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Kampf um den Schulranzen : Krieg ich den?

Vier auf einen Streich: Welcher Ranzen wird es am Ende? Bild: Rainer Wohlfahrt

Alle Jahre wieder bei der Schuleinführung: Das meistbeachtete Accessoire ist die Schultüte. Wichtiger aber ist der Ranzen, denn der muss vier Jahre lang halten. Ein Überblick.

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          Erster Schultag. Die Aula ist voll. Eltern drängeln sich um ihre Kinder, die hinter gigantischen Schultüten verschwinden und mit großen Augen die Szenerie betrachten. Noch ahnen sie nicht, was jetzt auf sie zukommt. Kein Spielen mehr wie im Kindergarten. Stillsitzen müssen. Mathe? Was ist das? Aber sicherheitshalber mal lächeln, denn Mama macht ein Foto. Der erste Schultag ist schließlich ein Tag, der unvergesslich werden soll. Schon deshalb planen Eltern ihn generalstabsmäßig und stellen sich vorab viele Fragen: Wie soll die Schultüte aussehen? Was kommt rein? Wer wird zur Einschulung eingeladen? Mittagessen im Restaurant? Oder doch lieber zu Hause?

          Anke Schipp
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Am meisten Gedanken aber sollte man sich um ein Accessoire machen, das neben der Schultüte das wichtigste an diesem Tag ist, aber darüber hinaus Tag für Tag buchstäblich an Gewicht gewinnt: der Schulranzen. Vier Jahre soll er Begleiter für den Grundschüler sein. Er muss nicht nur gut sitzen und viel tragen, er muss auch aushalten, dass er vor dem Klassenzimmer als Stuhl genutzt und von den Mitschülern durch die Klasse geschmissen wird oder dass der Doofi aus der 1b in der großen Pause gegen ihn tritt.

          Und dann kam Scout

          Früher, bis in die siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein, mussten Eltern sich nicht viele Gedanken machen. Es gab nur den Lederranzen, der einfach braun war, zwei Tragegurte, zwei Schnallen und ein ordentliches Eigengewicht hatte. Und dann, Mitte der siebziger Jahre, wurde es plötzlich bunt. Man sprach von Tragekomfort, von Sicherheit. Mit der Einführung der Marke Scout wurde 1975 der Lederranzen quasi über Nacht abgelöst. Der bunte Ranzen aus Kunststoff, der in der Pfalz von der Firma Sternjakob produziert wurde, war leichter, hatte mehr Platz, war mit seinem Innenkern aus stabiler Pappe aber trotzdem robust. Durch seine fluoreszierenden orangefarbenen Elemente und die Schlösser mit Katzenaugen galt er außerdem als sicherer im Straßenverkehr.

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          Heute gibt es längst nicht mehr nur Scout auf dem Markt. Es wurde der Schulrucksack erfunden und Marken wie Spiegelburg mischen mit, um ihre Motivranzen an den Mann, vielmehr an das Kind zu bringen. Heute gibt es feste Standards, was das Thema Sicherheit und Ergonomie betrifft.

          Ein Schulranzen sollte der Norm DIN 58124 entsprechen, das heißt mindestens zwanzig Prozent der Vorder- und Seitenflächen müssen aus einem fluoreszierenden Material in Rot, Orange oder Gelb sein. Mindestens zehn Prozent der Vorder- und Seitenflächen müssen reflektieren, wenn sie beispielsweise von Scheinwerfern angeleuchtet werden, damit die Kinder auch bei Dunkelheit rechtzeitig gesehen werden. Schulranzen müssen außerdem aus einem reißfesten, bruchfesten und nicht verformbaren Material bestehen, um eine lange Haltbarkeit zu gewährleisten. Schultergurte und Verschlüsse dürfen sich nicht unbeabsichtigt lösen können, und es darf keine scharfen Kanten geben.

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          Der Niedliche mit Prinzessin

          Bei der Ergonomie des Schulranzens geht es vornehmlich darum, spätere Haltungsschäden und Schmerzen zu vermeiden. Die Knochenstruktur von Kindern im Alter von etwa 6 bis 10 Jahren ist noch sehr empfindlich, so dass Fehlbelastungen zu bleibenden Schäden führen können, warnt Stiftung Warentest. Es muss also ein Rückenpolster geben, und die Schultergurte müssen sich verstellen und an die Größe des Kindes anpassen lassen. Besonders praktisch sind zusätzliche Brust- und Hüftgurte. Letztere helfen, das Gewicht des Schulranzens auf den stabilen und relativ unempfindlichen Hüft- und Beckenbereich zu verlagern und so die Schultern zu entlasten. Experten wie Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband, rät zudem von Schulranzen-Trolleys ab, da das seitliche Ziehen des Ranzens belastender für den Rücken ist, als wenn er getragen wird.

          Welcher Ranzen es aber am Ende wird, das entscheiden meistens die Kinder. Und die interessieren sich hauptsächlich für die Optik. Prinzessin, Dino oder Delphin? Die Auswahl fällt schwer, schließlich bringen die gut ein Dutzend Marken, die Schulranzen vertreiben, fast schon wie in der Mode Jahr für Jahr neue Modelle mit vielen verschiedenen Motiven auf den Markt. Dazu passend Mäppchen, Brustbeutel und Turntaschen. Ein passendes Mäppchen nachkaufen? Das ist fast ausgeschlossen, schließlich sind im nächsten Jahr schon wieder ganz andere Motive im Handel.

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