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Modenschau in Havanna : Coco auf Kuba

Bild: Reuters

Zum ersten Mal präsentiert sich eine Luxusmarke im kommunistischen Karibik-Staat. Karl Lagerfeld sieht einen Markt, den es noch gar nicht gibt.

          Es war fast wie in Paris: Am Ende tanzten die Models über den Laufsteg, die 600 geladenen Gäste aus aller Welt applaudierten, und Karl Lagerfeld schritt die jubelnden Reihen ab, an der Hand sein acht Jahre altes Patenkind Hudson Kroenig.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Aber alles andere war anders. Der Laufsteg an diesem Dienstagabend  war die Promenade Paseo del Prado in Havanna, die Kleider waren mehr Cuba als Coco, die Models trugen Panama-Hüte und paillettenbestickte Che-Guevara-Baretts, die Kritiker, Kunden und Prominenten fächelten sich bei rund 30 Grad Luft herbei – und auf den Balkonen der abbruchreifen Nachbarhäuser standen so viele neugierige Kubaner, dass man Angst um die Statik haben musste.

          Coco in Cuba: Dass Chanel eine „Cruise collection“, also eine Zwischenkollektion, in Kuba zeigt, ist schon deshalb bemerkenswert, weil eine große Pariser Marke selten eine Modenschau in einem solchen Ambiente zeigt. Es ist auch ein geschäftlicher Irrsinn, weil es in dem kommunistischen Karibik-Staat, der sich langsam der Welt öffnet, noch gar keinen Luxusmarkt gibt, geschweige denn eine Chanel-Boutique.

          Die Modewelt sehnt solche Bilder geradezu herbei

          Und es ist ein Geniestreich. Denn der Name der französischen Marke mit den Milliardenumsätzen verbreitet sich nun auch in Lateinamerika, dem nächsten großen Kontinent, der gerade von den Luxushäusern erobert wird. In der ansonsten schauenfreien Zeit sehnt die Modewelt solche Bilder geradezu herbei.

          In den Farben der Insel: Models auf dem Catwalk bei der Chanel-Show in Havanna. Es war die erste Show des Modehauses in Lateinamerika. Bilderstrecke

          So finden sich unter dem Hashtag #chanelcruisecuba auf Instagram keine zwölf Stunden nach der Schau schon rund 4000 Fotos – Gisele Bündchen, demonstrativ harmonisch mit Ehemann in tropischem Ambiente; eine Parade von mehr als 150 gemieteten bunten Oldtimern, die all die Gäste von ihren Luxushotels zur Schau bringen; Tilda Swinton, die sich nach der Schau etwas hölzern zu kubanischen Klängen bewegt; Chefredakteurinnen, die vor verfallenden Häusern posieren; Karl Lagerfeld, der mit beachtlichem Hüftschwung mit Schauspielerin Cécile Cassel auf der Plaza Rumba tanzt; und in der ersten Reihe der Schau die begeisterte Mariela Castro, Tochter des Staats- und Regierungschefs Raúl Castro, Aids-Aktivistin und Abgeordnete des kubanischen Scheinparlaments, das nicht deswegen so heißt, weil es so schön scheint.

          Schon die Vorfreude ließ alle sozialen Kanäle überlaufen. Modefotografen posteten Fotos der alten Straßenkreuzer. Oberkritikerin Suzy Menkes hat sich, scheint´s, radikal vom Papier abgewendet und filmte fast jeden Schritt durch die morbide Kapitale. Die Redakteurinnen der französischen „Vogue“ gaben sich kulturbeflissen und besuchten die Hemingway-Gedenkstätte. Das war dann auch eine der wenigen Momente kritischer Nachfrage: Eine Kommentatorin wollte wissen, ob sich die Redactricen auch um die lebenden Schriftsteller kümmerten, die politisch verfolgt werden. (Die Frage blieb ohne Antwort.)

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