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Käse als Streusalz : Was tun, wenn die Straße nach Mozzarella riecht?

  • -Aktualisiert am

Wenn’s hilft: Im winterlichen Wisconsin setzen die Kommunen jetzt auf Käse. Bild: dpa

Wisconsin will sparen. Der amerikanische Bundesstaat, der für seine Milchprodukte landesweit bekannt ist, nutzt deshalb zukünftig Käse als Streusalz. Mozzarella eignet sich besonders gut.

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          Wisconsin ist der mit Abstand wichtigste Lieferant von Milchprodukten der Vereinigten Staaten. In keinem anderen Bundesstaat wird mehr Käse produziert – so viel, dass die Kommunalbehörden nach alternativen Verwendungsmöglichkeiten suchen. Was wie ein verfrühter Aprilscherz anmuten mag, kommt den Menschen in Wisconsin daher gelegen: sie nutzen Käse im Winter als Streusalz.

          Das Pilotprojekt, das Anfang Dezember in Milwaukee anlief, sieht vor, die Salzlauge, die bei der Käseherstellung übrig bleibt, mit Steinsalz zu mischen und dann als Frostschutz auf die Straßen zu streuen. Damit sollen die Kosten für Streusalz und Räumdienste verringert und zu starke Verschmutzung des Grundwassers vermieden werden.

          Rund 44.000 Tonnen Streusalz hat die Stadt Milwaukee im vergangenen Jahr benötigt, 6,5 Millionen Dollar mussten insgesamt zur Beseitigung von Schnee und Eis aufgewendet werden. 2011 beliefen sich die Kosten sogar auf 10 Millionen Dollar. Das Käse-Programm soll nach Angaben der Behörden lediglich mit 6500 Dollar zu Buche schlagen. Die meisten Kosten fallen für Transport und Lagerung das Käse-Salz-Gemischs an. Die Materialkosten dagegen liegen bei fast Null.

          Mozzarella, so erklärt Jeffrey A. Tews vom Amt für öffentliche Bauarbeiten in Milwaukee, eigne sich besonders gut zum Enteisen. Unter seiner Anleitung kam der „Salzkäse“ schon ein paar Mal zum Einsatz. „Der Salzgehalt dieser Sorte ist geradezu perfekt geeignet. Man muss praktisch nichts mehr tun, einfach streuen.“

          Die Kommunalverwaltungen in Wisconsin seien schon seit längerem damit beschäftigt, nach günstigen und ökologisch sinnvollen Methoden zu suchen, um die Durchgangsstraßen eisfrei zu halten. Auch mit Zuckerrübensaft habe man es schon probiert, sagt Tews. 

          In Wisconsin ist man sich sicher, dass Käse als Enteiser die Lösung für die Zukunft ist. „Wenn wir das richtig anpacken, wird die Käse-Lösung ein voller Erfolg. Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie landesweit umgesetzt wird.“

          Ganz unproblematisch ist der Streusalz-Käse allerdings nicht. Viele Bürger haben ihre Anfragen und Bedenken schon an die Kommunalverwaltungen gerichtet: Werden unsere Straßen bald nach Mozzarella riechen? Lockt das Käsegemisch nicht Ratten an? Und vor allem:  Ist die Käse-Salz-Mischung den strengen Wintern in Wisconsin überhaupt gewachsen? Nicht selten sinken die Temperaturen auf minus 20 Grad. Ob Mozzarella tatsächlich eisfreie Straßen garantiert, lässt sich erst im neuen Jahr sagen. Ein erster Bericht wird für Frühjahr 2014 erwartet.

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