https://www.faz.net/-gum-7drk4

Kids-Verbraucheranalyse 2013 : Die Kinder entscheiden selbst, was sie wollen

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Die „Kids-Verbraucheranalyse“ erkennt weitgehende Mitbestimmungsrechte bei Sechs- bis Dreizehnjährigen. Bei der Internetnutzung ist allerdings oft Schluss.

          3 Min.

          Selbst wenn es um das neue Regal fürs Kinderzimmer geht: Im Zweifelsfall entscheidet die Mehrheit der Jungen und Mädchen im Alter von sechs bis 13 Jahren heutzutage selbst, welches Modell gekauft wird. Und auch sonst genießen Kinder in ihren Familien weitgehende Mitbestimmungsrechte.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das hat die „Kids-Verbraucheranalyse 2013“ ermittelt, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Wenn es zum Beispiel um die Wochenend-Planung geht, dürfen schon zwei Drittel der Vorschulkinder mitreden. In der Altersgruppe sechs bis 13 Jahre sind es dann fast alle. Fast neun von zehn verfügen eigenmächtig über ihr Taschengeld, wählen ihre Lektüre selbst und beeinflussen, welche Lebensmittel in den Familien-Kühlschrank kommen. Und wenn der Nachwuchs nach Marken-Turnschuhen quengelt (was 62 Prozent der Kleinen tun), wenn es eine spezielle Jeans (56 Prozent) oder der angesagte Rucksack sein soll (55 Prozent), gibt eine große Mehrheit der Väter und Mütter diesem Wunsch nach.

          Die Freiheit der Kinder endet, jedenfalls im Grundschulalter, wenn es um das Internet geht. „Es ist nach wie vor wohl so, dass es einen großen Teil der Eltern gibt, die sehr skeptisch sind“, sagt Ingo Höhn, Geschäftsleiter des Egmont-Ehapa-Verlags. Für die repräsentative Erhebung, die seit mehr als 20 Jahren Auskunft über das Medien-, Konsum- und Freizeitverhalten der Kinder in Deutschland gibt, ließ der Verlag etwa 1600 Jungen und Mädchen im Alter von sechs bis 13 Jahren sowie ihre Eltern befragen. Zusätzlich wurden Eltern-Interviews mit Vorschulkindern geführt.

          Bilderstrecke

          Demnach darf nur jedes vierte Kind im Alter von sechs bis neun Jahren ohne Aufsicht im Internet surfen - bei den etwas älteren sind es 70 Prozent. Dafür macht Höhn den Wechsel an die weiterführende Schule verantwortlich, wo Mediennutzung zum Schulfach und der Computer für Recherchen wichtig werde.

          Den Anspruch der Eltern auf eine Reglementierung des Internet-Zugangs belegen derweil auch andere Daten. Von den Grundschülern besitzt nur jeder vierte einen eigenen Computer. Die Zahl hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert hat: Offenbar sehen die Eltern keinen weiteren Bedarf, und der Familien-Computer reicht aus. Möglich ist nach Meinung der Marktforscher sogar, dass manche Eltern für ihre Zöglinge zum digitalen Spielen lieber einen Nintendo oder eine Play-Station anschaffen statt sie den Versuchungen des Netzes zu überlassen. Tatsächlich ist der Besitz von „Handhelds“ bei den Grundschülern von 44 auf 52 Prozent gestiegen. Die Nutzung des Internets in dieser Altersgruppe ist in den vergangenen zwei Jahren indes gesunken.

          Was allerdings steigt, ist die Häufigkeit, mit der Jungen und Mädchen im Netz unterwegs sind. In der Altersgruppe zehn bis 13 Jahre ist jeder zweite täglich online. Bei den jüngeren ist die Gruppe derjenigen, die mehrmals in der Woche surfen, um sechs Prozentpunkte auf 62 Prozent gestiegen. Das heißt aber nicht, dass Kinder in ihrer Freizeit am Rechner versacken. 80 Prozent greifen mindestens einmal die Woche zum Buch. Klassisches Spielzeug - Brettspiele, Lego, Puzzle, Stofftiere - ist im sogar wichtiger geworden. Gedruckte und mediale Inhalte würden zunehmend parallel genutzt, sagt Höhn und vermutet ein „vielleicht auch chaotisches Nebeneinander“, das letztlich zu Lasten der medienfreien Zeit gehe.

          Das verbreitete Klischee, dass Kinder den Computer überwiegend zum Spielen nutzen, ist schon seit einigen Jahren widerlegt. Auf der Liste der Top-Fünf-Beschäftigungen mit dem Internet stehen Kommunikation (Mails), Musikhören, Chatten, Informationsbeschaffung und erst dann die Nutzung kostenfreier Online-Spiele. Das ist anders, wenn mobile Endgeräte - Smartphones, Tablet-PCs - genutzt werden, zu denen aber nur etwa 30 Prozent der Kinder Zugang haben. Hier wird vor allem gedaddelt. „Die Kinder erschließen sich diese neuen technischen Welten über das Spielen“, sagt Höhn. Er nimmt an, dass sich - wie beim Internet - mit wachsender Verbreitung der neuen Geräte eine ausgewogenere Nutzung etabliere.

          Beim Taschengeld gibt es kaum Veränderungen - im Vorjahr war der Durchschnittsbetrag noch um rund 2,50 Euro auf 27 Euro monatlich geklettert. Allerdings merken die Forscher an, dass die Kinder schon früh an beträchtliche Beträge herangeführt würden. Bereits im Vorschulalter bekomme jeder Zweite eigenes Geld - und zwar durchschnittlich zehn Euro im Monat. Das meiste davon geht, in allen Altersgruppen, für Nasch- und Knabberzeug drauf.

          Weitere Themen

          Kontaktloses Einkaufen per Roboter Video-Seite öffnen

          Helfer in der Quarantäne : Kontaktloses Einkaufen per Roboter

          Im indischen Coimbatore hat ein junger Mann eine Erfindung gemacht, die helfen könnte, die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Bis zu 30 Kilogramm kann der kleine Roboter tragen und so viele Besorgungen ferngesteuert übernehmen.

          Topmeldungen

          Ministerpräsident Bodo Ramelow vor einer Regierungserklärung im Thüringer Landtag.

          Thüringen plant Lockerungen : Mutig oder falsch?

          Die Pläne der Thüringer Landesregierung, den allgemeinen Lockdown wegen der Corona-Pandemie vom 6. Juni an aufzuheben, stößt nicht nur bei Gesundheitsexperten auf scharfe Kritik. Doch in der Bevölkerung erfährt Bodo Ramelows Vorstoß auch Zustimmung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.