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Kanada : Flammendes Inferno

  • -Aktualisiert am

Unaufhaltsame Feuerwalze Bild: AP

Die „Feuersaison“ in Amerikas Norden trifft diesmal Kanada besonders schwer. Die Brände in der Provinz British Columbia sind außer Kontrolle geraten.

          2 Min.

          Irgendwo zwischen den Rocky Mountains und der nordamerikanischen Pazifikküste wiederholen sich in jedem Sommer die Schreckensszenen. Feuerwände wälzen sich durch dichten Wald, Nadelbäume explodieren in oft 100 Meter hohen Flammenkerzen, erschöpfte Feuerwehrleute kämpfen machtlos gegen die Brände. Und wenn die Feuersbrunst vorbei ist, stehen Menschen fassungslos vor den Ruinen ihrer ausgebrannten Häuser. Vormals üppige Waldgebiete von der Größe deutscher Bundesländer sind zu einer schwarzen Mondlandschaft geworden, in der verkohlte, astlose Baumstämme wie Mahnmale an die gewaltige Kraft des Feuers erinnern.

          Solche vernichtenden Waldbrände ereigneten sich im vergangenen Jahr in der Nähe von Phoenix im amerikanischen Bundesstaat Arizona, davor in der Nähe des Yosemite-Nationalparks in Kalifornien und im Bitterroot-Valley im Bundesstaat Montana. In den vergangenen Tagen hat nun ein solches "Monsterfeuer" die Gegend am Ostufer des Okanagan-Sees in der kanadischen Provinz British Columbia heimgesucht. Mehr als 30.000 Menschen sind auf der Flucht vor den Flammen, denen nach Schätzungen schon mehr als 200 Quadratkilometer Wald und mindestens 300 Häuser zum Opfer gefallen sind.

          Ein Blitzschlag entzündete das Feuer

          Zu dem bisher schlimmsten Waldbrand in der diesjährigen nordamerikanischen "Feuersaison" kam es, als am Samstag vor einer Woche ein Blitz in ein Waldgebiet in der Nähe eines Zeltplatzes am Ostufer des Okanagan-Sees etwa 270 Kilometer östlich der Provinzhauptstadt Vancouver einschlug. Einige Camper sahen beim Gewitter die Bäume in Flammen aufgehen und alarmierten die Feuerwehr. Mehrere Einsatztrupps aus den nahe gelegenen Ortschaften Naramata und Kelowna begannen damit, den Brand zu bekämpfen. Einen Tag nach Ausbruch des Feuers wurden Löschflugzeuge eingesetzt, die den Brand scheinbar unter Kontrolle brachten. Offenbar gelang es den Wehrmännern aber nicht, die Glut in allen schwelenden Baumstümpfen völlig zu ersticken, denn am Dienstag fachte ein starker Wind den Brand erneut an.

          Zunächst erfaßte der wiederauflebende Waldbrand nur eine Fläche innerhalb des Naturschutzgebietes um den Okanagan-Berg. In der Nacht zum Donnerstag fraß sich das durch stürmische, mit Geschwindigkeiten von nahezu 50 Kilometern pro Stunde wehende Windböen angefachte Feuer aber immer näher an die am Ostufer des Sees gelegenen Ortschaften heran. Um drei Uhr in der Früh ergingen die ersten Aufrufe an die Bewohner, ihre Häuser zu verlassen. Mittlerweile sind große Teile der Städte Naramata und Kelowna evakuiert. Die Menschen haben zum Teil in großer Eile ihre Häuser verlassen müssen und Zuflucht entweder bei Verwandten und Freunden oder in den vom kanadischen Roten Kreuz und der Provinzregierung eingerichteten Notunterkünften gefunden.

          Viele Rentner verlieren ihr Zuhause

          Inzwischen bekämpfen mehr als 250 Feuerwehrleute und 1000 Soldaten den Brand. Im Vergleich zu dem Ausmaß des Brandes nehmen sich die bis zu 3.000 Liter Flüssigkeit, die bei jedem Anflug aus den Schächten der Löschflugzeuge versprüht werden, aber wie winzige Tropfen aus. Ein Bewohner der Gegend verglich die Flugzeuge mit Motten, die in den Schlund eines aktiven Vulkans fliegen.

          Der Osten der Provinz ist in den vergangenen zwanzig Jahren zu einem Domizil für Rentner aus allen Teilen Kanadas geworden. Das Klima ist dort durchweg angenehmer als in den Ostprovinzen dieses nordamerikanischen Landes. Entlang der Ufer des Okanagan-Sees gedeihen Obst und Wein. Einige Winzer aus diesem Gebiet haben sich inzwischen sogar einen weit über British Columbia hinaus bekannten Namen gemacht. Mit jedem Zuwanderer wuchsen aber die Gemeinden rund um den See. Um der Nachfrage nach neuen Häusern Herr zu werden, wurden immer mehr Flächen in der Nähe der ausgedehnten Waldgebiete in den Höhenzügen rund um den See als Bauland freigegeben. Mit jedem neuen dort gebauten Haus stieg aber die Gefahr, daß ein Waldbrand Hab und Gut der Einwohner gefährden könnte.

          Nun ist genau das eingetreten, was Raumplaner in der Region schon seit langem befürchtet haben: Ein auf natürliche Weise entstandener Waldbrand, dem vor wenigen Jahrzehnten lediglich Waldgebiete zum Opfer gefallen wären, dringt nun weit in menschliche Siedlungen vor und zerstört dabei nicht nur Häuser, sondern auch oft die Lebensumstände und Ersparnisse der "Newcomer" in diesem Gebiet.

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