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Klima : Wüste Brandenburg

Die Oder trocknet aus Bild: dpa

Das heiße Klima trocknet Brandenburg aus. Die Kiefernwälder im märkischen Sand nützen nicht als Wasserspeicher, die flachen Flüsse trocknen im Sommer aus, Fische sterben massenhaft.

          3 Min.

          So wie dieser märkische Sommer ist, so wird vermutlich in den nächsten Jahren das Klima in Brandenburg sein: heiß und trocken. Bis Mitte des Jahrhunderts, bis 2055, wird die durchschnittliche Temperatur um 1,4 Grad Celsius steigen und die durchschnittliche Niederschlagsmenge sich um acht Prozent verringern. Das Klima wird sich in den nächsten Jahrzehnten viel schneller ändern als in den vergangenen Jahrhunderten. Das jedenfalls nehmen die Wissenschaftler am Potsdamer Leibniz-Institut für Klimafolgenforschung an.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Niedergeschrieben haben sie es in einer Studie, die das Land Brandenburg in Auftrag gegeben hatte. Eine solche Studie sei keine Vorhersage, sagen die Wissenschaftler. Wohl aber erlaube sie eine Auskunft über die wahrscheinliche Entwicklung. Daß das Klima wärmer und trockener wird, ist an sich nicht schlecht. Für den Tourismus ist es sogar von Vorteil, wenn die Sommer im Durchschnitt schöner werden. Schlimmer allerdings sind die Folgen der Klimaänderungen.

          Typische Steppenvegetation

          Schon heute gibt es Orte in Brandenburg, die zur Steppe geworden sind. An den Oderhängen im Nationalpark Unteres Odertal etwa, wo sich eine typische Steppenvegetation findet. Von einer Versteppung Brandenburgs wollen die Potsdamer Wissenschaftler allerdings nichts hören. Ganz so dramatisch seien die Folgen nicht. Außerdem diene die Studie gerade dazu, sich rechtzeitig auf das veränderte Klima einzustellen. Vor allem muß dabei auf den Wasserhaushalt geachtet werden. Bei höheren Temperaturen verdunstet mehr Wasser aus den vielen märkischen Seen. Weniger Regen führt zugleich dazu, daß der Pegel des Grundwassers sinkt. Schon jetzt hat die Menge an Sickerwasser auf etwa drei Vierteln der Brandenburger Fläche stark abgenommen und liegt unter 100 Millimetern. Brandenburg ist ohnehin das niederschlagsärmste Bundesland. Die Niederschläge liegen im Durchschnitt bei etwa 600 Millimetern.

          Mitte des Jahrhunderts werden vor allem in der Lausitz südöstlich von Berlin mehr als 200 Millimeter weniger gemessen werden. Außerdem meinen die Klimaforscher, daß es immer seltener Dauerregen gibt, dafür starke und kurze Regenfälle. Der Boden kann dann die plötzlichen, oft gewaltigen Wassermengen nicht aufnehmen. Das Wasser fließt ab - in Richtung Ostsee oder Nordsee. Auch dieses Phänomen war in diesem Frühjahr zu beobachten: Es hatte viel geregnet. Auf den Feldern stand das Wasser, so daß die Landwirte nicht rechtzeitig genug auf die Felder konnten. Dann wurde es warm, das Wasser war in kurzer Zeit abgeflossen. Die Erde trocknete aus. Weiterer Niederschlag blieb aus.

          Kieferwälder taugen nicht als Wasserspeicher

          Die ausgedehnten Kiefernwälder im märkischen Sand nützen als Wasserspeicher nicht viel. Das allerdings ist schon seit längerer Zeit erkannt. Die Forstwirtschaft in Brandenburg versucht bereits, von der Monokultur wegzukommen und Mischwälder anzupflanzen. Die märkischen Flüsse Oder, Havel und Spree sind flach und fließen träge dahin. Nach den Überlegungen der Klimaforscher aber wird es schon bald dazu kommen, daß die Flüsse in besonders heißen Sommern überhaupt nicht mehr fließen oder ganz trocken fallen. Was das für das Leben in den Flüssen bedeutet, läßt sich ohne viel Phantasie ausmalen. Schon heute kommt es häufig vor, daß Fische massenhaft sterben. Auch verschlechtert sich die Badequalität der brandenburgischen Seen. In solchen Situationen kauft das Land Brandenburg bisher Wasser aus Sachsen und leitet es über die Spree in die anderen märkischen Flüsse. Aber auch in Sachsen wird das Wasser knapp.

          Das Hochwasser der Elbe im vergangenen Jahr hat die Untersuchungen der Klimaforscher bestätigt. Wenn es plötzlich zu starken Niederschlägen kommt, können weder der Boden noch das Flußbett diese Mengen aufnehmen. Extreme Wetterlagen sind nicht mehr so selten wie vor hundert Jahren. Die Elbe, überhaupt das Einzugsgebiet des Flusses, ist inzwischen ähnlich gut untersucht wie das Land Brandenburg. Vor drei Jahren hatte der Bund eine Studie über die Elbe beim Institut für Klimafolgenforschung in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse ähneln denen der Brandenburg-Studie, in der teilweise auf Daten aus der Elbe-Studie zurückgegriffen werden konnte. Am Unterlauf der Elbe wird es trockener und wärmer. Am Oberlauf und seinem Einzugsgebiet jedoch, vor allem am Harz, wird es ausreichend Niederschlag geben - so wie derzeit auch.

          Erstmals hatte es eine solche Studie aus Potsdam über Südamerika gegeben, besonders über Brasilien. Was die Potsdamer Forscher über den Klimawandel an der Elbe und in Brandenburg sagen, hat auch die Thüringer überzeugt. Sie haben vor einigen Wochen die Potsdamer gefragt, ob eine solche Studie auch für ihr Land möglich sei.

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