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Kabelklau bei der Bahn : Erst angeschmiert, dann überführt

Sie sprühen bei einer Vorführung künstliche DNA auf die Leitungen

Besonders bei der Bahn wird viel Kupfer verwendet - in Erdungskabeln, Fahrdrähten, Verbindungsklemmen, Hängeseilen, Telefondrähten. Auch Kleineisenteile an Schienen und Masten sind begehrt. Da die Diebe zudem vor aktiven Leitungen nicht zurückschrecken, ist der Bahnverkehr durchaus gefährdet. Der materielle Schaden ist nach Bahn-Angaben vergleichsweise gering. Viel teurer sind die Auswirkungen auf den Betriebsablauf. Für das Jahr 2010 gibt das Unternehmen eine Schadenssumme von zehn Millionen Euro an, 8000 Züge waren betroffen. Doch es geht nicht nur um Verspätungen, Umleitungen und Streckensperrungen. Ein Sprecher der Bundespolizei-Inspektion Dortmund sagt: „Bei Diebstählen von Erdungsseilen besteht die Gefahr eines Stromüberschlags von Fahrleitungen auf den Zug. Da sind die Passagiere und Personal in Gefahr.“ Schon im vergangenen Jahr nahm die Zahl der Diebstähle rapide zu, und auch für dieses Jahr ist keine Besserung in Sicht. In den ersten neun Monaten haben sich die Diebstähle in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. Für ganz Deutschland gibt die Bahn eine Steigerung um ein Drittel an.

Die Strafverfolgung ist schwierig, weil die Wege des Diebesguts kaum weiterverfolgt werden können: Einem Kabel sehe man nicht an, ob es von der Baustelle der RWE, der Bahn oder eines Privathaushalts komme, sagen Ermittler. Mit ihren Kabeln und Heizungsrohren gehen die Diebe zu den Schrotthändlern. Dort müssen sie in der Regel nur ihren Personalausweis vorzeigen. „Die Händler haben bislang kaum Möglichkeiten, die Herkunft der Ware zu überprüfen.“ Oft stehlen bandenmäßig organisierte Kriminelle länderübergreifend und in großen Mengen Buntmetalle. Bislang wird nur etwa jeder fünfte Täter gefasst. Die Aufklärungsquote soll sich nun verbessern - durch mehr Sicherheitspersonal und eben die Markierung des Eigentums.

Bei Licht besehen: Die Markierung am Diebesgut ist lange sichtbar

In die künstliche DNA wird auch auf anderen Deliktfeldern viel Hoffnung gesetzt. So läuft in Frankfurt (Oder) seit April ein Pilotprojekt, bei dem Autobesitzer ihr Fahrzeug mit dem „Fingerabdruck“ versehen können. Und in Bremen-Nord waren schon vor zweieinhalb Jahren besonders einbruchgefährdete Wohngebiete für ein Pilotprojekt ausgewählt worden. Rund 4000 Markierungssets sind schon in Umlauf. Das Projekt war schon deshalb erfolgreich, weil die Zahl der Wohnungseinbrüche im Testgebiet merklich sank.

Die Bahn will schon mehrere hundert Kilometer Strecke in Ostdeutschland und Nordrhein-Westfalen - den am stärksten gefährdeten Gebieten - mit dem Stoff markiert haben. Die Grundsubstanz besteht aus künstlich hergestellten DNA-Molekülen. Ähnlich wie bei der biologischen DNA nutzen die Ermittler die einzigartige Zusammensetzung der Moleküle für die Ermittlungen. Schon kleinste Spuren der künstlichen Substanz reichen für die Identifizierung: Denn wegen der Winzigkeit der Moleküle sind auch in sehr geringen Mengen Milliarden oder Billionen Moleküle mit dem entsprechenden Code enthalten, ohne sichtbar zu sein. Die künstliche DNA wird außen auf die Kabel und auch unterhalb der Isolierschicht aufgetragen.

Die Markierung überträgt sich auf Haut, Kleidung und Werkzeug der Diebe und ist auch nach häufigem Waschen nur schwer wieder zu entfernen. Unter ultraviolettem Licht wird sie sichtbar. „Das erleichtert uns stark das Wiedererkennen von Werkzeugen, Tätern und gestohlenem Buntmetall“, sagte der Leiter der Bundespolizeiinspektion Leipzig, Jörg Schulz, bei der Vorstellung des Projekts am Montag. Für die Sofort-Identifizierung sind nach Bahnangaben auf den Kabeln zudem kleinste mikrolithographische Metallplättchen mit einem kundenspezifischen Hologramm vorhanden. Diese könnten sogar mit einem Taschenmikroskop von Polizei und Schrotthändlern erkannt werden.

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