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Massenimpfung in Serrana : Durchgeimpfte Kleinstadt in Brasilien

Archivfoto von Mitte April: Bewohner von Serrano warten auf ihre Impfung mit dem Coronavac-Vakzin. Bild: AFP

Im Gegensatz zu den meisten Brasilianern können Bewohner in Serrana aufatmen: Die Stadt verzeichnet kaum noch Ansteckungen mit dem Coronavirus. Grund dafür ist nicht etwa ein Wunder, sondern eine Massenimpfung.

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          Die unscheinbare brasilianische Kleinstadt Serrana im Hinterland des Bundesstaates São Paulo weckt Hoffnung. Einst ebenso schwer von der Pandemie betroffen wie der Rest des Landes, hat sich die Situation in der rund 45.000 Einwohner zählenden Stadt in den letzten vier Monaten normalisiert. Heute ist das Virus weitgehend unter Kontrolle. Ansteckungen sind kaum noch zu verzeichnen, und wenn, dann nehmen sie meist einen milden Verlauf. In der Bevölkerung macht sich Erleichterung breit.

          Tjerk Brühwiller
          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Grund ist nicht etwa ein Wunder, sondern die Impfung. Im Rahmen einer Studie hat das Institut Butantan in São Paulo in Zusammenarbeit mit der Universität São Paulo in der Kleinstadt die Auswirkungen einer Massenimpfung auf den Verlauf der Pandemie beobachtet. Fast die gesamte erwachsene Bevölkerung von Serrana wurde mit zwei Dosen des chinesischen Impfstoffs Coronavac geimpft, der vom Institut Butantan produziert wird und Brasiliens wichtigster Impfstoff ist.

          Am Montag präsentierte das Institut die Resultate der Studie. Sie zeigen, dass sich die Pandemie kontrollieren lässt, sobald rund drei Viertel der Erwachsenen geimpft sind. Die Massenimpfung fand in mehreren Schritten statt, wozu die Bevölkerung der Kleinstadt in vier Gruppen aufgeteilt wurde. Noch während der ersten Phase der Massenimpfung verzeichnete Serrana einen Anstieg der Fälle. Als die Verabreichung der zweiten Impfdosis begann, stellte sich bereits ein deutlicher Rückgang der Fälle ein. Und als drei Viertel der zweiten Dosis verabreicht waren, galt die Pandemie als unter Kontrolle, während in den umliegenden Gemeinden das Virus weiterhin tobte. Die Ergebnisse der Massenimpfung decken sich weitgehend mit Modellrechnungen der Wissenschaft. Der Versuch in Serrana war jedoch das weltweit erste Feldexperiment dieser Art.

          Die Bewohner von Serrana halten weiterhin die Sicherheitsrichtlinien ein und tragen Masken, doch die Angst ist der Zuversicht gewichen. Die Behörden arbeiten schon an weiteren Experimenten in der Kleinstadt, so zum Beispiel an der Durchführung von publikumsintensiven Anlässen. Davon können die meisten Brasilianer nur träumen. Weiterhin werden im ganzen Land jeden Tag Zehntausende neue Fälle registriert und sterben rund 2000 Personen im Zusammenhang mit dem Virus. Die Impfkampagne ist noch weit von dem Wendepunkt von 75 Prozent entfernt: 28 Prozent der erwachsenen Bevölkerung hat die erste Impfdosis erhalten, 14 Prozent sind vollständig geimpft.

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