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Bildergalerie : Klingelton für Christenmenschen

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Weltjugendtag: Im Rausch der Begegnung Bild: AP

Der „Weltjugendtag“ in Köln setzt auf die Mittel der Event-Kultur. Aber die katholische Kirche kann und will sich damit für ihre Jugendarbeit nicht zufriedengeben.

          5 Min.

          Australische Pilger werden in Köln bei der Caritas noch um warme Socken betteln. Schuld daran ist die australische Internet-Seite zum Weltjugendtag, denn dort wird empfohlen, in „World Youth Day-Badeschlappen“ anzureisen. Es gebe kein passenderes Schuhwerk für den „europäischen Sommer“ als ein Paar „WYD-Thongs“, hieß es in Unkenntnis der klimatischen Verhältnisse in der Köln-Bonner Bucht.

          „Thongs“, wie man Flip-Flops downunder nennt, seien eine „australische Institution“, die in der zeitgenössischen Mode-Szene bereits „eingeschlagen“ habe „wie eine Bombe“. Deshalb gehörten die Schlappen unbedingt auf die Packliste für den Christentreff. In leuchtendem Grün-Gold gehalten, würden sie zum „Symbol des australischen Pilgers“ (“Sizes 6, 8, 9, 11, 12, 13. Cost: $15 a pair“).

          Wo Event ist, ist auch Ware, lautet eine Binse zeitgenössischer Ereignisökonomie. Wer sich dieser Tage nach Köln aufmacht, kommt an Bergen von Pilger-Plunder nicht vorbei. Australische Badeschlappen gehören zu den bunteren Blüten, die der Wille zur Vermarktung treibt, doch auch im offiziellen Weltjugendtags-Shop gibt es Putziges. 15 Prozent der erwarteten Kosten von rund 100 Millionen Euro sollen durch Spenden, Sponsoren und eben Merchandising eingenommen werden. Deshalb gibt es den offiziellen Weltjugendtags-Song „Venimus adorare eum“ auch im „Pop Remix“ als Klingelton. „Von der Schüttelkugel bis zur Handy-Schale“ reiche die „Produktpalette des Weltjugendtages", meldet eine Pressemitteilung des WJT-Organisationsbüros stolz.

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          Bildergalerie : Klingelton für Christenmenschen

          „Besonders originell“ findet man hier das „Klebetattoo mit dem Weltjugendtagslogo“. „Nach zwei bis drei Tagen“ sei es „wieder weggeduscht“. Ansonsten gebe es an sechzig „Infopoints“ in Köln, Bonn und Düsseldorf "alles, was das Pilgerherz begehrt“. Nach Einschätzung der Marketing-Strategen begehrt das Pilgerherz Telefonkarten, Pins, Schlüsselanhänger, Silikonbänder fürs Handgelenk in WJT-Farben, klappbare Dreibeinhocker, die Besinnungs-Pop-CD mit dem Titel „Building One World“ sowie T-Shirts von zwei Päpsten.

          Papst Benedikt XVI. als Top Act

          Nicht nur die schiere Menge des ereignisbegleitenden Tands - zwei Millionen Silikonarmbänder, 300.000 Rosenkränze aus Bethlehemer Olivenholz, 400.000 Papst-T-Shirts -, auch der technische Aufwand macht den Weltjugendtag zu einem „MegaEvent“ der „Live-8“-Kategorie. Mit der bei solchen Veranstaltungen üblichen Tonnen-Ideologie-Prosa feiert das Organisationsbüro denn auch die „Mega-Technik“ für das Spektakel: Allein das Pressezentrum bedecke eine Fläche von „drei Fußballfeldern“ und verfüge über 7800 Steckdosen.

          Es fehlt nur der eigentlich obligatorische Hinweis, daß so viele Steckdosen übereinandergestapelt die Höhe des Kölner Doms erreichen würden. Die Woche über spielen „auf achtzig Bühnen in drei Städten“ zahlreiche Musikgruppen von der Kelly Family und der Prinzengarde Rot-Weiß über „DeHöhner“ und Cliff Richard bis zu „Brings“. Letztere werden wie üblich „Superjeile Zick“ vortragen. Paßt immer, egal ob d'r Zoch kütt oder d'r Papst.

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