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Kaltfront im Nahen Osten : Schneesturm legt Jerusalem lahm

  • Aktualisiert am

Bis zu 40 Zentimeter hoch liegt der Schnee in Jerusalem. Bild: AP

Eine polare Kaltfront macht den Menschen im Nahen Osten schwer zu schaffen. Über Jerusalem wütet ein Schneesturm. In Syrien und in den Flüchtlingslagern in umliegenden Ländern frieren Tausende. 

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          Ein starker Schneesturm hat Jerusalem lahm gelegt. Autos steckten im teilweise bis zu 40 Zentimeter hohen Schnee fest, die Schulen blieben den zweiten Tag in Folge geschlossen, und die meisten Einwohner schienen sich an die Aufforderung der Behörden zu halten, zu Hause zu bleiben. Bürgermeister Nir Barkat erklärte: „Wir kämpfen gegen einen Sturm von seltener Heftigkeit“. Zur Unterstützung festsitzender Autofahrer rief er die Armee zur Hilfe.

          Ein Meteorologe bezeichnete den Schneesturm im Radio als „historisch“. Große Straßen in die auf einer Höhe von 800 Metern gelegene Heilige Stadt waren gesperrt. Die Polizei appellierte an Autofahrer, ihre Fahrzeuge nicht zu benutzen, auch wegen Glatteisgefahr.

          Polizeisprecher Micky Rosenfeld sagte, bis Freitagvormittag habe die Polizei 1500 Menschen in Jerusalem und auf Zufahrtsstraßen zu Hilfe kommen müssen. Etwa tausend in Not geratene Verkehrsteilnehmer wurden demnach im Internationalen Konferenzzentrum am westlichen Rand der Stadt untergebracht. Weitere 400 bis 500 Menschen harrten auf dem Militärstützpunkt Ofer nordöstlich von Jerusalem aus.

          „Erst, wenn der Sturm sich gelegt hat, können wir mit der Räumung der Straßen beginnen“, sagte der Bürgermeister. Derzeit sei die Bergung der fest sitzenden Menschen vordringlich. Die Temperaturen sollten in der Nacht unter den Gefrierpunkt fallen und die Schneefälle bis Samstag andauern.

          Auch die in der Nähe Jerusalems gelegenen palästinensischen Städte Ramallah und Bethlehem im Westjordanland lagen unter einer Schneedecke. In tiefer gelegenen Gebieten gab es zahlreiche Überschwemmungen. Im Gazastreifen waren aufgrund heftiger Regenfälle den dritten Tag in Folge viele Straßen überflutet, die Abwasserkanäle liefen über. Seit Mittwoch wurden nach Behördenangaben 60 Häuser vorsorglich geräumt. Wegen der Brennstoffknappheit in dem Palästinensergebiet litten viele Menschen unter der Kälte.

          Im syrischen Bürgerkriegsgebiet erfroren nach Angaben des Oppositionsbündnisses Syrische Nationale Koalition am Donnerstag zwei Kinder. In der nordsyrischen Metropole Aleppo starb demnach ein sechs Monate altes Baby an der Kälte, der andere Todesfall wurde aus Rastan in der zentralsyrischen Provinz Homs gemeldet. Die schlechten Wetterbedingungen erschwerten überdies die Verteilung von Hilfsgütern. Auch in den Nachbarländern Libanon, Jordanien und Türkei machte schlechtes Wetter tausenden syrischen Flüchtlingen zu schaffen.

          In mehreren Vororten von Kairo fiel erstmals seit vielen Jahren Schnee, wie der Meteorologe Ali Abdelasim der Nachrichtenagentur AFP sagte. Auch die Bergregion St. Katharina auf der Sinai-Halbinsel wurde von einer Schneeschicht eingehüllt. „Wir können seit gestern nicht mehr raus“, schilderte ein Bewohner die Lage. Auch aus Ägyptens zweitgrößter Stadt Alexandria wurden leichte Schneefälle gemeldet, der Hafen der Stadt blieb den dritten Tag in Folge geschlossen.

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