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Körperverletzung? : Escort-Dame verklagt David Garrett

  • Aktualisiert am

Extase an der Violine: David Garrett posiert im März vor einem Plakat seiner Tour „Explosive Live!“ Bild: dpa

Massive Vorwürfe gegen Deutschlands populärsten Geiger. Seine ehemalige Verlobte, eine Escort-Dame, will von ihm erniedrigt und zum Sex gezwungen worden sein. Sie fordert zwölf Millionen Dollar. Garrett wehrt sich.

          Er gilt als Violinenvirtuose, ist ein Publikumsliebling und Frauenschwarm, nicht nur in Deutschland. Jetzt sieht sich der 35 Jahre alte David Garrett, der am Musikkonservatorium Juilliard in New York lernte, schweren Vorwürfen ausgesetzt. Seine ehemalige Verlobte, die Pornodarstellerin Ashley Youdan, wirft ihm vor, sie ehrenrührig behandelt zu haben. Er habe sie zu hartem Sex gezwungen, in dessen Folge ihr eine Rippe gebrochen sei. Außerdem habe sie seinen Urin trinken müssen. Sie fordert zwölf Millionen Dollar, andernfalls wolle sie klagen. Garretts Anwalt nennt die Vorwürfe „haltlos“. In einem Interview mit der Zeitung „Die Welt“ hat sich Garrett zu den Vorwürfen geäußert. „Ich fühle mich von ihr erpresst“, sagte er dem Blatt. „Sie hat gegen meinen Willen Privates öffentlich gemacht“.

          Bislang war über die Beziehung des Musikers nichts bekannt. Garrett hatte die 28 Jahre alte Pornodarstellerin, die sich von Berufs wegen Kendall Karson nennt, im Oktober 2014 über „einen seriösen Escort-Service“ gebucht – allerdings laut eigener Aussage ursprünglich nicht zum Sex. „Man muss unterscheiden zwischen Prostitution und Escort“, sagte er. „Ich bin seit zwölf Jahren ständig unterwegs, mein soziales Leben ist sehr auf der Strecke geblieben.“ Er brauche „ab und zu jemanden, der mir zuhört“. Sex sei nicht der Hauptgrund der Treffen, mal gehe man ins Theater, mal ins Restaurant, mal in einen Club. „Man will ja auch irgendwie ein Leben haben.“

          Ashley Youdan sei eine sensible und intelligente Frau gewesen, in die er sich gleich beim ersten Treffen verliebt habe. Immer, wenn er in New York gewesen sei, hätten sie zusammen in seinem Apartment gelebt. Das erste Treffen habe er bezahlt, anschließend hätten sie sich privat getroffen. Sie habe ihn ihren Eltern im kalifornischen Sacramento vorgestellt, er sie seinen später in Deutschland. Sie hatten, so Garrett, heiraten wollen, im Dezember 2015 kaufte er ihr einen Ring. Sie postete ein Foto bei Instagram: „Happiest wife in the world.“

          Das, sagt Youdan, habe Garrett gar nicht gefallen. Wegen des Bildes sei er in Rage geraten, habe die Badezimmertür gewaltsam geöffnet, um ihr das Handy aus der Hand zu reißen. Dabei sei sie auf dem Boden gelandet. Er habe sie auch daran gehindert, das Haus zu verlassen. Garrett habe nicht gewollt, dass die Beziehung öffentlich wird. Schon nach dem ersten Treffen im August 2014, während dem sie Sex hatten, habe er um ihre Hand angehalten, sagt Youdan. Sie sei mit ihm um die Welt gereist, nach Malta, Mexiko und Spanien. Garrett habe sie gebeten, aus dem Pornogeschäft auszusteigen. Schon am 1. Weihnachtsfeiertag 2014 habe sich sein Verhalten grundlegend geändert. Garrett habe sich bei Craigslist auf eine Anzeige für eine BDSM-Sklavin gemeldet, die er in einen Käfig habe einsperren wollen, während Youdan und er in einen Club gingen. Nach Gerichtsunterlagen sei die Sklavin allerdings nie aufgetaucht. Am 7. Januar 2015 habe Garrett seine Freundin gezwungen, seinen Urin zu trinken. „Das finde sogar ich furchtbar, und ich bin ein Experte in diesen Fällen“, sagte Eddie Hayes, der Anwalt der Klägerin, der früher Ermittler für Tötungsdelikte in der Bronx gewesen war, der „New York Post“.

          Ständig auf Tour, und eigenen Angaben zufolge häufig ganz schön einsam: David Garrett geigt Mitte Mai in der Berliner Philharmonie.

          David Garrett sagt, dass er sich im Februar 2016 von Youdan getrennt habe, weil er sich „entliebt“ habe. Es sei ihm alles zu schnell gegangen, sie habe Druck ausgeübt. Sie habe weinend vor ihm in seinem Apartment gesessen. Er sei dann erst mal ins Hotel gezogen, sie lebte weiter in seiner Wohnung. Kurz nach der Trennung habe sie begonnen, sich mit Geldforderungen an ihn zu wenden, anfangs noch mit überschaubaren Summen, die später immer höher ausfielen. Anfangs gingen seine Anwälte noch darauf ein. „Ich wollte sie auch nach der Trennung finanziell unterstützen. Ich bin da ein Stück weit Gentleman.“ Er habe nicht gewollt, dass sie ins Pornogeschäft zurück musste. Stattdessen sollte sie eine Ausbildung zur Immobilienmaklerin machen.

          Um ihrer Forderung Ausdruck zu verleihen, hat Youdan Bilder eines blauen Flecks und eine Arztrechnung veröffentlicht. „Ich erinnere mich noch daran“, sagte Garrett nun, „nur hatte sie allerdings in den drei Nächten zuvor als Pole-Dancerin gearbeitet“. Seine Anwälte gehen davon aus, dass sie sich den blauen Fleck selbst zugezogen hat. „Ich bin kein aggressiver Mensch. Gewalt gibt es bei mir einfach nicht“, sagte der Geiger der „Welt“. „Ich bin der ruhigste, besonnenste Mensch.“ Er habe noch nie eine Frau geschlagen, und „übrigens auch keinen Mann“. Er habe, seit die Vorwürfe öffentlich wurden, Schwierigkeiten, einzuschlafen. Die Kanzlei, die Ashley Youdan vertritt, hat auch Audio-Mitschnitte zum Gericht gebracht. Garrett glaubt, dass seine ehemalige Freundin nicht nur Gespräche mitgeschnitten hat. In seiner Abwesenheit sei sie auch durch seine Unterlagen gegangen. „Als ich das zur Kenntnis nehmen musste, dachte ich nur: ‚Ich glaub, mein Schwein geigt.‘“

          Nun steht Aussage gegen Aussage. Inzwischen, sagte Garrett der Zeitung, halte er es mit diesem Satz: „Mit Terroristen kann man nicht verhandeln.“ Den Rest werden die Anwälte unter sich ausmachen.

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