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Justiz : Günther Kaufmann hat ein falsches Geständnis abgelegt

  • Aktualisiert am

Kaufmann hat falsches Geständnis abgelegt Bild: dpa/dpaweb

15 Jahre Haft sollte der Schauspieler Günther Kaufmann für die Tötung seines Steuerberaters verbüßen. Doch das Verbrechen haben offenbar andere begangen, darunter der Geliebte seiner Ehefrau.

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          Der Schauspieler Günther Kaufmann, der im vergangenen Jahr wegen schwerer räuberischer Erpressung mit Todesfolge verurteilt worden ist, hat nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft ein falsches Geständnis abgelegt. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte am Montag in München, die Vernehmung dreier verdächtiger Männer aus Berlin und weitere Ermittlungen hätten einen anderen Tatablauf ergeben, als in dem rechtskräftigen Urteil gegen Kaufmann festgestellt worden sei. Die drei Männer hätten Hartmut Hagen, den Steuerberater Kaufmanns, ausgeraubt und getötet; Kaufmann sei bei der Tat nicht zugegen gewesen.

          Zu dem Raub soll Alexandra Kaufmann, die mittlerweile verstorbene Ehefrau des Schauspielers, die Männer angestiftet haben. Kaufmann hatte in seinem Prozeß vor dem Münchner Schwurgericht nach einigem Zögern gestanden, er habe in einer Rangelei mit seinem Steuerberater, mit dem er finanzielle Streitigkeiten hatte, sich auf sein Opfer gelegt, um es einzuschüchtern. Hagen sei dabei erstickt, ohne daß er dies gewollt habe. Nach den damaligen Feststellungen des Schwurgerichts war Hagen dem Schauspieler auf die Schliche gekommen, daß dieser ihn um einen hohen Geldbetrag betrogen hatte. Dem Steuerberater sei vorgespiegelt worden, Frau Kaufmann führe in den Vereinigten Staaten einen aussichtsreichen Zivilprozeß und brauche Geld, um Anwälte zu bezahlen. Im Prozeß gab Kaufmann, der mit Rollen in Fassbinder-Filmen bekannt geworden ist, an, mit dem Geld seien Medikamente für seine krebskranke Frau finanziert worden.

          Frau Kaufmann hatte Affäre mit einem der Verdächtigen

          Das Schwurgericht verurteilte Kaufmann im November vergangenen Jahres wegen schwerer räuberischer Erpressung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von fünfzehn Jahren; einen Tötungsvorsatz hielten die Richter für nicht nachgewiesen. Der Schauspieler verzichtete noch im Gerichtssaal auf Rechtsmittel und verbüßt seither seine Strafe. Ein Hinweis brachte die Polizei in diesem Monat auf die Spur der drei Berliner. Nach den bisherigen Ermittlungen ist Alexandra Kaufmann die Geliebte eines der Männer gewesen. Sie soll den einschlägig vorbestraften Mann angestiftet haben, den vermögenden Hagen in seinem Münchner Haus zu überfallen und auszurauben; ihr Geliebter soll die beiden anderen Männer für das Verbrechen angeheuert haben. Gegen die drei Männer ist Haftbefehl wegen Raubes mit Todesfolge ergangen; sie bestreiten eine Tötungsabsicht.

          Hörig gegenüber der Ehefrau?

          Kaufmann hat sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft bisher nicht zu den neuen Ermittlungen geäußert. Gegen ihn bestünden weiterhin Verdachtsmomente. Kaufmann hat sich nach ihren Ermittlungen zeitnah zu dem Überfall am Tatort aufgehalten und dort Spuren hinterlassen. Ob Kaufmann vor der Tat oder nach der Tat im Haus Hagens war, steht anscheinend noch nicht mit Sicherheit fest. Die drei Beschuldigten schreiben die Anstiftung zur Tat allein Alexandra Kaufmann zu.

          Ungeklärt ist noch, was Kaufmann zu seinen Angaben in seinem Prozeß gebracht hat. Bisher sind nur Spekulationen im Raum, die von einer Hörigkeit Kaufmanns gegenüber seiner Frau, die über den Tod hinaus bestehe, bis zu Drohungen aus dem Berliner Kriminellenmilieu gegen seine Kinder reichen. Für eine Wiederaufnahme des Verfahrens gegen ihn ist das Landgericht Augsburg zuständig.

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