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Kampagne auf Pornhub : Der doppelte, kalkulierte Tabubruch

  • -Aktualisiert am

Heute noch ein Tabu: Die Menstruationstasse Bild: dpa

The Female Company zeigt in kurzen Clips und explizit auf dem Streamingportal Pornhub, wie eine Menstruationstasse korrekt in die Scheide eingeführt wird. Ein doppelter Tabubruch, der aber auch der Aufklärung hilft. Ein Vorwurf bleibt.

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          Wie kann Werbung noch schocken und hart umkämpfte Aufmerksamkeit auf das Produkt ziehen? Ein Smoothie-Mischer schafft es immer wieder mit mehr oder weniger verhohlenem Sexismus und Rassismus. Bei Menstruationstassen kratzt noch immer allein das Produkt am Tabu. The Female Company setzt seit jeher auf das Gegenteil: Statt das Produkt und den Einsatzort Scheide umständlich verniedlichend zu umschreiben, wird nun alles gezeigt: „Täglich erreichen uns tonnenweise Fragen darüber, wie man die Menstruationstasse benutzt. Schwer zu erklären! Deswegen hilft nur eins: ,Hosen runter’”, schreibt The Female Company auf Instagram. ⠀

          Manon Priebe

          Redakteurin für Social Media.

          Im aktuellen Fall demonstriert die Darstellerin Lana Bembe (Ted Talk „Why is talking about sex so hard?“) an der eigenen Vulva, wie eine Menstruationstasse in der Scheide plaziert – und wieder rausgeholt – wird.  Das fällt unter das Jugendschutzgesetz. Und ist für die sowieso schon prüden Netzwerke Facebook und Instagram zu explizit. Also veröffentlicht The Female Company die Videos in einer dreiteiligen Kampagne auf dem Streamingportal Pornhub. Schon der Name „One Girl, One Cup” spielt an auf „2 Girls, 1 Cup”, ein zum Meme gewordener Trailer eines Pornofilms aus dem Jahr 2007.

          The Female Company und die verantwortliche Agentur Scholz & Friends schmücken so eine aufregende Werbekampagne mit dem Label vermeintlich uneigennütziger Aufklärung. Kein Porno, sondern Aufklärung soll das also sein. Und Pornhub? Tut dem Unternehmen den Gefallen, eines der Videos kurzzeitig zu sperren. Das gezeigte Menstruationsblut sei selbst für den Porno-Anbieter zu explizit gewesen und habe den einen oder anderen Nutzer schockiert, wie The Female Company in einer Instagram-Story mitteilt. Auch Instagram löscht das Teaser-Video von Bembes Account @linabembe.

          Scholz & Friends habe ihre Idee geklaut

          Die Mitarbeiterinnen von The Female Company lassen sich davon nicht irritieren und stoßen auf die Kampagne an – standesgemäß aus Menstruationstassen, wie sie auf Instagram zeigen. Das Video mit den meisten Views auf Pornhub wurde bis Freitagnachmittag über 40.000 mal angesehen, über 1000 Nutzerinnen und Nutzern gefällt das Video, in dem Bembe zeigt, wie eine Menstruationstasse korrekt eingeführt wird. 14 vergeben einen Daumen nach unten.

          Doch noch in der Nacht meldet sich Pavlina Vlachopoulou auf Instagram zu Wort: Die Agentur Scholz & Friends habe die Idee von ihr geklaut, erklärt sie. Auf dem Account triplevir.go schildert sie in einem Post, der laut Ortsangabe in Berlin abgesetzt wurde, ein Bewerbungsgespräch mit Scholz & Friends, in dem der Kreativdirektor sie nach drei Ideen für Kampagnen fragte, an denen die Agentur arbeitete. Nach langem Hin und Her wurde Vlachopoulou eigenen Angaben zufolge nicht angestellt. „Als ich heute aufgewacht bin, habe ich meine Idee im Feed von The Female Company gesehen.” Ihr Vorwurf: Statt sie, eine „junge Kreative”, anzustellen und Geld zu bezahlen, habe Scholz & Friends ihre Idee geklaut. Als Beleg präsentiert sie ihren Mailaustausch samt angehängter Kampagnenidee, die im Grunde „One Girl, One Cup” entspricht: Das Einführen einer Menstruationstasse in Videos auf Pornoseiten zu zeigen. 

          Bereits in der Nacht meldet sich auch Ann-Sophie Claus, eine der Gründerinnen von The Female Company, in einer Instagram-Story zu Wort und zeigt sich schockiert über die Vorwürfe. Dabei spricht das Startup Pavlina Vlachopoulou die volle Unterstützung aus. Es sei die DNA des Unternehmens, dass man junge Künstlerinnen unterstützt und ihnen eine Plattform bietet: „Das Letzte, was wir in unserem Leben machen würden, ist eine Idee zu nehmen und als unsere zu verkaufen.” The Female Company kündigt schließlich an, Kontakt zur Agentur aufzunehmen und den Vorfall zu klären. 

          Wurde die Idee doch nicht gestohlen?

          Scholz & Friends wehrt sich nun: „Die Idee wurde nicht gestohlen“. Im Bewerbungsprozess wurde zwei Kreativen, Martina und Pavlina, die Aufgabe gestellt, eine provokante Kampagne für Menstruationstassen zu entwickeln. Beide Bewerberinnen hätten die beinahe gleiche Idee gehabt. Die eine, Martina, wurde eingestellt und habe „One Girl, One Cup” für Scholz & Friends entwickelt. Außerdem sei ihre Idee auch früher bei Scholz & Friends eingegangen, Mails belegten dies.

          Also ein „Missverständnis”, bloßer „Zufall“. Und überhaupt wolle man Pavlina in Zukunft in der Kampagne bei den Urhebern erwähnen. The Female Company meldet sich in einem Livevideo auf Instagram zurück steht und nach eigenen Angaben in Kontakt mit Pavlina. Das Startup habe ihr angeboten, in der nächsten Kampagne mit ihr zusammenzuarbeiten. Pavlina werde sich zudem einen Anwalt nehmen. Oberste Priorität habe es für The Female Company nun, die Faktenlage zu klären.

          Auch wenn der Vorwurf vom Ideenklau am Ende nicht haltbar sein wird, holt die „One Girl, One Cup“-Kampagne nicht nur die Menstruation samt -tasse aus der Tabuzone, sondern macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: Zum Gesamtpaket Female Empowerment gehört auch, dass Frauen gerecht bezahlt werden, um Kundinnen werden zu können. 

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