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Gerichtsurteil : Bei Blechschäden besser auf Gutachten verzichten

Bei Kratzern und anderen Bagatellschäden sind die Kosten für das Gutachten nicht erstattungsfähig. Bild: picture-alliance / Design Pics

Für viele ist es Routine: Nach einem Autounfall wird ein Gutachten in Auftrag gegeben – die Versicherung zahlt es ja. Nach einem Urteil des Amtsgerichts München können Fahrer jedoch auf den Kosten sitzen bleiben.

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          Im November 2013 parkte eine Frau ordnungsgemäß ihren Wagen am Fahrbahnrand in Bad Tölz. Am selben Tag fuhr ein Mann mit seinem Fahrzeug gegen die linke Tür des abgestellten Autos. Die Tür wurde leicht eingedrückt, und es entstanden Schrammen an dem geparkten Fahrzeug. Nachdem die Frau den Schaden an ihrem Wagen bemerkt hatte, gab sie ein Sachverständigengutachten zur Beweissicherung in Auftrag. Die Schadenshöhe wurde mit 840 Euro veranschlagt. Der Betrag wurde von dem Kraftfahrzeughaftpflichtversicherer des Unfallgegners vollständig erstattet.

          Karin Truscheit
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Allerdings wollte die Frau auch die Kosten für das Gutachten in Höhe von 940 Euro erstattet bekommen. Doch der Versicherer lehnte dies ab und wurde daraufhin von ihr verklagt. Vor Gericht argumentierte der Haftpflichtversicherer, dass das Gutachten nicht nötig gewesen sei, da es sich nur um einen „Bagatellschaden“ gehandelt habe. Die Richterin gab dem Versicherer nun recht, wie das Amtsgericht München bekanntgab. Das Amtsgericht sieht den kleinen Blechschaden als Bagatellschaden an. Technische Teile und tragende Karosserieteile seien nicht betroffen gewesen. Die Kosten für das Gutachten seien somit nicht erstattungsfähig.

          Keine routinemäßigen Gutachten

          Das Gericht habe nicht feststellen können, warum ein Gutachten erforderlich gewesen sei. Zwar sind Kosten für ein Sachverständigengutachten grundsätzlich erstattungsfähig. Dies gelte jedoch nicht für Bagatellschäden. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs gehörten die Kosten für ein Gutachten zum Schaden, wenn die Begutachtung aus Sicht des Geschädigten erforderlich und zweckmäßig ist, um einen Anspruch geltend machen zu können. Das Gericht könne in diesem Fall den tatsächlich entstandenen Schaden berücksichtigen, um zu beurteilen, ob das Gutachten notwendig gewesen sei oder ob auch ein Kostenvoranschlag eines Reparaturbetriebs gereicht hätte.

          Sachverständigengutachten können demnach nicht routinemäßig in Auftrag gegeben werden. Die Kosten für das Gutachten müssten im Verhältnis zu den zu erwartenden Reparaturkosten stehen. Sonst müsse der Geschädigte „besondere“ Gründe anführen, warum er ein Gutachten für erforderlich gehalten habe. (Aktenzeichen 331 C 34 366/13)

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