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Venedig : Die Koffer dürfen weiter rollen

  • -Aktualisiert am

Die vielen Brücken Venedigs werden bei den Touristenmassen zum verstopften Nadelöhr. Für Einheimische ein Slalomparkour auf dem Weg zum Bäcker. Bild: Kaufhold, Marcus

Der Bürgermeister von Venedig hat Entwarnung gegeben: Die Rollkoffer werden nicht verboten. Für andere Transportmittel sieht es dagegen nicht so gut aus.

          Ein Wochenende lang herrschte Aufregung in den Hotels von Venedig und Sorge um das Wohl der Touristen in der Stadt: „Wie soll ich unseren Gästen aus aller Welt klar machen, dass ihr Rollkoffer oder Trolley wegen Ruhestörung verboten ist?“, fragte ein Angestellter an der Rezeption des Luxushotels Bauer am Canal Grande die Meldung der Lokalpresse. Sie bezog sich auf eine Anweisung der Stadt, wonach der Gebrauch von Koffern mit laut auf dem Straßenpflaster rollenden Rädern vom kommenden Jahr an mit Bußen von bis zu 500 Euro geahndet werde. „Ein Scherz, eine Posse?“

          Man habe unverzüglich beim Bürgermeisteramt nachgefragt. Von dort kam Entwarnung. In einer offiziellen Note ließ der amtierende Bürgermeister, Kommissar Vittorio Zappalorto „eindeutig und klar“ mitteilen: „Venedig hat nie daran gedacht, Rollkoffer im historischen Zentrum zu verbieten.“ Zappalorto ist zurzeit erster Bürger in der Lagune. Das Innenministerium in Rom hat ihn für eine Übergangsfrist bis zu den Neuwahlen eingesetzt, nachdem Giorgio Orsoni wegen eines Korruptionsskandals im Juni hatte zurücktreten müssen. Der Kommissar bezichtigte die Presse der Falschmeldung und dem Vernehmen nach auch einen Mitarbeiter im Bauamt der Stadt. Die Person soll der Presse einen unautorisierten Beschluss zugespielt haben, der zu den falschen Schlüssen einlud.

          Schwere Karren sind „akustische Provokation“

          Allerdings, so Zappalorto weiter, berate Venedig schon seit langem über Vorkehrungen zum Schutz gegen Lärm und gegen die Zerstörung des historischen Pflasters von Straßen und Brücken. Die Beschlüsse bezögen sich aber nur auf schwere Transportmittel, mithin auf die Schubkarren der Handwerksunternehmen oder die Handkarren von Wäschereien oder Händlern. Vor allem diese Karren seien eine „akustische Provokation“ am frühen Morgen, wenn viele Bürger noch schliefen. Dabei sei freilich nicht zu übersehen, dass Koffer mit harten Rädern auch Schaden anrichten; das treffe Venedig genauso wie andere alte Städte mit vielen Touristen. Gemeinsam mit ihnen müsse man nach einer Lösung suchen. Aber das heiße nicht, dass laute Touristenkoffer nun verboten werden könnten. Hier habe die Presse falsch berichtet. Handel und Handwerk dagegen würden nun dazu gezwungen, ihre Karren mit leiseren Gummirädern oder Pneus zu versehen.

          Der Presse Venedigs kam das Thema freilich gelegen. Sie hat seit längerem einen Streit in der Stadtregierung ausgemacht: Der vom Staat eingesetzte Kommissar habe es schwer sich durchzusetzen, und im Stadtrat wachse die Gruppe derer, die vor allem an Venedigs Bürger dächten und weniger an die Touristen. Am Samstagabend wurden gar bei einer Premiere von Giuseppe Verdis Oper „Simon Boccanegra“ im Opernhaus La Fenice zwischen zwei Akten Flugblätter von den Balkonen geworfen. Darauf wurde die Stadtregierung dazu aufgefordert, mehr an die Bürger zu denken, an ihre Schulen, an das Handwerk und an den lokalen Handel. Der Interims-Bürgermeister Zappalorto sagte beim Galadiner nach der Premiere, mit den meisten Forderungen und Wünschen sei er „einverstanden“. Es gebe zu viel gefährlichen Verkehr auf den Kanälen, zu wenige Geschäfte für die Bedürfnisse der Bürger und zu viele Läden mit Andenken für die Besucher aus aller Welt. Er sei auch der Meinung, dass Venedig jetzt genug Hotels und genug Touristen habe. Aber zugleich müsse auch alles dafür getan werden, dass sich Besucher in der Stadt wohlfühlen könnten.

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