https://www.faz.net/-gum-3usg

Kinderreport : Kinderhilfswerk: Deutschland ist „extrem kinderunfreundlich"

  • Aktualisiert am

Für Kinder verboten Bild: dpa

Laut dem „Kinderreport“ schluckt in Deutschland ein Drittel der Kinder und Jugendlichen bereits Medikamente, jedes vierte Kind leidet an Allergien.

          2 Min.

          Der erste „Kinderreport Deutschland“ zeichnet nach Ansicht des Deutschen Kinderhilfswerks (DKHW) ein erschreckendes Bild von der Situation der Kinder in der Bundesrepublik. „Unsere Gesellschaft hat gegenüber unseren Kindern einen Zustand erreicht, den man als extrem kinderunfreundlich bezeichnen muss“, sagte der Präsident des Kinderhilfswerks, Thomas Krüger, am Mittwoch bei der Vorstellung des Berichts zur Lage der Kinder in Deutschland. Er rief alle Politiker auf, sich stärker für Kinderrechte einzusetzen. Mehr Beteiligungsrechte für Kinder weltweit forderte auch das UN-Kinderhilfswerk Unicef bei der Präsentation seines neuen Jahresberichts.

          "Kinder haben heute keinen Schonraum mehr“, warnte der Bielefelder Jugendforscher Klaus Hurrelmann bei der Vorstellung der Studie. Sich schon mit zehn Jahren vom Elternhaus lösen zu müssen, überfordere viele Kinder. Ihre „soziale Ozonschicht“ habe Lücken bekommen.

          Allergien und Zigaretten

          Laut dem „Kinderreport“ schluckt in Deutschland ein Drittel der Kinder und Jugendlichen bereits Medikamente, jedes vierte Kind leidet an Allergien. Für viele Zehnjährige gehörten Zigaretten- und Alkoholkonsum zum Alltag, warnte Krüger. Außer Kinderparlamenten und Kinderbüros forderte der DKHW-Präsident auch einen Bundesbeauftragten für Kinderrechte, der im Parlament die Anliegen der Kinder vertreten solle.

          Auch Unicef rief dazu auf, weltweit Mitsprachemöglichkeiten durch Kinderforen oder Kinderparlamente auszubauen. Den meisten Kindern auf der Welt fehle jegliche Möglichkeit, ihre Zukunft mitzugestalten, warnte Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs in Berlin.

          Weltweit habe daher die Mehrzahl der jungen Menschen das Vertrauen in demokratische Institutionen verloren. Dies habe eine Befragung von 40.000 Kindern in 72 Ländern gezeigt. So meinten nur vier von zehn Kindern in Europa und Zentralasien, mit Wahlen die Situation in ihrem Land verbessern zu können. „Kinder müssen frühzeitig lernen, dass sie ein Recht darauf haben, gehört zu werden“, forderte Garlichs. Sonst seien sie auch als Erwachsene nicht bereit, sich für die Gesellschaft einzusetzen.

          Aids bedroht Kinder in den ärmsten Ländern

          Gerade der Kampf gegen die Immunschwäche Aids zeigt dem Unicef-Bericht zufolge die fatalen Folgen mangelnder Beteiligung von Kindern in den ärmsten Ländern. So wüssten in Somalia 99 Prozent der Frauen zwischen 15 und 24 Jahren nicht, wie man sich vor der Krankheit schützen kann, in mehreren Ländern sei die Ahnungslosigkeit ähnlich groß.

          In dem ersten knapp 300 Seiten umfassenden „Kinderreport Deutschland“ tragen 18 Experten neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zusammen, zum Beispiel über „Kinder und Gesundheit“, „Kinder und Kriminalität“ oder „Kindheit in der Leistungsgesellschaft“. Außerdem beschreiben zehn Kinder in Kurzporträts ihren Alltag.

          Weitere Themen

          Nationalgarde lässt Sohn von Drogenboss „El Chapo“ laufen Video-Seite öffnen

          Mexiko : Nationalgarde lässt Sohn von Drogenboss „El Chapo“ laufen

          Im Kampf gegen die mächtigen Drogenbanden des Landes haben mexikanische Sicherheitskräfte eine demütigende Niederlage erlitten. Im Zuge eines „schlecht vorbereiteten Einsatzes“ sei ein Sohn des Drogenbosses Joaquín „El Chapo“ Guzmán zunächst gefasst, dann aber wieder freigelassen worden, sagte die Regierung.

          Topmeldungen

          Donald Trump gab bekannt, den G-7-Gipfel doch nicht im familieneigenen Hotel in Miami auszurichten.

          Twitter : G7-Gipfel im nächsten Jahr doch nicht in Trump-Hotel

          Dies gab Donald Trump auf seinem Twitter-Account bekannt. Der Präsident der Vereinigten Staaten musste zuvor heftige Kritik für seine Entscheidung einstecken, den G-7-Gipfel in seinem Hotel in Miami ausrichten zu wollen.

          „Super Saturday“ : Britische Regierung beantragt Brexit-Verschiebung

          Das britische Parlament hat eine Entscheidung über den Brexit-Deal verschoben. Premierminister Boris Johnson kündigt an, er werde „weiterhin alles tun, damit wir am 31. Oktober die EU verlassen.“ Trotzdem muss er Brüssel um einen Aufschub bitten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.