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Klinik Bremen : Spezialisten suchen nach Herkunft des Erregers

  • Aktualisiert am

Experten vom Robert Koch-Institut suchen auf der Frühchenstation nach dem Infektionsherd Bild: dpa

Das Robert-Koch-Institut versucht die Infektionsquelle des Darmkeims zu finden, der drei Säuglinge im Klinikum Bremen tötete. Bremens Gesundheitssenatorin sieht das Krankenhaus in der Verantwortung.

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          Nach dem Tod dreier Neugeborener durch einen gefährlichen Darmkeim in einem Bremer Krankenhaus haben Spezialisten des Robert-Koch-Instituts (RKI) am Donnerstag die Suche nach der Herkunft des Erregers fortgesetzt. „Die Experten des RKI sind vor Ort und versuchen fieberhaft, die Quelle für die Infektionen zu finden“, sagte der Sprecher des betroffenen Klinikums Bremen-Mitte, Daniel Goerke, am Donnerstag. Derzeit gebe es noch keinen Hinweis, wie sich die Frühchen angesteckt haben. „Wir haben noch gar nichts“, sagte er. Die Babystation war am Mittwoch geschlossen worden.

          Nach Angaben der Experten könne es 24 bis 48 Stunden dauern, bis Ergebnisse vorliegen, sagte Goerke. Auf der Neugeborenenstation des Klinikums waren in den vergangenen Monaten drei Frühgeborene an Infektionen mit einem gegen Antibiotika resistenten ESBL-Bakterium gestorben. Eines der Kinder starb im August, die beiden anderen im Oktober. Nachdem die klinikeigene Suche nach der Quelle ergebnislos verlaufen war, trafen am Mittwoch drei Spezialisten des bundeseigenen RKI zur Unterstützung ein. Die Neugeborenenabteilung des Krankenhauses wurde von den Gesundheitsbehörden bis auf weiteres geschlossen.

          „Wir haben alles getan“

          Insgesamt war der ESBL-Keim auf dem Körper von 15 Kindern nachweisbar, die meisten erkrankten nach Angaben der Bremer Gesundheitsbehörde aber nicht daran. ESBL-Bakterien kommen im Darm jedes Menschen vor. Sie werden gefährlich, wenn sie mutieren und unempfindlich gegen Antibiotika werden. Für Erwachsene sind sie harmlos, Frühgeborene ohne intaktes Immunsystem sind allerdings bedroht.

          Pieper: „Das hat noch Konsequenzen anderer Art“

          Nach Angaben von Klinik und Gesundheitsbehörde hatte das Krankenhaus alle erdenklichen Desinfektions- und Hygienemaßnahmen ergriffen, um das Bakterium abzutöten. Auch Wände und Vorhänge wurden demnach gereinigt. „Wir haben alles getan, was in einem solchen Fall gemacht werden kann“, sagte der Kliniksprecher. ESBL-Infektionen kommen in Krankenhäusern häufiger vor, in der Regel handelt es sich aber eher um Einzelfälle. Im Oktober starb ein Baby in einer Passauer Klinik an dem Keim. In der Vergangenheit sorgten an deutschen Kliniken schon mehrfach gehäufte Sterbefälle bei Säuglingen für Aufsehen. Im September starben innerhalb kurzer Zeit drei Babys in einem Krankenhaus in Siegen, 2010 tötete eine mit Darmkeimen verseuchte Nährlösung drei Kinder in der Mainzer Uniklinik.

          Bremens Gesundheitssenatorin will Konsequenzen ziehen

          Indes kritisiert Bremens Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) die Leitung des Krankenhauses. „Das hat noch Konsequenzen anderer Art“, sagte sie nach einem Bericht der Zeitung „Weser-Kurier“ im Ausschuss  Gesundheitsdeputation der Bürgerschaft. „Spätestens im Oktober nach Wiederausbruch hätte man mich und die Deputation informieren müssen.“ Diethelm Hansen, der Chef des Klinikverbundes Gesundheit Nord, zu dem das Klinikum Bremen-Mitte gehört, betonte, sein Haus habe alles getan, um die Todesfälle aufzuklären. Die Behörden seien informiert worden. Die ersten Infektionen waren Ende Juli aufgetreten, das erste Frühchen war im August gestorben, zwei weitere im Oktober. Erst am Mittwoch wurden die Fälle öffentlich gemacht. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen.

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