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Eröffnung des Katholikentages : Steinmeier: Staat darf Religion nicht bevormunden

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Der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält bei der Eröffnungsfeier des Katholikentages eine Rede. Bild: Reuters

Bei der Eröffnungsfeier des Katholikentages plädiert Bundespräsident Steinmeier für mehr Offenheit und Zusammenarbeit der Konfessionen – spricht jedoch auch eine deutlich Warnung aus.

          Mit einem Appell für mehr Frieden und Toleranz in der Welt ist am Mittwoch der 101. Katholikentag eröffnet worden. Das Veranstaltungsmotto „Suche Frieden“ sei angesichts der derzeitigen Krisen aktueller denn je, sagt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor mehr als 10.000 Besuchern bei der Eröffnungsfeier am Abend.

          Ein langfristiger Friede beispielsweise im Mittleren Osten sei mit dem jüngsten Rückzug der Vereinigten Staaten aus dem Iran-Atomabkommen „jedenfalls nicht wahrscheinlicher“ geworden. Aktuell sei das Motto „Suche Frieden“ aber „nicht nur in der Weltpolitik, sondern auch in unserem eigenen Land“, sagte Steinmeier.

          Das Aufhängen eines Kreuzes könne nichts kompensieren

          In der Debatte um das Kreuz warnt Steinmeier zudem davor, Religion zu instrumentalisieren. „Der Staat hat die Religion nicht zu bevormunden, er hat sie nicht in den Dienst zu nehmen, und er darf sie insbesondere nicht zum Instrument von Politik machen“, sagte er.

          Dass Deutschland zutiefst christlich geprägt sei und „dass wir uns selber und unsere Kultur ohne unsere christliche Geschichte nicht verstehen können, ist für mich selbstverständlich“, so Steinmeier: „Auch christliche Kirchen und christliche Symbole wie das Kreuz sind in unserem Land im öffentlichen Raum selbstverständlich. Aber wir wissen auch: Was sonntags in den Gottesdiensten fehlt, das kann das Kreuz im Behördeneingang nicht füllen.“

          „Kein harmonisches Familientreffen“

          Münsters Bischof Felix Genn forderte, vom Katholikentag müsse ein „nachhaltiges, auch politisches Signal“ ausgehen. „Wir dürfen den Katholikentag nicht als harmonisches Familientreffen missverstehen, es geht auch um den Diskurs.“ Genn bezeichnete die international kritisierte Iran-Entscheidung von Präsident Donald Trump als „verheerendes Signal“.

          Vor dem Katholikentag hatten sich rund 50.000 Besucher eine Dauerkarte gesichert, zudem werden bis Sonntag rund 20.000 Tagesgäste erwartet. Sternberg sagte, seit dem Katholikentag 1990 in Berlin kurz nach dem Mauerfall habe die Veranstaltung nicht mehr so viele Menschen angezogen wie jetzt in Münster. Das liege auch daran, dass es im Bistum Münster „nach wie vor einen wirklich verankerten Katholizismus“ gebe. Insgesamt sind mehr als 1000 Veranstaltungen angesetzt: Diskussionsforen, Kulturangebote und Gottesdienste.

          Auch die AfD ist eingeladen

          Die Großveranstaltung steht im Zeichen mehrerer kirchlicher und politischer Auseinandersetzungen. Die mögliche Segnung homosexueller Paare unter dem Dach der katholischen Kirche, der Beschluss des bayerischen Kabinetts zu Kreuzen in Behördengebäuden und die Teilnahme protestantischer Ehepartner an der katholischen Kommunion im Einzelfall sorgen für Zerwürfnisse.

          Steinmeier bat die katholische Kirche in der Kommunionsfrage um ein Entgegenkommen. „Lassen Sie uns Wege suchen, den gemeinsamen christlichen Glauben auch durch gemeinsame Teilnahme an Abendmahl und Kommunion zum Ausdruck zu bringen“, sagte der Bundespräsident. „Ich bin sicher: Abertausende Christen in konfessionsverschiedenen Ehen hoffen darauf“, fügte er unter stürmischem Beifall seiner Zuhörer an.

          Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) rief die katholische Kirche zu mehr Offenheit auf. „Dass Protestanten mit der Kommunion etwas anderes verbinden als Katholiken, unterscheidet uns, aber trotzdem sind wir letztlich eine Christengemeinde, der beide Ehepartner durch das Sakrament der Taufe angehören“, sagte Dreyer der Deutschen Presse-Agentur.

          Die Deutsche Bischofskonferenz hatte im Februar entschieden, dass Ehepaare unterschiedlicher Konfessionen im Einzelfall gemeinsam an katholischen Eucharistiefeiern teilnehmen dürfen. Dann kam es jedoch zum Bruch: Sieben Bischöfe wandten sich offen gegen die Entscheidung. Sternberg wertete den jüngsten Appell des Vatikans, eine gemeinsame Lösung zu finden, als „klares Signal zur Stärkung der Bischofskonferenz“. Auf den innerkirchlichen Zwist angesprochen sagte er: „Eine Kirche, in der es nicht auch gelegentlich rumpelt und man streitet, wäre auch keine Kirche, die ich mir vorstellen kann.“

          Die Einladung eines AfD-Vertreters zur Teilnahme an einer Diskussion über die Haltung der Bundestagsfraktionen zu Kirche und Religion in Staat und Gesellschaft am Samstag verteidigte Sternberg. Eine Ausladung „böte der Partei nur die Chance, sich als Märtyrer zu inszenieren“, sagte der ZdK-Präsident.

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