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Geschichte des U-Boots : Leichenschmaus bei Tiffany

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Zeichen der Zeit: Die verrosteten und von Schrottsuchern gefledderten Überreste des 150 Jahre alten U-Boots „Sub Marine Explorer“ liegen vor der Insel San Telmo im Golf von Panama. Bild: James P. Delgado

Perlengier und Wagniskapital ermöglichten vor 150 Jahren das moderne U-Boot. Der Erfolg des ersten Exemplars war nur von kurzer Dauer - wohl wegen einer damals kaum bekannten Krankheit.

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          Von Julius Hermann Kröhl gibt es vermutlich kein überliefertes Porträt. Und der technische Triumph des Ingenieurs rostet als unheimliches Wrack auf einer Insel vor sich hin. San Telmo oder St. Elmo heißt sie und gehört zum Archipel der Perlen im Golf von Panama. Die Einheimischen behaupteten lange, der Tod drohe jedem, der es betrete. Manche vermuteten, es sei ein japanisches Mini-U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieg. In Wahrheit handelt es sich um ein Wunderwerk der Ingenieurskunst des 19. Jahrhunderts. Kröhl baute es für die Perlen- und Perlmutt-Ernte vor Panama.

          Vieles weiß man über Julius Kröhl, aber sein Geburtsdatum ist unbekannt. Im ostpreußischen Memel - heute Klaipeda - wurde er mit großer Wahrscheinlichkeit im Jahr 1820 geboren. Mit gewisser Sicherheit studierte er in Berlin, wurde Ingenieur, diente dann, wie es in späteren Militärpapieren heißt, bei der preußischen Artillerie. Im Alter von etwa 24 Jahren folgte er seinem Bruder nach New York. Neben der Hoffnung auf wirtschaftlichen Aufstieg könnte es auch Unzufriedenheit mit den repressiven politischen Umständen in Preußen gewesen sein, die ihn dazu bewegt hatten, denn 1850 trat er in den „Sozialistischen Turnverein“ New Yorks ein. Und schon zuvor hatte er eine linksorientierte Gesinnung gezeigt.

          Erste Aufträge in der Eisenverarbeitung

          Schließlich baute Kröhl nach einigen Jahren Tätigkeit im Bereich der jungen Photographietechnik einen Eisenverarbeitungsbetrieb auf. Seiner preußischen Hochschulausbildung und seiner unverfrorenen Übernahme fremder Ideen verdankte er erste Aufträge für aufsehenerregende Bauten. Wahrscheinlich kannte er den hochaktuellen Eisenstrebenbau, den man bei der Fertigstellung des Kölner Doms in der komplexen Dachkonstruktion einsetzte - aber eben auch Neuerungen von Konkurrenten, die er bedenkenlos beim Bau eines Feuerwachturms und 1852 beim Dach für den New Yorker Glaspalast nutzte. Strafzahlungen für die Patentrechtsverletzung nahm er hin. Hauptsache, er hatte den Zuschlag bekommen.

          Gegen Ende der fünfziger Jahre begann Kröhls Interesse an der Unterwasserarbeit. Er hatte den Auftrag an Land gezogen, gefährliche Felsen aus den Fahrrinnen im Hafenbereich New Yorks zu entfernen - ein kompliziertes und teures Unternehmen, das ihn freilich für seine nächste Stellung besonders qualifizierte.

          Als 1861 der amerikanische Bürgerkrieg ausbrach, wurde Kröhl, der sich inzwischen Kroehl schrieb und längst eingebürgert war, Mitglied der Nordstaaten-Marine und dort Spezialist für Über- und Unterwassersprengminen. In der Marine stieß er auf faszinierende Pläne für militärische U-Boote, die auf berühmten Vorläufern beruhten. Schon 1776 waren in den Vereinigten Staaten David Bushnell mit der „Turtle“ und 1800 in Frankreich Robert Fulton mit der „Nautilus“ unter Wasser getaucht. Im Sezessionskrieg baute man auf beiden Seiten mehrere U-Boote, so die „Alligator“ (1861), die „Pioneer“, die „Intelligent Whale“ (1863).

          Berühmt wurde die „H. L. Hunley“, die am 17. Februar 1864 als erstes U-Boot ein Schiff im Gefecht versenkte. Vielleicht zeigte sich die Marine deswegen nicht mehr übermäßig interessiert, als Kroehl seine eigenen Konstruktionszeichnungen für ein Unterwasserangriffsfahrzeug präsentierte. Als Torpedo-Fachmann fand er mehr Zustimmung in seiner militärischen Dienstzeit. Eine Malaria-Erkrankung beendete sie.

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