https://www.faz.net/-gum-8cqwr

Zwei Berufe : Dexters Erfolg als rappender Arzt

  • -Aktualisiert am

Bild: Andrea Koopmann

Assistenzarzt Felix Göppel hat mit seinen Freunden Vierzeiler aus der Schule gerappt. Heute sind die Titel des Mediziners international gefragt.

          In Stuttgart kommt es schon manchmal vor, dass ich wegen meiner Musik angesprochen werde, vor allem bei Konzerten. Aber in anderen Städten, wenn ich so durch die Einkaufsstraße laufe, ist es doch eher selten. Mir ist das unangenehm, ich weiß immer gar nicht, was ich sagen soll“, sagt Dexter, mit bürgerlichem Namen Felix Göppel. Der Produzent von Liedern der deutschen Hip-Hop-Größen Cro und Casper hat Gold und Doppelplatin erreicht. Dem stereotypischen Rapper ähnelt er allerdings nicht, der 32-Jährige trägt keine Goldketten, eher unauffällige Klamotten, hat einen kurzen Bart und etwas längere, blonde Haare. Und obwohl sein Name nicht in großen Buchstaben auf den Alben steht und der ganz große Ruhm bis jetzt ausbleibt, liefert er einen essentiellen Teil der Musikstücke: den sogenannten Beat.

          In einem Plattenladen in Südafrika

          „Der Beat ist die musikalische Grundlage für die meisten Rapproduktionen. Traditionellerweise werden dabei Ausschnitte aus alten Schallplatten aneinandergereiht, und das ist auch das, was ich hauptsächlich mache: Ich lasse mich von alten Platten inspirieren, vornehmlich aus dem Jazz-, Funk- und Soulbereich. Um diese Basis herum spiele ich eigene Sachen ein, mit analogen Synthesizern, anderen Geräten und auch mit dem Computer.“ Die Musik, die Dexter selbst als „organisch, nicht künstlich, aber auch gleichzeitig modern und up to date“ beschreibt, unterlegt aber nicht nur die Sprechgesänge hauptsächlich deutscher Rapper, sondern wird auch separat auf Alben als Instrumentalmusik veröffentlicht - und das auf der ganzen Welt. „Neulich habe ich einen Anruf gekriegt, da hat jemand in einem Plattenladen in Südafrika eine Platte von mir gesehen, aber auch in Japan oder den USA werden viele verkauft. Für diese reine Instrumentalmusik ist man in anderen Ländern auch ein bisschen offener als in Deutschland.“

          Irgendwann mal die Miete finanzieren

          Finanziell auf den internationalen Erfolg seiner Instrumentalplatten verlassen muss er sich aber nicht, denn Dexter hat ein zweites Standbein: Er arbeitet als Assistenzarzt in der Kinderklinik in Ludwigsburg und macht dort im Moment seine Facharztausbildung. Seine medizinische Laufbahn begann mit dem Zivildienst in ebenjenem Krankenhaus, in dem er arbeitet: „Ich habe als Helfer im OP gearbeitet, und irgendwie hat mich das Medizinische interessiert, es hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Am liebsten wollte ich nach der Schule schon Musik machen, aber zu dem Zeitpunkt war gar nicht daran zu denken, dass das irgendwann mal meine Miete finanzieren könnte. Also habe ich brav studiert. Ich habe eigentlich aber auch gar nicht so richtig damit gerechnet, einen Studienplatz zu bekommen. Mein Abiturschnitt war nämlich eine 2,5. Aber ich habe den Platz bekommen.“

          Weitere Themen

          ... in dem man für zu jung gehalten wird

          Der Moment ... : ... in dem man für zu jung gehalten wird

          Praktikantin, Referendarin, Sekretärin – unsere Autorin ist schon für vieles gehalten worden. „Sie sehen ja noch so jung aus!“, heißt es dann oft. In der Kolumne erzählt sie von Momenten, in denen der Satz kein Kompliment war.

          Topmeldungen

          Klimastreik in Berlin : Rackete for Future

          Beim großen Klimastreik in Berlin überlassen die Aktivisten von „Fridays for Future“ anderen die Bühne. Es sollte der Auftakt sein für ein breites gesellschaftliches Bündnis. Doch noch prallen Welten aufeinander.
          Ihnen reicht der Kompromiss nicht: Wie in Berlin demonstrierten Hunderttausende

          Kompromiss und Proteste : Was in der langen Nacht geschah

          Erst war das Klimaschutzgesetz fast am Ende, dann kam der Protest – und dann stritt das Kabinett eine Nacht lang. Jetzt sonnt sich die Politik im Glanz der Einigung. Währenddessen dröhnt der Protest Hunderttausender.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.