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Kalenderreform : Der Küblböck des Kalenders: Brauchen wir den August?

Nach Augustus benannt, begann er seine merkwürdige Existenz Bild: ZDF

Im August begann der erste Weltkrieg. Auch der Hitler-Stalin-Pakt wurde im August besiegelt. Kulturell? Zwei Bohlen-LPs sind erschienen. Und Stefan Effenberg hat Geburtstag. Wann wird der Monat endlich abgeschafft?

          Amateure sind sie, allesamt. Wolfgang Clements Versuch, den Bundeshaushalt elegant um ein paar hundert Millionen Euro zu entlasten, indem er den Beziehern des neuen Arbeitslosengeldes II für Januar keine Unterstützung auszahlen läßt, war, wie ein Wirtschaftsweiser zweifellos sagen würde, ein Schritt in die richtige Richtung. Und doch ist es nicht der Januar, der entbehrlich wäre im Schicksalsrund der zwölf Monate.

          Bertram Eisenhauer

          Verantwortlich für das Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auch der Dichter irrte, der befand, April sei der grausamste unter ihnen. Nein, nun, da gut zwei Drittel davon hinter uns liegen, wird immer deutlicher: Wenn wir uns wirklich einen Monat sparen könnten, wenn wir tatsächlich auf einen verzichten wollten, um die Sozialsysteme und unser gequältes Dasein zu entlasten, dann doch gewiß auf den August. Er ist, die Fans mögen ein Nachsehen haben, der Daniel Küblböck des Kalenders.

          Beschämende Bilanz des Monats

          Denn Hand aufs Herz: Wer würde ihn ernsthaft vermissen, den August? Schnell, der wievielte Monat im Jahr ist er? Der siebte? Danke fürs Mitspielen. Und wieviele Tage zählt er? 30, 31? Sie müssen es auch gelegentlich noch an den Fingerknöcheln abzählen?

          Schon damals, als das amerikanische Online-Magazin "Slate" die Idee einer großen August-Reform 2001 zum ersten Mal ventilierte, nahm auf dieser Seite des Atlantiks kaum einer Notiz davon. Zu Unrecht. Denn wohin man auch immer schaut, aufs Kleine oder aufs große Ganze, die Bilanz des August ist beschämender, als die Vermittlungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit es jemals hätte sein können.

          Erster Weltkrieg, Hitler-Stalin-Pakt, zwei Bohlen-LPs

          Ein Blick in die Geschichtsbücher etwa zeigt schnell, daß der August demokratisch unzulänglich legitimierte Herrscher gern gefährlich übermütig macht. Der Erste Weltkrieg - losgetreten im August 1914. Der Hitler-Stalin-Pakt - besiegelt im August 1939. Die Berliner Mauer - hochgezogen im August 1961. Der Prager Frühling - unter die Ketten gekommen im August 1968. Saddam Husseins Invasion in Kuweit - die Panzer rollten am 2.August 1990.

          Auch für das deutsche Kulturleben ergäbe sich kein Verlust, wollte man den August nur abschaffen. Die Verlage kennen ein Frühjahrs- und ein Herbstprogramm, dazwischen: ein weites, ödes Feld, das erst zum Ende des Schauermonats überhaupt wieder bestellt wird. Die Zeitungen werden immer dünner in diesen Tagen, selbst Franz Josef Wagner braucht eine Pause. Elvis Presley und Marilyn Monroe - beide Opfer des August.

          Im Kino laufen unterdessen Schmonzetten wie die "Love Story" oder Tragödien wie "(T)Raumschiff Surprise - Periode 1". Paul McCartneys Band "Wings" fand sich im August zusammen; mit "Hello America" und "Walking on a Rainbow" wurden gleich zwei LPs von Dieter Bohlen in diesem überflüssigsten aller Monate veröffentlicht. (Die naheliegende Vermutung übrigens, die Rechtschreibreform könnte an einem Augusttag ersonnen worden sein, ließ sich nicht erhärten. Immerhin: Konrad Duden starb am - 1.August 1911. Als habe er sich den Monat angesehen und dann entschieden, ihn sich zu ersparen.)

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