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Kirche : Pädophilie-Skandal in den USA beschäftigt deutsche Bischöfe

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Der Sexskandal in der katholischen Kirche der USA hat das Thema Pädophilie unter Priestern auf die Tagesordnung gesetzt. Die deutschen Bischöfe beraten heute das Problem.

          Offizielle Statistiken über Fälle von Kindesmissbrauch durch Priester gibt es nicht - natürlich nicht, möchte man angesichts des Tabuthemas sagen. Das Problem unter den Teppich kehren kann jedoch niemand mehr, spätestens seit ein ausgewachsener Sexskandal die katholische Kirche in den USA bis ins Mark erschüttert. Ähnlich spektakuläre Fälle waren zuvor bereits in Irland und Polen bekannt geworden - und auch Deutschland ist nicht frei von öffentlich gewordenen „schlimmsten Ausformungen des Bösen“, wie es Papst Johannes Paul II. in seinem Gründonnerstagsbrief drastisch formulierte.

          Der Brief, der traditionell eigentlich der österlichen Ermutigung der Glaubensgemeinschaft gewidmet ist, mag ein letzter von vielen Anstößen für die deutschen Bischöfe gewesen sein, sich des Themas anzunehmen. Am heutigen Montag wird der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz in Würzburg beraten. Am Ende des Tages, so hat das Büro der Bischofskonferenz angekündigt, wird der Vorsitzende des Rates, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, erstmals im Namen der Bischöfe eine Stellungnahme zu den Fällen von Kindesmissbrauch durch Priester abgeben. Denn bisher gelten die einzelnen Diözesen offiziell als zuständig für die unappetitlichen Vorfälle.

          Offenes Bischofswort erwünscht

          Die Bischofskonferenz geht auf diese Weise gerade noch rechtzeitig vor dem Krisengipfel des Papstes mit den amerikanischen Kardinälen in dieser Woche im Vatikan an die Öffentlichkeit. Denn Unsicherheit und Vertrauensverlust scheinen sich auch unter den deutschen Katholiken langsam auszubreiten. „Uns erreichen zahlreiche Anfragen in diese Richtung“, beschreibt Bischofskonferenz-Sprecherin Martina Höhns den offenbar vorhandenen Wunsch nach einem Bischofswort.

          Allerdings scheint der Eindruck des teilweisen Vertrauensverlustes zu trügen. Am Freitag veröffentlichte das Stuttgarter „Reader's Digest“-Magazin die Ergebnisse einer Umfrage unter 5.000 Abonnenten. Danach soll das Vertrauen in die Kirche - ebenso wie jenes in die Polizei und die Europäische Union - sogar gestiegen sein. Der Anteil derer, die der Institution ein „sehr hohes“ oder „ziemlich hohes“ Vertrauen entgegenbringen, sei im Vergleich zum Vorjahr sogar um jeweils vier Prozentpunkte angestiegen, meldete der Verlag. Ein offensiver Umgang mit dem Tabuthema Kindesmissbrauch durch Priester und klare Richtlinien zur Behandlung von Tätern und Opfern, wie sie auch der Krisengipfel in Rom zum Ziel hat, kann dieses Vertrauen nur stärken.

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