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Katzennamen : Lilly statt Mienzi

  • Aktualisiert am

Lukas, Felix, Paul: Menschen- und Tiernamen gleichen sich immer mehr an Bild: dpa

Je mehr Fell, desto mehr Kuschelfaktor, desto wichtiger die Benennung: Namenforscher Peter Kraß über Katzennamen damals und heute.

          2 Min.

          Herr Kraß, haben Sie eine Katze?

          Nein, aber großes Interesse an Katzen.

          Wenn Sie eine Katze hätten, wie würde die heißen?

          Brockhaus.

          Warum?

          Brockhaus ist Institution, und das soll die Katze ja auch im Zusammenleben sein. Auch glaube ich, dass Katzen sehr clevere Tiere sind, und das würde ich mit dem Namen gerne ausdrücken.

          Gehören Sie damit, was die Benennung von Katzen angeht, zur alten Schule oder zur Avantgarde?

          Früher hätte man seine Katze wohl nicht Brockhaus genannt, das entspricht schon eher der neuen Mode.

          Sie haben an der Uni Mainz Ihre Bachelor-Arbeit in Linguistik über die Benennung von Katzen geschrieben. Was ist denn alte und was neue Mode?

          Das lässt sich nicht ganz einfach sagen, weil es keine historischen Datensätze gibt. Das ist ein erstaunliches Phänomen: Obwohl es Katzen seit 6000 vor Christus als Haustiere gibt und sie so präsent sind, sind ihre Namen nicht erforscht. Meine Studie ist Grundlagenforschung. Aber es hat definitiv ein Wandel stattgefunden. Es gibt eine alte Aufzeichnung aus einem rheinland-pfälzischen Dialektwörterbuch, in der sich ein großer Prozentsatz der Katzennamen auf die Miau-Laute bezieht. Die heißen Minka, Mienzi, Minza.

          Und heute?

          Menschen- und Tiernamen gleichen sich immer mehr an. Mehr als die Hälfte der 600 untersuchten Tiere trug Menschennamen. Die häufigsten Namen waren Lilly und Felix. Das ist insofern interessant, weil es zwei Namen sind, die in den vergangenen zehn Jahren immer unter den Top Ten der Kindernamen waren. Beliebt sind auch Leo oder Paul. Man kann aber nicht sagen, dass die Katze von heute typischerweise so heißt, weil es auch viel darum geht, zu individualisieren. Viele Tiere haben exklusive Namen.

          Haben Sie Beispiele für sehr individuelle Katzennamen?

          Kajo zum Beispiel, eine Zusammensetzung der Vornamen der beiden Halter, Katharina und Joachim. Casanova war auch außergewöhnlich. Die Katze hat ihren Namen bekommen, weil es ihre Lieblingsbeschäftigung ist, Frauen beim Duschen zu beobachten. Sehr gut war auch Jack, benannt nach Jack Haze, eine bekannte Cannabis-Sorte, wie ich in meiner Umfrage erfahren habe. Das Besitzerpärchen konsumierte gerne Cannabis.

          Ohne Katze: Peter Kraß

          Was sind die Motive für die Namen?

          Hauptsächlich ist es Nachbenennung: Ich habe einen Namen schon mal irgendwo gelesen oder gehört und will ihn meiner Katze geben. Häufig spielen auch Aussehen oder der Charakter eine Rolle, dann heißen Tiere Blacky oder Speedy. Euphonie ist zudem wichtig, also der Wohlklang des Namens. Man will einen Namen, der sich gut anhört, damit das Tier ein hochwertiges Familienmitglied sein kann.

          Ist das letztlich der Grund für den Wandel in der Benennung, dass Katzen mehr und mehr Familienmitglied, gar Kinderersatz sind?

          Ich habe keinen Unterschied zwischen Haushalten mit und ohne Kindern gefunden. Das spricht gegen die These, dass Katzen Kinderersatz sind, die auch ich hatte. Aber Katzen gehören ebenso wie Hunde zu der Art von Haustieren, die einen Kuschelfaktor haben und sehr nahe beim Menschen leben.

          Drückt sich das auch in Kosenamen aus?

          Ja, je näher ein Tier beim Mensch lebt und je größer der Kuschelfaktor ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für Kosenamen wie Mausebär und Schmusebär und Tigerchen. Dadurch wird viel Nähe erzeugt. Daher haben viele Katzen verschiedene Namen.

          Werden die jeweiligen Namen nur in bestimmten Situationen benutzt?

          Da gelten die gleichen Regeln wie in Partnerschaften. Je intimer die Situation, desto intimer der Name. Beim Kuscheln ist die Katze Tigerchen. Beim Tierarzt dagegen wird man nicht sagen: Schmusebär, jetzt setz dich mal auf den Tisch. Dann ist es Felix.

          Anfang der Woche waren Sie auf einer Tiernamentagung in Mainz. Was gab es da zu lernen?

          Je mehr die Zucht im Vordergrund steht, desto wichtiger ist ein prestigeträchtiger Name, dann wird der Tiername zu einem Produktnamen. Wie beim Zuchtdackel, der Carlos vom Sonnenhof heißt. Grundsätzlich gilt: Fell macht den Unterschied. Je mehr Fell, desto mehr Kuschelfaktor, desto wichtiger die Benennung.

          Bleiben Sie der Namenforschung treu?

          Auch wenn mein Studium vorbei ist und es mich beruflich in eine andere Richtung verschlagen hat, bleibe ich dabei. Als Nächstes will ich die Benennung von Kuscheltieren erforschen.

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