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Tadschikistan : Kartoffeläcker im Hochgebirge

  • -Aktualisiert am

Beschwerliche Arbeit: Landwirtschaft in Tadschikistan. Bild: Thomas Veser

Tadschikistan hing früher von sowjetischer Ernährung ab. Nun sucht das Bergland nach Wegen, sich selbst zu versorgen.

          3 Min.

          Alles drehte sich ums Geld in Pandschakent an der Seidenstraße, damals, in der Blütezeit. Damit ist es allerdings schon eine Weile vorbei, seit dem frühen Mittelalter nämlich. Den einstigen Wohlstand der zerfallenen Handelsstadt bezeugen heute noch die prächtigen Wandgemälde aus vorislamischer Zeit. Zusammen mit der rätselhaften Nachbarsiedlung Sarasm aus der Bronzezeit ist sie ein Dorado der Archäologen, gelegen im nordwestlichen Zerafshan-Tal. Pandschakent heißt auch der Hauptort des gleichnamigen Distrikts in Tadschikistan. Die meisten Menschen hier sind in der Landwirtschaft tätig. Das Zerafshan-Tal, obwohl hoch gelegen, hat gute Böden für Ackerbau, Viehzucht und Obstkulturen.

          Damit kommt der Gegend an der Grenze zu Usbekistan eine Schlüsselrolle zu. Als kleinstes mittelasiatisches Land ist Tadschikistan überwiegend gebirgig, Landwirtschaft kann man nur auf gut fünf Prozent der Fläche betreiben. Damit könnte es sich mit seinen etwa acht Millionen Einwohnern zwar immer noch aus eigener Kraft mit Nahrungsmitteln versorgen. Aber es muss zurzeit mehr als die Hälfte der Lebensmittel importieren, und das hat historische Gründe. Bis zum Umbruchjahr 1991, als Tadschikistan sich für unabhängig erklärte, wurde das wirtschaftliche Schlusslicht der Sowjetunion vor allem mit Lebensmitteln aus anderen Republiken versorgt. Weizenmehl etwa kam aus Kasachstan, Obst und Gemüse lieferte die Ukraine. Im ganzen Land gab es damals etwa 600 Staatsfarmen, die Sowchosen.

          Dort hatten die Bauern ihre Ernte abzuliefern. An diese Zeit erinnern am Stadtrand noch die zerfallenden Backsteingebäude einer Kolchose, die nach Karl Marx benannt war. In den besten Jahren standen dort bis zu 700 Rinder. An Futter herrschte kein Mangel, zumal die Hirten ihre Tiere auch auf usbekischem Gebiet weiden ließen. Viehzucht in solchem Maßstab wäre heute unmöglich, weil Usbekistan die Grenze mit Tadschikistan 2010 mit einem Metallzaun abriegelte, angeblich, um die Handelswege des Rauschgifts aus Afghanistan zu kappen.

          Dekhan-Farmen

          In erster Linie kam dabei allerdings der für beide Seiten einträgliche kleine Grenzverkehr zum Erliegen. Westliche Touristen, die vom usbekischen Samarkand aus Tagesausflüge nach Tadschikistan unternehmen, gibt es nicht mehr, so wenig wie tadschikische Bauern, die in Usbekistan Kartoffeln und Früchte verkaufen. Seither müssen die Bauern ihre Waren im eigenen Land absetzen. Bei der Landreform, die 1991 begann und noch immer nicht abgeschlossen ist, bekamen die einstigen Staatsangestellten sogenannte Dekhan-Farmen, deren Land in Staatsbesitz bleibt.

          Der 54 Jahre alte Makhmut Zoirow, einst Angehöriger der Karl-Marx-Kolchose, bearbeitet Felder auf fünf Hektar Fläche, die sich drei Familien teilen. Wie die meisten Landwirte zieht er Gemüse, etwa Gelbe Rüben, Tomaten, Zwiebeln. „Als Kolchosnik ging es mir richtig gut“, sagt er wehmütig. Damals gab die Kolchose jedem ein Soll vor, „dafür bekamen wir monatlich ein Gehalt, um mehr mussten wir uns nicht kümmern. Zudem konnte ich meinen Hof zur Selbstversorgung behalten.“ Diese Sicherheit vermisst er heute. Makhmut Zoirow erlebte den Aufbruch in die freie Wirtschaft als Mühsal. „Die meisten Leute waren damals knapp bei Geld, und so sanken die Preise, außerdem war ich mir nicht sicher, auf welche Produkte ich setzen sollte, das war richtig riskant.“

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