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Kinofilm zum Geburtstag : Dem Sandmann wird der Sand geklaut

  • Aktualisiert am

Seit fünfzig Jahren ist das „Sandmännchen” im TV zu sehen. Bild: dpa

Der Sandmann, beliebte Kinderfigur im DDR-Fernsehen, wird fünfzig. Pünktlich zu seinem Geburtstag im November soll das Männchen, um das es einen Ausstrahlungswettlauf während des Ost-West-Konfliktes gab, zum ersten Mal auf der Kinoleinwand zu sehen sein. Gedreht wird schon jetzt.

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          Jeden Abend bringt der Sandmann Millionen Kinder mit einer Portion Traumsand ins Bett. Fünfzig Jahre alt wird das Männchen mit dem Bart und der spitzen Mütze im November dieses Jahres, an Beliebtheit hat es Zeit seines Lebens nichts eingebüßt. An seinem runden Geburtstag soll der Sandmann erstmals auch auf der Kinoleinwand zu sehen sein. Am Mittwoch haben die Dreharbeiten in Potsdam-Babelsberg begonnen - damit der Film pünktlich zum Sandmann-Geburtstag am 22. November im Kino anlaufen kann. Seinen ersten Auftritt vor nunmehr fünfzig Jahren hatte der Sandmann übrigens im DDR-Fernsehen.

          Für das Kinodebüt wird die vierundzwanzig Zentimeter große Puppe zurzeit in vielfacher Ausfertigung an insgesamt zwanzig Sets in Babelsberg durch Animatoren zum Leben erweckt. „An einem Tag schafft ein Animator etwa drei Sekunden Film“, sagt Produzent Jan Bonath. Deswegen müsse parallel an den Sequenzen gearbeitet werden. Insgesamt sechzig Mitarbeiter sind am Standort Babelsberg an der Produktion beteiligt. Bundesweit sorgen 150 Beschäftigte dafür, dass der Streifen mit dem Arbeitstitel „Der Sandmann und der verlorene Traumsand“ bald zu sehen ist.

          Miko soll die Träume retten

          Der Film soll eine Frage bewantworten, die sich die Sandmann-Gucker immer wieder stellen: Die, was der Sandmann macht, nachdem er den Kindern Sand in die Augen gestreut hat. Der Streifen spielt im Traumland Somnia, wo dem Sandmann der Traumsand gestohlen wurde. Dahinter steckt der Fiesling Habumar, der allen Menschen schlechte Träume bescheren will. Der Sandmann schickt das Schlafschaf Nepomuk auf die Erde, um Hilfe zu holen. Nepomuk bringt den sechsjährigen Miko nach Somnia, um gemeinsam mit dem Sandmann die Träume zu retten.

          Mal im Spielzeugauto...
          Mal im Spielzeugauto... : Bild: dpa

          Die Kinoproduktion ist ein Stop-Motion- und Animationsfilm mit realen Sequenzen. Die Rahmenhandlung des Filmes werde mit echten Schauspielern gedreht, erläuterte Produzent Bonath. Sobald Miko jedoch die Traumwelt betrete, werde er zur Puppe. Bis zum 31. August wird unter der Regie von Jesper Møller und Sinem Sakaoglu an der rund 7,1 Millionen Euro teuren Produktion gedreht. Den Hauptdarsteller Miko soll der sechsjährige Bruno Renne aus Brandenburg spielen. Die Darsteller der anderen Charaktere werden zurzeit noch ausgewählt.

          Sandmann-Wettlauf im Kalten Krieg

          Die Entstehung der Fernseh-Sandmänner war von einem regelrechten Wettlauf zwischen Ost und West geprägt gewesen. Am 22. November 1959 um genau 18.55 Uhr hatte der Sandmann seinen Debütauftritt in der Puppentrick-Sendung „Unser Sandmännchen“, die der Deutsche Fernsehfunk (DFF) in Ostberlin ausstrahlte. Nur wenige Tage später folgte das West-Sandmännchen, produziert vom Sender Freies Berlin (SFB). Nach der Wiedervereinigung stellte der DFF zum Jahresende 1991 seinen Sendebetrieb ein, die Produktion des Sandmännchens ging auf die Nachfolgesender Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg (ORB) und SFB über. Gleichzeitig erzählte das Ost-Sandmännchen nunmehr Gutenachtgeschichten für Kinder in ganz Deutschland.

          Seit 1999 ist zum reinen Puppentrick auch digitale Animation als Technik der Sandmännchen-Kurzfilme hinzugekommen. Das literarische Vorbild für das Männchen im Westen wie auch im Osten war die Hauptfigur aus dem gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen. In Andersens Original verwendet der Schlafbringer allerdings keinen Sand, sondern süße Milch, die er den Kindern in die Augen sprühte.

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