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Mit der Schule nach New York : Klassenfahrt für 38.085 Euro

  • Aktualisiert am

Touristen vor der Freiheitsstatue in New York. Bild: Reuters

Eine Berliner Schulklasse machte einen Ausflug nach New York. Bezahlt haben die Reise aber weder die Schüler noch ihre Eltern. Die Rechnung bekam der Steuerzahler.

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          Eine Klassenfahrt des Robert-Koch-Gymnasiums in Berlin-Kreuzberg hat heftige Diskussionen ausgelöst. 15 Schüler aus dem Englisch-Leistungskurs waren laut einem „Tagesspiegel“-Bericht nach New York gefahren – für 38.085 Euro. Die Rechnung des teuren Vergnügens landete allerdings nicht bei den Eltern der Kinder, sondern auf dem Tisch eines Jobcenters. Der Grund: Die Schüler haben alle Ansprüche auf Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) des Bundes, das vor vier Jahren vom Familienministerium ins Leben gerufen wurde. Gedacht sind die Mittel für bedürftige Schüler, um ihnen den Besuch von Musikschulen, Sportvereinen, und einer Nachhilfe zu ermöglichen - oder eben auch, um an Klassenfahrten teilnehmen zu können.

          Während es in anderen Bundesländern eine Obergrenze für die Finanzierung von Klassenfahrten gibt, in Hessen liegt diese beispielsweise bei 450 Euro, sucht man eine solche Grenze in Berlin vergebens. Die Schulen können somit selbst entscheiden, wie teuer ihre Klassenfahrten ausfallen. Und dem Jobcenter blieb nichts anderes übrig, als die Reise nach New York zu bezahlen. Im Gespräch mit dem „Tagesspiegel“ sagte der Schulleiter Robert Völkel, dass er zwar Bedenken gehabt hätte, sich jedoch von den Argumenten des mitfahrenden Lehrers habe überzeugen lassen. Dieser wollte gegen den „Antiamerikanismus“ seiner Schüler vorgehen.

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          Kritik gab es unter anderem vom Bund der Steuerzahler Berlin in einer Pressemitteilung: Eine Klassenfahrt nach Übersee gehöre nicht zwangsläufig zur Sicherung eines menschenwürdigen Existenzminimums. Der Vorsitzendes des Vereins, Alexander Kraus, sagte: „Es ist absolut begrüßenswert, Kindern und Jugendlichen unabhängig vom Einkommen Ihren Eltern eine Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen. Mit einer Reise nach New York ist der Bogen aber eindeutig überspannt!“ Es werden Stimmen laut, die eine Gesetzesanpassung mit einer festen Obergrenze fordern.

          Zumindest der Rektor der Robert-Koch-Schule hat aus dem Vorfall seine Lehren gezogen. „Eine derart teure Fahrt wird es an dieser Schule in den kommenden 20 Jahren sicher nicht mehr geben“, sagte Völkel am Donnerstag. Dafür seien allerdings keine besonderen Maßregelungen nötig. „Die Diskussion ist auch im Lehrerzimmer so heftig, dass ich da keine Verbote erlassen muss.“

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