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Kathedrale von Nantes : Vom Feuer beraubt

  • -Aktualisiert am

Die Polizisten in Nantes, die die Straßen für den Einsatz der Feuerwehr am Samstag absicherten, konnten nur zuschauen, wie Rauch aus einem Fenster der Kathedrale Saint-Pierre-et-Saint-Paul steigt. Bild: dpa

Nach dem Brand in der Kathedrale von Nantes nimmt die Polizei einen Mann in Gewahrsam. Die Brandursache wird noch ermittelt. Traurige Gewissheit besteht um den Verlust eines 400 Jahre alten Instruments mit einem einmaligen Klang.

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          Nantes, am Samstagmorgen. Gegen 7 Uhr 45 sahen Passanten im Herzen von Frankreichs sechstgrößter Stadt hinter dem zentralen Fassadenfenster der Cathédrale Saint-Pierre-et-Saint-Paul Flammen lodern. Die Feuerwehr war rasch vor Ort: 104 Brandbekämpfer, mit 45 Fahrzeugen angerückt und mit zwei Hohlstrahlrohren bewaffnet, drängten die Flammen binnen zwei Stunden zurück.

          Rund 24 Stunden später gab die Staatsanwaltschaft bekannt, dass ein Mann in Gewahrsam genommen wurde. Bei ihm handele es sich um einen Ehrenamtlichen, der für die Schließung der Kathedrale am Freitagabend verantwortlich gewesen sei. Am Sonntagabend ist der Mann wieder frei. Es gebe keine weitere Strafverfolgung und keine Verbindung zu dem Feuer, so Staatsanwalt Pierre Sennès.

          Sennès hatte am Samstag ein Ermittlungsverfahren wegen Brandstiftung eingeleitet. Es gebe drei räumlich auseinanderliegende Herde: an der Hauptorgel über dem zentralen Portal sowie ebenerdig links und rechts des an der Vierung plazierten Altars. Das sei kein Zufall, sondern die „Signatur“ eines vorsätzlich verursachten Feuers.

          Später indes wurde er kleinlauter und räumte ein, man gehe jeder Spur nach. So werde zum einen die Anwohnerschaft des Domplatzes befragt und die Videoüberwachung in der Umgebung ausgewertet, zum anderen aber auch die elektrischen Leitungen der Kirche unter die Lupe genommen. Mit letzterer Aufgabe wurde ein Experte der Pariser Polizei betraut.

          Bausubstanz weiterhin intakt

          Gemäß einer provisorischen Schadensbilanz fielen dem Brand die Hauptorgel, das über dieser gelegene Buntglasfenster sowie ein Gemälde des neoklassizistischen Kirchenmalers Hippolyte Flandrin zum Opfer. Ein Vergleich zu dem Großbrand von Notre-Dame de Paris lässt sich nicht ziehen: Anders als bei diesem, wo am 15. April 2019 Flammen vom Vierungsturm auf den hölzernen Dachstuhl übergegriffen hatte, ist die Bausubstanz hier intakt; eine generelle Einsturzgefahr scheint nicht zu bestehen. Sorge bereitet einzig die gewölbte Empore, die die Orgel trug: Diese ist laut dem zuständigen Feuerwehrkommandanten „sehr instabil und könnte zusammenbrechen“.

          Frankreichs unlängst neu ernannter Premierminister, Jean Castex, Innenminister Gérald Darmanin, und Kulturministerin, Roselyne Bachelot, begaben sich am Samstag nach Nantes an den Ort des Geschehens. Letztere erklärte, als Bewohnerin der Region Pays de la Loire sei Saint-Pierre-et-Saint-Paul „ihre“ Kathedrale. „Mir sind die Tränen gekommen… insbesondere die Zerstörung einer Orgel ist wie ein Stich ins Herz.“

          Für die Renovierung des Bauwerks, das seit der Revolutionszeit wie fast alle Bischofskirchen des Landes dem Staat gehört, waren in den kommenden Jahren etliche Millionen Euro vorgesehen, davon 1,7 Millionen Euro für die Orgel. „Der Staat wird seine Eigentümerpflicht erfüllen“, versprach Bachelot. Die „fondation du pa­tri­moi­ne“, eine gemeinnützige Privatstiftung, die letztes Jahr für die Restaurierung von Notre-Dame 230 Millionen Euro zusammengetragen hatte, startete eine Spendenaktion für den Wiederaufbau der Orgel.

          In der langen Geschichte der Kathedrale ist dieser Brand weder der erste noch der schlimmste. 1943 und 1944 beschädigten Fliegerbomben die Sakristei sowie die Apsis und drei Kapellen. Die Restaurationsarbeiten zogen sich über Jahrzehnte hin und endeten – traurigerweise kurz vor Abschluss – 1972 in einem Großbrand. Diesem fiel der größte Teil des Dachfirsts zum Opfer. Ein Gericht befand später, nicht die zuständige Baufirma trage die Schuld, sondern der Staat. Er habe es versäumt, vor Beginn der Arbeiten den hochentflammbaren Staub zu entfernen, der sich im Lauf von Jahrzehnten im Dachstuhl angehäuft hatte. Das Gebälk wurde anlässlich des bis 1985 dauernden Wiederaufbaus mit Beton verstärkt.

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