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Karneval in Rio : Siebenjährige Samba-Königin bricht weinend zusammen

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Hier tanzt sie noch: Julia Lira, 7 Bild: dpa

Eine siebenjährige Samba-Queen ist während ihres Auftritts beim Karneval weinend zusammengebrochen. Zuvor hatte die Kinderschutzbehörde versucht, sie daran zu hindern, die „stark sexualisierte“ Rolle einer Vortänzerin zu spielen.

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          Die Samba-Königin trägt ein Krönchen in ihrem braun gelockten Haar, ein kurzes, fliederfarbenes Röckchen und ein glitzerndes Bikinioberteil. Ein sexy Outfit - und damit nichts Ungewöhnliches beim Karneval in Rio. Doch die Tänzerin ist erst sieben. Vergeblich hatte die Kinderschutzbehörde versucht, Julia daran zu hindern, die „stark sexualisierte“ Rolle einer Vortänzerin beim Karneval zu spielen. In den frühen Stunden des Rosenmontags ist die Siebenjährige während ihres umstrittenen Auftritts weinend zusammengebrochen. Julia trat auf Wunsch ihres Vaters als Vortänzerin der Sambaschule Viradouro auf, deren Präsident er ist. Er führte seine Tochter die ersten Meter an der Hand durch die Menge. Julia bewegte sich zunächst noch zögerlich, doch dann präsentierte sie den Fotografen und Kameraleuten, die sie umringten, ein breites Lächeln. Nach zehn Minuten kam der Zusammenbruch unter Tränen. Ihre Betreuerin fing sie noch rechtzeitig auf und führte sie etwas abseits, wie die Sprecherin der Sambaschule, Joice Hurtado, mitteilte.
          Nach einer fünfminütigen Pause, in der Julia ihre Fassung zurückgewann, kehrte sie an die Spitze der Parade zurück. Doch ihr Vater führte das Kind dann schnell vom Ort des Geschehens und den Objektiven der Fotografen weg.

          „Sie hatte einfach Angst bekommen, als ihr all die Kameras ins Gesicht gehalten wurden“, sagte Hurtado. „Nachdem wir sie dann in die Arme ihrer Mutter gebracht hatten, beruhigte sie sich schnell und lieferte eine tolle Show.“ Als Julia wieder an der Spitze ihrer Sambaschule die Hüften schwang, wurde sie nicht mehr im brasilianischen Fernsehen gezeigt.

          Parade mit Hitler und Nackten verboten

          Vor Beginn der Parade hatte Julias Vater noch erklärt, seine Tochter sei „sehr glücklich, sie ist bereit zu tanzen“. Nach dem Auftritt jedoch wirkten beide müde und emotional ausgelaugt. Julia rang sich aber noch zu einem verstohlenen Lächeln durch, auf Fragen, wie sie das Ereignis fand, antwortete sie nicht.

          Die Rolle der Vortänzerin ist stark sexualisiert

          Im Publikum gab es kritische Stimmen zu Julias Auftritt. „Sie ist zu jung, um eine Sambakönigin zu sein“, erklärte der 60-jährige Marister Deniz. „Ein Mädchen dieser Größe sollte nicht in eine solche Rolle geschmissen werden.“. Jorge Elias Souza, Mitglied von Julias Sambaschule, erklärte dagegen, er sei stolz auf die kleine Tänzerin. „Sie verkörpert all die Liebe in unserer Schule. Normalerweise ist eine prominente Person die Sambakönigin, aber ihr Vater ist unser Präsident, und sie das Zentrum unserer Familie.“ Es ist nicht das erste Mal, dass die Sambaschule Viradouro mit kontroversen Auftritten für Unverständnis sorgt. 2008 zeigte ihr Beitrag einen von nackten Mannequins umringten Hitler. Die Nackten sollten Holocaustopfer darstellen. Ein Richter verbot den Auftritt aber.

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