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Kalifornien : Die Flammenfronten rücken nun nach Osten vor

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Der Kampf gegen die Flammen geht weiter Bild: dpa/dpaweb

Die Hoffnung, daß sich mit dem kühlen Westwind vom Pazifik die Lage im Katastrophengebiet in Südkalifornien entspannen würde, hat getrogen. Der Wind fachte die ausgedehnten Wald- und Buschbrände nur noch weiter an.

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          Die Hoffnung, daß sich mit dem kühlen, mit feuchter Luft geladenen Westwind vom Pazifik die Lage im Katastrophengebiet in Südkalifornien entspannen würde, hat getrogen. Vielmehr fachte der Wind die ausgedehnten Wald- und Buschbrände nur noch weiter an.

          Allerdings fressen sich die Flammen jetzt nicht mehr westwärts durch die zundertrockene gebirgige Landschaft. Sie haben ihre Richtung geändert und bedrohen nun Ortschaften östlich der bisherigen Brandherde. Bislang kamen in den Flammen zwanzig Personen ums Leben. Zu den Opfern gehört auch ein Feuerwehrmann aus Nordkalifornien, der sich am Mittwoch nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte. Drei seiner Kollegen erlitten schwere Verbrennungen. Die Zahl der zerstörten Häuser wird mittlerweile mit 2.600 angegeben.

          Größte Brandkatastrophe in der Geschichte Kaliforniens

          Die Waldbrände Südkaliforniens sind ohne Zweifel die größte Brandkatastrophe in der 153 Jahre alten Geschichte des Bundesstaates am Pazifik. Tagelang hatte der warme, sehr trockene Santa-Ana-Wind die zehn großen Waldbrände in Südkalifornien wie ein gewaltiger Blasebalg mit Sauerstoff versorgt. Der Ostwind trieb dabei die sich auf einer Breite von mehr als zehn Kilometern erstreckende Flammenfront stetig nach Westen.

          Das Feuer als größter Feind

          Als Meteorologen für die Wochenmitte ein Abflauen des Santa-Ana-Windes und eine kühlere Brise vom Meer vorhersagten, schöpften die Feuerwehrleute Hoffnung, endlich die Kontrolle über die Brände erlangen zu können. Statt eines lauen Lüftchens entpuppte sich die anlandige Luft aber als ein Wind, der mittlerweile nahezu ebenso stark wie der "Santa Ana" weht - nur eben in Richtung Osten. In Böen erreichte der Wind sogar Geschwindigkeiten von mehr als hundert Kilometern pro Stunde. Die Flammenfronten schreiten nun nach Osten vor und bedrohen Ortschaften, die verschont geblieben waren. Wegen des starken Windes und der unberechenbaren Böen konnten am Mittwoch auch die Löschflugzeuge der Feuerwehren und die acht Tankflugzeuge der Nationalgarde nicht in das Brandgebiet fliegen.

          Leichter Regen verspricht Linderung

          Allerdings sollen sich die Winde am Donnerstag (Ortszeit) legen. Für Freitag wird sogar mit leichtem Regen gerechnet. Die Brände, die sich in einem weiten Bogen östlich um Los Angeles herum erstrecken, haben inzwischen eine Fläche von 2.600 Quadratkilometern in Schutt und Asche gelegt. Das entspricht etwa der Fläche des Saarlandes. Mehr als 13.500 Feuerwehrleute sind inzwischen mit der Bekämpfung der Brände beschäftigt; allerdings haben sie erst einen Brand unter Kontrolle bringen können. Das sogenannte Otay-Feuer wütete im Süden des Landkreises San Diego, griff zeitweilig auch nach Mexiko über und kostete dort zwei Menschen das Leben. Dieser Brand ist mittlerweile vollständig eingedämmt. Die Kosten zur Bekämpfung der Wald- und Buschbrände belaufen sich mittlerweile auf etwa neun Millionen Dollar pro Tag. Insgesamt, so fürchtet Gouverneur Davis, könnten die Brände den ohnehin mit einem Defizit von mehr als zehn Milliarden Dollar kämpfenden Bundesstaat weit mehr als 200 Millionen Dollar kosten.

          Während sich Davis zur Wochenmitte im Katstrophengebiet aufhielt, bemühte sich sein designierter Nachfolger Schwarzenegger in Washington um Bundeshilfe. Sprecher von Versicherungsgesellschaften rechnen unterdessen damit, daß sich der gesamte Schaden und damit auch die Ersatzansprüche auf mindestens eine Milliarde Dollar belaufen werden. Die meisten der zehn Brände sind angeblich auf Brandstiftung zurückzuführen. Das für die Brandbekämpfung zuständige kalifornische Forstministerium hat inzwischen eine Belohnung von 50.000 Dollar für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung der Brandstifter führen.

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