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Karl Lagerfeld über Mode und das Leben : „Ich will das so, dann geht das so“

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Bling-Bling geniert: Lagerfeld wünscht sich Europa anders Bild: dapd

Auch mit 78 Jahren ist Karl Lagerfeld ein vielbeschäftigter Mann: Nach der Saison macht er weiter mit den Fotos für die Kampagnen. Der Erfolg gibt ihm Recht.

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          Herr Lagerfeld, in Paris gibt es den Satz: Wenn Karl Lagerfeld eines Tages stirbt, wird seine Hand weiterzeichnen. Stimmt's?

          Ich habe das noch nie gehört, aber ich hoffe, dass es wahr ist. Besser die Leute sagen es, als dass ich es sage.

          Vergangene Woche haben Sie in Mailand Ihre Fendi-Kollektion gezeigt. Heute geht es um Ihre Kollektion für die italienische Marke Hogan. Und an diesem Dienstag werden Sie zeigen, wie die Chanel-Frau im nächsten Frühjahr aussieht. Ist das alles nicht ein bisschen viel?

          Ich halte das für stimulierend. Wenn ich nur Chanel machen würde, dann wäre das wie ein Elfenbeinturm. Das ist ungesund. Ich brauche viele Eindrücke. Und ich will auch nicht isoliert sein. Denn die meisten Couturiers oder Modeschöpfer - ich selbst bin übrigens kein Gott, kein Schöpfer - sind isoliert, wenn sie die Kollektion fertig haben. Dann machen sie Ferien. Das habe ich auch gemacht, als ich ganz jung war. Aber jetzt mache ich nach der Saison gleich weiter mit den Fotos für die Kampagnen und natürlich mit den nächsten Kollektionen, denn die Abstände werden immer kürzer. So bin ich mit der Modewelt immer in Verbindung ...

          ... und wissen zum Beispiel auch immer, welche Models gerade im Trend sind.

          Genau! Alle Antennen müssen raus. Sonst kann man den Beruf nicht machen. Und ich will Ihnen mal was sagen: Das amüsiert mich heute beinahe mehr als vor 30 Jahren. Ich habe aber natürlich auch Schwein gehabt. Ich kann das zu Bedingungen machen, die heute keiner mehr hat. Ich habe ja nicht das geringste materielle Problem. Ich sage: Ich will das so. Und dann geht das so.

          Auch mit Hogan machen Sie weiter?

          Ich hab's dreimal gemacht, das hätte eigentlich gereicht, aber Diego Della Valle wollte weitermachen, er ist ein toller Mann, ich kenne ihn seit ewig, ich kenne seine Schwiegertochter sehr gut, also mache ich weiter. So viel ist es aber nicht: ein Film, eine Ausstellung, ein Buch. Alles von mir selbst. Zeitbedingtes Co-Branding, das habe ich ja quasi erfunden, vor mir gab's das nicht, dass man nur für eine Saison für ein Unternehmen gearbeitet hat. So wie meine Kollektion für die schwedische Glashütte Orrefors. Da gibt es nur ein paar Gläser - und fertig. Die anderen machen Lizenzen und ruinieren ihren Namen damit, weil sie sich selbst nicht darum kümmern. Mit mir gibt's das nicht, sonst gibt's hinterher nur Konfusion.

          Sie kennen doch LVMH-Chef Bernard Arnault gut, zu dessen Konzern auch Fendi und Dior gehören. Wissen Sie, wen er zum Dior-Chefdesigner macht?

          Ja. Wahrscheinlich den Marc Jacobs.

          Aber der verlangt zehn Millionen Dollar im Jahr. Ein bisschen viel, oder?

          Kommt drauf an. Es gibt noch Teurere. Die bringen aber auch noch mehr ein.

          Aber wäre es nicht fast schöner, ein so moderner Designer wie Raf Simons würde Dior auffrischen?

          Ich mag ihn sehr gern. Aber das große Publikum kennt ihn nicht so gut. Außerdem ist der Dior-Stil etwas ganz Besonderes. Marc ist gut für Improvisation und Themen, und deshalb ist er keine schlechte Idee für Dior. Ich kenne ihn schon ewig. Ich finde es toll, was er aus sich gemacht hat.

          Er ist vielleicht der einzige Modestar der Generation nach Ihnen.

          Ja, beinahe. Nur ist er ein bisschen kurz.

          Mal zu einem ganz anderen Thema: Ist Europa eigentlich noch zu retten?

          Das große Drama von Europa ist Europa. Die Leute reden von mehr Steuern. Aber dann gibt ja niemand mehr was aus. Die Leute müssten gezwungen werden, Produkte aus ihrem Land zu kaufen. Dann gäbe es Produktion und Arbeit. Ich bin sehr für Europa, aber mehr im Sinne von eighteenth century enlightenment, et pour le commercial, il y a des freins partout. Ach, entschuldigen Sie, ich höre den Unterschied zwischen Deutsch und Französisch nicht mehr. Im Konsum also gibt es viele Bremsen. Und dann gibt es noch diese Skandale - man geniert sich ja fast für die Leute.

          Was uns wieder zu Italien führt.

          Ja, in Mailand haben alle fürs Frühjahr Badeanzüge mit Strass und solche Sachen entworfen. Das entspricht vielleicht Berlusconi, aber nicht der Realität. Ich habe dagegen etwas fürs tägliche Leben der italienischen Frau gemacht. Die anderen machen ja nur Bling-Bling. Das braucht ja keiner.

          Manches ist da wirklich ein bisschen vulgär.

          Ein bisschen? Da sind Sie aber sehr, sehr liebenswürdig.

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