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Kampagne : Thailands Regierung hat Kampf gegen Sextourismus aufgenommen

  • -Aktualisiert am
Stripshow in Phuket: Bald Vergangenheit?
          2 Min.

          Mit den Sexshows in Phuket soll Schluss sein. Thailand möchte sein Schmuddel-Image abstreifen und neue Zielgruppen ins Land locken. Das Touristenzentrum Phuket südlich von Bangkok ist erstes Ziel einer
          Regierungskampagne, die Ordnung und Moral wiederherstellen soll. Der Beifall der Reiseanbieter ist dabei so gut wie sicher. Sie hoffen, endlich Familien mit Kindern für Thailand begeistern zu können. Barbesitzer und Taxifahrer bangen angesichts der dann wohl ausbleibenden alleinreisenden Herren dagegen um ihre Existenz.

          Bei der Bekämpfung von Prostitution, Drogen und Pornographie will die Regierung des südostasiatischen Landes in der Region Phuket hart durchgreifen. In Patong Beach dürfen die Transvestiten zwar weiter auf und ab stolzieren, für Fotos posieren und ihre Silikonbrüste entblößen. Aber um zwei Uhr ist Schluss. Die neue Sperrstunde wird mit Polizeigewalt durchgesetzt, allzu freizügige Bars und Discos werden kurzerhand geschlossen.

          Leere Gassen in den Rotlichtvierteln

          In Rotlichtvierteln wie Patpong und Soi Cowboy fegt nach Mitternacht bald nur noch der Wind durch leere Gassen. „Als ich im letzten Jahr hier war, schlossen die Bars um vier Uhr morgens. Nun schon um zwei - und nächstes Jahr dann vielleicht um Mitternacht“, klagt Dominic Rossi aus Paris, der regelmäßig nach Phuket kommt.

          Fast 60.000 Menschen wurden bei Razzien in den ersten drei Monaten in Nachtclubs, Bordellen und Spielhöllen verhaftet. Ursprünglich hatte die Regierung die eigene Jugend in Bangkok im Visier, die sie von Drogen und Alkohol fern halten wollte. Beflügelt von der öffentlichen Meinung, die erleichtert auf die Maßnahmen reagierte, weitete die Regierung ihr Vorgehen auf die sündigen Vergnügungsparadiese im Süden des Landes aus.

          Taxifahrer und Barbesitzer fürchten Familienpublikum

          Barbesitzer und Taxifahrer bangen nun um ihre Existenz. Familien, die statt des Party-Publikums angelockt werden sollen, sind kein Ersatz für sie. „Die liegen tagsüber am Strand und bleiben abends in ihren Unterkünften“, sagt Taxifahrer Alim. Loic Leroux, der eine Bar an der etwas ruhigeren Karon Beach besitzt, hat mit Umsatzrückgängen um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu kämpfen. Bereits nach den Anschlägen vom 11. September habe sein Geschäft angefangen zu lahmen. Und nun die Kampagne. „Viele Gäste sagen mir, dass sie im nächsten Jahr nicht wieder kommen wollen“, sagt Leroux.

          Die Tourismusbehörde zeigt sich davon ungerührt. „Wir wollen Qualitätstouristen, die wegen der Schönheit der Insel zu uns kommen“,
          sagt der Vize-Gouverneur der Provinz Phuket, Manit Watanasin. Wenn junge, alleinstehende Männer nicht mehr nach Thailand reisten, könne es endlich gelingen, Thailand als Familienreiseziel zu verkaufen. „Der Ruf der thailändischen Frauen bei den Touristen hat sehr gelitten“, fügt Watanasin besorgt hinzu. Auch deshalb werde es Sexshows in Phuket bald nicht mehr geben.

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