Dr. Moritz“ berief sich auf Seite 375 der Koelhoffschen Chronik von 1499. Dort sei „ganz deutlich und klar“ die Wendung „Olaf Hadegel, d. h. die Fahne sinkt“ zu lesen. Die Chronik hat keine Seite 375.

          „Alaaf Cöln“

          Um einen urkarnevalistischen Kölner Hochruf handelt es sich bei „Alaaf“ nicht. Lange war „Alaaf“ im geselligen Kreis, in öffentlicher Rede oder in literarischen Texten beinahe so feierlich wie das Amen in der Kirche. Als der damalige preußische Kronprinz und spätere König Friedrich Wilhelm IV. im August 1817 zu Besuch in der Stadt war, brachte er den Toast „Alaaf Cöln“ aus.

          Genau 100 Jahre später verabschiedete sich Max Wallraf aus dem Amt als Oberbürgermeister der Stadt selbstverständlich mit „Alaaf Cöln“. Ebenso schloss der Nachfolger Konrad Adenauer seine Einführungsrede einige Wochen später. Als der amerikanische Präsident John F. Kennedy im Juni 1963 auf Deutschland-Reise war, verstand er es an vielen Orten, sich in die Herzen der Leute zu reden.

          Einen seiner berühmtesten Sätze sagte Kennedy in Berlin. Drei Tage zuvor überraschte der Präsident die Kölner: Seine Ansprache vor dem Rathaus beendete er mit einem kräftigen „Köllen Alaaf“. Die Menge jubelte. Der Präsident lachte und freute sich darüber, dass seine Schlusspointe so gut ankam. Kennedy hatte sein „Köllen Alaaf“ in der Rede ausdrücklich als Gruß aus alter Zeit bezeichnet. Die Narren deuteten die Worte gleichwohl karnevalesk und bedankten sich auf ihrem Orden für die Session 1963/64 mit der Textzeile „Nit nur Kölsche sagen alaaf“. Als Kennedy elf Tage nach Sessionsbeginn ermordet wurde, entschieden sich die Kölner Karnevalisten, den Orden zwar auszugeben. Auf einem Beipackzettel fand sich aber die Bitte, ihn nicht zu tragen.

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