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Kap Trafalgar : Eiserne Männer auf hölzernen Schiffen

  • -Aktualisiert am

Britische Kriegsschiffe erinnern an die Seeschlacht Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Während sich am Kap Trafalger die letzten Hippies Europas breitgemacht haben, ehren die ehemaligen Kriegsgegner Großbritannien, Frankreich und Spanien die Helden und Opfer der Schlacht von Trafalgar von vor 200 Jahren.

          6 Min.

          Nichts erinnert am Kap Trafalgar an die Schlacht von Trafalgar. Auf der Landzunge südwestlich von Cadiz, wo etwa zehn Seemeilen entfernt am 21. Oktober vor 200 Jahren die grausamste, verlustreichste und letzte Seeschlacht mit Segelschiffen stattfand, steht ein Leuchtturm.

          Eine Gedenktafel ehrt einen gewissen Santiago Gonzalez, dessen Schicksal nicht näher erklärt wird, außer mit dem Hinweis, daß er im September vorigen Jahres umgekommen sei. Einer aus der Nachbarschaft sagt, ihm sei beim Tauchen vor der Küste die Lunge geplatzt.

          Europas letzte Hippies

          Es sind nicht etwa hier siegreiche britische oder dort nachdenkliche französische und spanische Touristen, die an diesem Aussichtspunkt entweder auf Vizeadmiral Lord Horatio Nelson anstoßen oder auf gleiche Weise den Untergang der Armada der beiden kontinentalen Nachbarn bedauern.

          Das Kap zieht vielmehr bei Sonnenuntergang Europas letzte Hippies an. Es ist ein Biedermeierbild aus den sechziger Jahren, auf dem sich umschlungene junge Paare mit Gitarre, Schäferhund und Joint dem Naturschauspiel hingeben.

          Schwarze Pulverdampfwolken

          Es hat an diesen Oktoberabenden sogar einen Hauch jenes Dramas, welches die Bürger von Cadiz aus der Ferne mehr ahnen als genau sehen konnten.

          Unter einem dunkelblauen Himmel fließen am Horizont blutige Röte mit schwarzen Pulverdampfwolken und Sonnenstrahlen, die gelegentlich wie Geschütze aufblitzen, auf einem Gemälde ineinander, das nur Phantasie und keine Denkmäler braucht.

          „Wir sind die Herren der Welt“

          Wie kam es nun, daß damals inmitten der langwierigen napoleonischen Kriege ausgerechnet am atlantischen Südzipfel Spaniens ein furchtbares Gemetzel zwischen gut 40.000 Soldaten mit 5000 Kanonen auf 60 Schiffen dazu führte, daß in der europäischen Geschichte ein neuer Gang eingelegt wurde?

          Die dreifache Bedeutung der Schlacht von Trafalgar ist noch immer nicht kleinzureden: Sie machte Großbritannien zur beherrschenden Seemacht und öffnete das Tor weit für sein koloniales Empire; sie zerstörte schon Jahre vor Napoleons endgültiger Niederlage bei Waterloo dessen Traum von einer erfolgreichen Invasion der störrischen Inseln, über die er begehrlich gesagt hatte:

          „Laßt uns sechs Stunden lang die Herren des Ärmelkanals sein, und wir sind die Herren der Welt“; sie hatte die vielleicht verheerendste Wirkung auf Spanien, dessen Überseereich bald durch die Unabhängigkeitserklärungen seiner amerikanischen Besitzungen zerkrümeln sollte, was der iberischen Wirtschaft einen tödlichen Stoß versetzte.

          Über den Atlantik und zurück

          Eine entscheidende Kraftprobe zwischen den Briten und Franzosen, welche die Spanier in eine ihnen höchst unliebsame Allianz genötigt hatten, schien in jenem Herbst 1805 unausweichlich.

          Lord Nelson hatte kurz zuvor den Befehlshaber der französischen Flotte, Pierre Charles de Villeneuve, schon einmal unverrichteterdinge über den Atlantik und zurück gejagt.

          Die Royal Navy hatte von der Normandie bis Andalusien die wichtigsten kontinentalen Häfen blockiert, um alle Invasionsbemühungen zu ersticken. Admiral Villeneuve und der spanische Kommandeur Federico Carlos Gravina waren wochenlang mit ihrer Doppelarmada in Cadiz eingeschlossen.

          Weniger Kanonen, aber mehr Feuerkraft

          Dort versuchten sie einen Tag vor dem „schwarzen Montag“, an dem es zum Desaster kam, auszubrechen.

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