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Kinderehen : 765 Millionen verheiratete Minderjährige

  • Aktualisiert am

Libanesische Mädchen protestieren im März 2019 in Beirut gegen Kinderehen. Bild: EPA

Die Zahl der Jungen, die bei ihrer Hochzeit noch keine 18 Jahre alt waren, steigt auf 115 Millionen, berichtet Unicef. Trotz eines leichten Rückgangs bei den Mädchen werden aber immer noch fast sechsmal mehr Kinderbräute zur Ehe gezwungen.

          Laut einem am Freitag veröffentlichten Bericht des UN-Kinderhilfswerks Unicef ist die Zahl von minderjährig verheirateten Eheleuten auf rund 765 Millionen gestiegen. Der Anteil der Frauen, die vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet waren, ist demnach im vergangenen Jahrzehnt von 25 auf 21 Prozent gefallen. Gestiegen ist dagegen die Zahl der Jungen, die minderjährig verheiratet wurden: Etwa 115 Millionen der heute 20 bis 24 Jahre alten Männer seien bei ihrer Hochzeit noch Kinder gewesen. Jeder Fünfte von ihnen sei bei seiner Heirat noch nicht einmal 15 Jahre alt gewesen, teilte Unicef mit.

          „Eine frühe Ehe bedeutet das plötzliche Ende der Kindheit und eine Verletzung der Kinderrechte“, erklärte die Unicef-Exekutivdirektorin Henrietta Fore in New York. Kinder-Bräutigame seien gezwungen, die verantwortliche Rolle eines Erwachsenen zu übernehmen. Eine frühe Ehe führe zu früher Vaterschaft und dadurch zu noch größerem Druck, für die Familie zu sorgen. Darunter litten die Bildungs- und Jobmöglichkeiten. „Durch weitere Forschung, Investitionen und die Stärkung von Jungen und Mädchen können wir diese Kinderrechtsverletzung beenden“, sagte Fore.

          Kinderehen bei Jungen sind laut Unicef-Bericht in einer Reihe von afrikanischen Ländern südlich der Sahara, Lateinamerika und der Karibik, Südasien sowie Ost-Asien und der Pazifik-Region verbreitet. Am häufigsten heiraten minderjährige Jungen in der Zentralafrikanischen Republik (28 Prozent), gefolgt von Nicaragua (19 Prozent) und Madagaskar (13 Prozent).

          Risiko von Kinderehen steigt bei Armut und wenig Bildung

          Mädchen befinden sich aber immer noch deutlich häufiger in sogenannten Frühehen. Jede fünfte junge Frau wurde demnach bereits als Kind verheiratet. Bei jungen Männern käme das bei jedem Dreißigsten vor. Das Risiko einer Kinderehe steige, je ärmer, ländlicher und bildungsferner eine Familie lebe. Laut Unicef werden pro Jahr etwa zwölf Millionen weitere minderjährige Mädchen verheiratet. Derzeit drohten bis 2030 noch rund 150 Millionen Mädchen minderjährig verheiratet zu werden.

          Die Zahlen von Unicef basieren eigenen Angaben zufolge auf einer Analyse von verfügbaren Daten aus 82 Ländern. Kinderheirat bezeichnet die Eheschließung von mindestens einer Person vor Erreichen des zulässigen Heiratsalters oder der sogenannten Ehemündigkeit. Die Schätzungen beziehen sich auf die derzeitige Weltbevölkerung unabhängig davon, in welchem Jahr die Jungen und Mädchen verheiratet wurden.

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