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Modenschau in Havanna : Coco auf Kuba

Die Zuckerinsel scheint im Trend zu sein

Die Spannung, eine solche Terra incognita im Stile von Christoph Kolumbus zu erobern, überwölbt eben alle politischen Zweifel am autoritären Einparteienstaat. Wie der Entdecker, der 1492 hier an Land ging und die Insel gleich mal für Spanien in Besitz nahm, so fühlen sich viele der Touristen, die gerade die Insel heimsuchen. So machte am Montag das erste amerikanische Kreuzfahrtschiff seit einem halben Jahrhundert, die „Adonia“, im Hafen fest und entließ unter dem Jubel Dutzender Kubaner 700 Touristen auf die Insel.

Die Zuckerinsel, wie man sie früher so nett nannte,  scheint generell im Trend zu sein. In Deutschland landen sogar gerade die CubaBoarischen einen Hit, die  bayerische Volksmusik mit südamerikanischen Rhythmen wie Samba oder Salsa kombinieren: Sie stiegen auf Platz 38 in den offiziellen Charts ein.

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Karl Lagerfeld scheint das alles mal wieder geahnt zu haben. Noch ehe Mick Jagger, Barack Obama und Papst Franziskus in diesem Frühjahr ihren Fuß auf kubanischen Boden setzten, hatte er im vergangenen Jahr Kuba schon als nächstes Reiseziel geplant. „Ich wollte immer schon mal dorthin“, sagte Lagerfeld vorab, „schon als Liebhaber lateinamerikanischer Musik. Ich brauchte nur einen beruflichen Anlass.“

Lagerfeld dachte sich in Musik und Mode des Landes ein

Denn Lagerfeld erkundet nie als privater Urlauber exotische Ziele, schon wegen der vielen Fans, die ihn überall belagern. Er verlässt sich lieber auf sein Chanel-Team aus Hunderten Schauenproduzenten, Aufbauhelfern, Sicherheitsleuten, Models, Stylisten, Fahrern, PR-Spezialisten, DJs und eingeladenen Gästen, die ihm jede noch so entlegene Destination in einen exquisiten gesellschaftlichen Anlass verwandeln.

Und dieses exotische Reiseziel passt sogar in symbolischer Hinsicht. Denn die Prado-Promenade war 1928 von einem französischen Landschaftsarchitekten gebaut worden, der an jede Kreuzung acht Bronzestatuen von Löwen positionierte, die, wie es der glückliche Zufall will, die liebsten Tiere der Markengründerin Coco Chanel waren: Mademoiselle liebte es gefährlich.

Lagerfeld, seit nunmehr dreieinhalb Jahrzehnten der Chefdesigner bei Chanel, dachte sich nicht nur in die Musik, sondern auch in die Mode des Landes ein. Eines der Leitmotive der Zwischenkollektion sind Variationen der Guayabera, des typisch karibischen Leinenhemds mit plissierten Stoffstreifen und vier Taschen an der Vorderseite, das in Kuba auch offizielles Kleidungsstück für staatliche und diplomatische Anlässe ist.

Der Widerspruch bleibt ungelöst

Lagerfeld nutzte die Gelegenheit, nebenbei den Unisex-Trend zu bedienen, indem er das Männerhemd, das er scherzhaft zum „kubanischen Smoking“ ernannte, in vielen bunten Variationen für Frauen entwarf – und zu Tweed-Kostümen, Sommerkleidern oder Volant-Röcken kombinierte.

Bei dem Fest an der Plaza de la Catedral, das sich in der Nacht zum Mittwoch unter freiem Himmel an die Schau anschloss, ging naturgemäß die Frage unter, wie sich das egalitäre Denken, das sich unter der kommunistischen Führung in mehr als einem halben Jahrhundert eingebürgert hat, mit dem freiheitlichen bis narzisstischen Lebensgefühl verträgt, das die Mode voraussetzt. Dazu war die Musik des französisch-kubanisches Musikduos Ibeyi, der Rumberos de Cuba und des DJs Hugo Mendez einfach zu laut.

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