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Kathleen Cieplik über ihre neue Popularität : „Auch coole Friseure können doch herzlich sein“

  • Aktualisiert am

Die Berliner Friseurin Kathleen Cieplik in ihrem Salon Bild: Andreas Pein

Die Friseurin Kathleen Cieplik war Doris Dörries Rollenvorbild für „Die Friseuse“. Manchmal wird sie sogar mit der Filmfigur Kathi König verwechselt. Ein Gespräch über Nacktszenen, Abnehmversuche und die fehlende Freundlichkeit von Verkäuferinnen.

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          Die Friseurin Kathleen Cieplik war Doris Dörries Rollenvorbild für „Die Friseuse“. Manchmal wird die Berlinerin sogar mit der Filmfigur Kathi König verwechselt. Mit Katja Gelinsky sprach sie über Nacktszenen, Abnehmversuche und die Freundlichkeit von Verkäuferinnen.

          Frau Cieplik, kommen die Leute zum Gucken und Fotografieren statt zum Haareschneiden, seit der Doris-Dörrie-Film „Die Friseuse“ im Kino läuft?

          Nein, gar nicht. In Berlin gibt es ja so viele bekannte Gesichter. Wer die sehen will, geht ins „Café Einstein“. Da muss man keine Pilgerfahrt in die Hufelandstraße machen.

          Gabriele Maria Schmeider als Kathi König in Doris Dörries „Die Friseuse”
          Gabriele Maria Schmeider als Kathi König in Doris Dörries „Die Friseuse” : Bild: Constantin Film

          Lassen sich denn mehr Leute als früher die Haare schneiden?

          Nein, so sind die Berliner nicht. Die nehmen zur Kenntnis, dass ich die Friseuse bin, deren Geschichte mit dem Film zu tun hat. Aber damit hat es sich. Mir kommt diese entspannte Art entgegen. Man hat ja nur begrenzte Kapazitäten.

          Und wer sind Ihre Kunden?

          Querbeet: Der forensische Computerexperte, Lotti Schmidt von der Supermarktkasse und Familien. Er Landschaftsarchitekt, sie Soziologin, dazu zwei Kinder.

          Ihre Haare lassen eine schrillere Kundschaft vermuten.

          Nur weil ich lila Haare habe, brauchen meine Kunden ja keine lila Haare zu haben. Einer Journalistin, die grüne Strähnen wollte, habe ich das ausgeredet. Sie war nicht der Typ dafür. Wir haben uns dann auf ein warmes Blond mit ein paar hellen Strähnchen geeinigt.

          Passiert es, dass Sie mit der Filmfigur Kathi König verwechselt werden?

          Ja, das kommt schon vor. Am häufigsten werde ich auf die Schleusernummer mit den vietnamesischen Flüchtlingen angesprochen, an der Kathi König sich beteiligte, weil sie Geld für ihren Salon braucht. Dazu fragen mich Kunden: ,Haben Sie wirklich so viele fremde Menschen in Ihrer Wohnung aufgenommen? Und wie war das mit diesen Vietnamesen?‘ Auch Freunde fragen schon mal. Sie machen sich Gedanken, ob es in meinem Leben etwas gibt, von dem sie nichts mitbekommen. Aber so ist das nicht.

          In dem Film gibt es ja einige Nacktszenen, in denen Kathi Königs ganze Fülle in Nahaufnahme zu sehen ist . . .

          Ja, darauf bin ich schon angesprochen worden: ‚Sagen Sie mal, Sie waren ja nackt!‘ Ob ich auch meine Brüste pudere, wollte jemand wissen. Andere Kunden fragten, ob das, was man bei der nackten Kathi König sah, bei mir auch so aussieht.

          Und was antworten Sie?

          ,Ja, so ähnlich schon‘, sage ich dann. Offensichtlich interessiert es die Leute, wie der eigene Friseur nackt aussieht. Aber ich habe damit keine Probleme. Ich komme ja aus dem Osten, da brauchten Sie für FKK nur bis zum nächsten See zu gehen.

          Können Sie sich mit Kathi König identifizieren?

          Ich bin auch eher der Typ, der Probleme abschüttelt, die Dinge nicht so dicht an sich ranlässt. Aber manches hätte ich nicht so hingenommen. Als Kathi in ihr altes Haus kommt und dort die Neue ihres Mannes trifft. Da hätte ich ein paar grundlegende Dinge angemerkt.

          Wie war das denn damals, als Sie den Job nicht bekamen, weil die Friseurmeisterin Sie zu dick fand?

          Wir waren uns am Telefon einig, dass ich die Stelle bekommen sollte. Als ich dann in die Filiale am Tauentzien kam, war die Friseurmeisterin schon so ulkig. ,Das geht nicht’, sagte sie. Ich daraufhin: ‚Und, warum nicht?‘ – ‚Das ist ein ästhetischer Beruf’, meinte sie. ,Na und?‘, fragte ich immer noch ahnungslos. Und dann kam es: ‚Sie sind nicht ästhetisch.‘

          Also haben Sie Ihren eigenen Salon aufgemacht?

          Ja, bei mir kommt gleich Plan B. Aber ich habe mich später noch mal bei dem Chef der Friseurmeisterin gemeldet.

          Was haben Sie ihm gesagt?

          Dass ich das Ziel hätte, den Laden aufzukaufen. Dann seien natürlich Personalumstrukturierungen erforderlich. Er könne sich sicher denken, wer davon betroffen sei. Nach diesem Telefonat ging es mir super.

          Ärgern Sie sich über Friseure, die betont lässig-glamourös auftreten?

          Nein. Auch coole Friseure können herzlich sein, so wie bei Lotti in der Lockenstube. Das sind doch alles Äußerlichkeiten, darauf kommt es doch gar nicht an.

          Haben Sie mal versucht abzunehmen?

          Klar, ich war auch schon mal im Sportstudio. Zum Schluss stand ich mit zehn Leuten da und habe mich unterhalten. Das ist ja auch nicht Sinn der Sache.

          In dem Film gibt es eine Szene, in der Kathi König einen Bankangestellten zu mehr Freundlichkeit erzieht. Das ist eine Szene aus Ihrem Leben, oder?

          So ähnlich. Ich ging in eine schicke Boutique, und die Verkäuferin guckte stumm, als würde sie denken: ‚Welchen Ärmel will die denn jetzt haben?‘ Ich daraufhin: ‚Das üben wir aber noch mal. Morgen komme ich wieder und erwarte, dass Sie etwas freundlicher sind.‘ Als ich am nächsten Tag wieder da war, hatte sie ein ganz schlechtes Gewissen. Stress mit ihrem Mann, hat sie mir dann erzählt.

          Hätten Sie Lust, selbst in einem Film mitzuspielen?

          Ich als Schauspielerin? Nein, das geht gar nicht. Da müsste ich ja unterschiedliche Rollen spielen!

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