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Kabelklau bei der Bahn : Erst angeschmiert, dann überführt

Die Spurenleger: Mario Maque-Rösel (links) und Anette Rauer Bild: dapd

Der Kupferdiebstahl nimmt weiter zu. Die Bahn will mögliche Täter nun mit „künstlicher DNA“ abschrecken.

          Der Fahrer des Zuges hatte keine Wahl. Er musste eine Vollbremsung machen. Die Signalanlage zeigte weder „grün“ noch „rot“. Also stoppte der Zug mitten auf der Strecke. Niemand wurde verletzt, doch es hätte auch anders kommen können. Ursache der Vollbremsung auf der Personenzugstrecke im Ruhrgebiet war nicht ein technischer Defekt. Diebe hatten eine Werkstatt aufgebrochen, den Verteilerkasten geöffnet, Fernmeldekabel und Erdungskabel abgeschnitten. Die Signalanlage fiel aus, der Zug blieb stehen.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Worauf es die Diebe abgesehen hatten, war das Kupfer in den Kabeln. Seitdem die Weltmarktpreise für das Edelmetall stetig steigen, nehmen die Kupferdiebstähle in ganz Deutschland zu. Aber auch in anderen Ländern sind sie verbreitet. So störten Kabeldiebe einmal sogar den Bahnverkehr zwischen Frankreich, Deutschland, Belgien und England, weil mit dem Verschwinden der Kabel und Glasfaserleitungen ein Teil der Signalanlagen lahmgelegt worden war.

          „Achtung - unsichtbare Markierungen!“

          In Zukunft werden sich Diebe aber zwei Mal überlegen, ob sie wirklich Buntmetall stehlen sollen, denn an den Bahnanlagen wird immer öfter das Schild stehen: „Achtung - unsichtbare Markierungen!“ Auf dem Schild wird darauf hingewiesen, dass „künstliche DNA“ zum Täter führe und Metalle unverkäuflich mache. Am Montag besprühten Bahnmitarbeiter bei einem Vorführungstermin in Leipzig öffentlichkeitswirksam Leitungen an Bahnanlagen mit der hellen Flüssigkeit. Das Industriemetall Kupfer wird hauptsächlich in der Bau- und Elektroindustrie eingesetzt. Und weil vor allem in Industrie- und Schwellenländern viel gebaut wird, steigen Nachfrage und Preis. Für eine Tonne Kupfer werden auf dem Weltmarkt zur Zeit rund 7600 Dollar gezahlt. Noch vor einigen Jahren lag der Preis wegen der Wirtschaftskrise zwischen 2200 und 5000 Euro je Tonne.

          Mit dem Weltmarktpreis wächst auch der Einfallsreichtum der Diebe: Da kletterten zwei Männer nachmittags auf einen Kran, nur um in zehn Meter Höhe die Stromkabel des Krans zu kappen. Bevor sie abstürzten oder einen Stromschlag erlitten, wurden sie von der Polizei festgenommen. In Duisburg fuhren Männer mit ihrem Transporter auf eine Güterzugstrecke und demontieren meterweise Kabel, das sie direkt in handliche Portionen aufteilten und neben die Strecke legten. Der Diebstahl wurde entdeckt, die Polizei nahm die Täter fest. Alles, was Kupfer enthält oder auch nur nach Kupfer aussieht, ist begehrt: Auf Friedhöfen sind es die Kupferdächer der Holzkreuze, auf Baustellen Traufbleche, Heizungsrohre, Wasserrohre, Stromkabel. Während Handwerker früher die Reste ihrer Arbeit gern am Haus liegen ließen, bücken sie sich nun für ein paar Reste Kupferblech.

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