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Zolldeklarant : Einmal fand er sogar einen Schrumpfkopf

  • -Aktualisiert am

Getrocknetes Affenfleisch, geschmuggelte Brillen und ein Römerhelm - erstaunlich, auf was der Schweizer Zolldeklarant Roger Zeiter so alles stößt.

          Einmal fand ich einen Schrumpfkopf aus Papua-Neuguinea in einem Paket“, erzählt Roger Zeiter. Der Zolldeklarant schmunzelt, während er von seinen kuriosesten Funden berichtet. Der großgewachsene Mann, glatzköpfig mit Bart, in Jeans und kariertem Hemd, sitzt in einem speckigen Ledersessel bei sich zu Hause in Uster nahe Zürich. Aus dem Fenster blickt man auf den Greifensee. Die Wände sind voller Fotos von Familienreisen. Der sportliche Vater eines 15-Jährigen ist mit einer Vietnamesin verheiratet und in Glattbrugg aufgewachsen. „Ich hatte kaum Motivation für die Schule und wusste auch nicht, welchen Beruf ich erlernen wollte. Mein Vater schickte mich deshalb zu einer freien Poststelle in Glattbrugg.“ Ihm gefiel die Arbeit, 1976 begann er eine Lehre als diplomierter Briefträger und fuhr Briefe mit dem Fahrrad aus. Während der Ausbildung besuchte Zeiter Englischkurse der ehemaligen Fluggesellschaft Swissair und lernte die Arbeit als Zolldeklarant am Flughafen Zürich kennen. Er bewarb sich und machte eine Weiterbildung zum eidgenössischen Zolldeklaranten. Am Flughafen entdeckte er auch seine spätere Leidenschaft: das Reisen.

          Fälschungen und Diebesgut

          „Als Zolldeklarant bin ich verantwortlich für Import und Export von Paketen.“ Anhand von Erfahrungswerten sortiert und kontrolliert er die Päckchen. „Pakete aus Schwerpunktländern müssen genauer überprüft werden.“ Solche Länder sind zum Beispiel China, woher viele Fälschungen stammen, oder Rumänien, von wo viel Diebesgut kommt. Zolldeklaranten müssen über ein breites Wissen verfügen, Preise und gesetzlich festgelegte Maximalmengen gewisser Waren kennen. Bei jedem Produkt müssen sie wissen, ob es eingeführt werden darf oder nicht. Der 55-Jährige ist verantwortlich dafür, dass bei den Angaben zu den Importwaren nicht geschummelt wird und keine verbotenen Güter eingeführt werden. „Ich erhalte die Pakete an meinen Arbeitsplatz geliefert und schaue dann zuerst, woher das Päckchen kommt, wer der Adressat und Empfänger ist und zu welchem Preis die Ware deklariert wurde.“ Zeiter nennt ein Beispiel: „Ich bekomme ein Paket aus den USA, das eine Ray Ban Sonnenbrille beinhalten soll. Der Wert der Brille wurde mit zehn Dollar angegeben. Nun weiß ich jedoch, dass eine echte Ray Ban Brille mehr als zehn Dollar kostet. Deshalb öffne ich das Paket, um nachzuschauen, ob auch tatsächlich die angegebene Ware darin zu finden ist. Wenn nun eine Brille dieser Marke darin vorhanden ist, dann schaue ich im Internet nach, wie hoch der Preis wirklich liegt.“ Ab 65 Franken zahlt man in der Schweiz Zollgebühren. Die Brille ist mehr wert als 65 Franken. Zeiter kontaktiert den Käufer, damit dieser die Rechnung schickt. Das Päckchen wird wieder verschlossen und dem Wert der Brille entsprechend verzollt. „Zu den Zollgebühren kommen zusätzlich noch Lagerungs- und Bearbeitsgebühren.“

          Lebende Schlange im Geschenkpapier

          Einmal in der Woche kommt ein Drogenhund für Stichproben vorbei. Viel wird nicht gefunden, aber es dient der Abschreckung. Beliebte Verstecke sind Bilderrahmen oder hohle Bücher. „Immer wieder entdecken wir kuriose Funde. Mein Kollege fand einst eine seltene, lebendige australische Schlange, die in Geschenkpapier eingepackt wurde.“ Öfters wird auch sogenanntes „Bushmeat“ gefunden, Trockenfleisch von Exoten wie Affen oder Gürteltieren. „Etwas vom Spannendsten, was ich je gefunden hatte, war ein Römerhelm aus der Zeit vor Christus.“ Wenn etwas Verbotenes gefunden wird, leitet die Polizei ein Strafverfahren ein. Roger Zeiter arbeitet nur zu 60 Prozent, so bleibt ihm mehr Zeit für Hobbys. „Ich liebe es, in der Natur draußen zu sein, die Jahreszeiten zu erleben und allerhand Neues zu sehen.“

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