https://www.faz.net/-gum-8t016

Zigarrenclub : Einmal in der Woche herrscht dicke Luft am Gmünder Markt

  • -Aktualisiert am

Bild: Philip Waechter

In einem historischen Hinterzimmer trifft sich in Schwäbisch Gmünd ein Zigarrenclub. Der sportliche Gründer ist Raucher und Radfahrer aus Leidenschaft.

          4 Min.

          Stimmengewirr füllt die historische Bohlenstube. 13 Männer haben sich um einen großen Holztisch versammelt. Der aufsteigende Rauch ihrer glühenden Zigarren trübt die Sicht. Gewusel in der kleinen Küche nebenan, wo es nach Schupfnudeln und Sauerkraut duftet. Die 13 Mitglieder des „Rauchsportclubs“ Schwäbisch Gmünd versammeln sich auch an diesem Freitagabend zu ihrer wöchentlichen Männerrunde im ersten Stock über dem kleinen Tabakwarenladen am Marktplatz 36. Unter ihnen zwei Hobbyköche, ein Weinhändler und Wolfgang Ruß, der Inhaber des Ladens und Gründer des Raucherclubs.

          Sie werden oft für einen Sportclub gehalten

          Der Name „Rauchsportclub“ war eher ein Gag, sagt der Händler. Da Ruß, der Rad fährt und Triathlons mitläuft, leidenschaftlich Zigarren raucht, gründete er 1997 gemeinsam mit fünf weiteren Zigarrenliebhabern den RSC Schwäbisch Gmünd. Ruß und seine Freunde wurden schon oft für einen Sportclub gehalten und erhielten über ihre frühere Internetseite eine Einladung zu einem Tauchlehrgang am Bodensee. Der Geschäftsführer lacht, da seien sie natürlich nicht hingegangen. „Höchstens, wenn sie uns die Havanna in die Sauerstoffflasche eingebaut hätten.“ Unter den Männern bricht lautes Lachen aus. Es wird angestoßen mit Rotwein, alle unterhalten sich ausgelassen und ziehen genüsslich an ihren glühenden Zigarren.

          Die Schwaben erheben natürlich keine Beiträge

          Zu einer oder höchstens zwei Zigarren an einem Abend trinken sie Wein oder Whisky. Das passe am besten dazu, sagt Ruß. Ein etwa 50-Jähriger in blauem Hemd schwelgt in Erinnerungen und erzählt die Gründungsgeschichte: Alles begann mit den Samstagen, als auf dem Gmünder Münsterplatz noch der Wochenmarkt stattfand. Da traf man sich im Tabakwarenladen zum Quatschen und zum Rauchen. Ihr Club sei eigentlich „eine bloß schwäbische Nachmache“ der elitären Zigarrenclubs, die es in Großstädten bereits lange gibt und bei denen man Tausende von Euros für die Aufnahme und den monatlichen Clubbeitrag hinblättern müsse. „Wir als Schwaben haben unseren Club natürlich ohne Beiträge oder Sonstiges aufgezogen, versteht sich.“

          Er will Gemütlichkeit schaffen

          „Tabak&Treff“, der Schriftzug in leuchtenden Buchstaben macht schon von weitem auf das Schaufenster im Erdgeschoss des rosa Gebäudes auf dem Gmünder Marktplatz aufmerksam. So nannte Wolfgang Ruß seinen Laden, als er ihn vor 20 Jahren seiner Vorgängerin abkaufte. Er wollte seinen Kunden nicht nur seine Zigaretten, Zigarren, Zigarillos, Feuerzeuge, Pfeifen oder Whisky verkaufen, er wollte Gemütlichkeit schaffen, einen Treffpunkt, an dem man sich zum Rauchen und Kaffeetrinken trifft. Noch vor einigen Stunden ließen seine Stammkunden in dem zwanzig Quadratmeter großen Verkaufsräumchen wie jeden Tag zur Mittagszeit richtig den Rauch rein, genossen ihre Zigarre und schlürften ihre Tasse Kaffee. Die Decke des Ladens ist verziert mit Zigarrenschachteln, neben der Eingangstür stehen dunkelrote mit Samt überzogene Hocker vor einem kleinen Tisch.

          Mitten im Bau aus dem 16. Jahrhundert

          Seit 15 Jahren verbringt der Mann mit dunkelgrauem Bart und Brille seine Mittagspause im Laden, sagt er und zieht kräftig an seiner Havanna. Vom Polizeichef über den Redakteur bis zum Anwalt halten sich hier mittags noch Kunden und Freunde auf. Probleme werden hier, so sagt Ruß, „auf kleinem Dienstweg“ erledigt. Jetzt ist der Verkaufsraum dunkel. Wie jeden Freitagabend schließt Ruß um 18.30 Uhr seinen Laden zu, die Zigarrenfreunde verlegen ihr Treffen in die Bohlenstube im ersten Stock. Zu erreichen ist der Treffpunkt über den Hintereingang. Schon im Treppenhaus macht sich der Zigarrenrauch breit. Die Stufen führen in den hinteren Teil des Gebäudes, so steht man plötzlich in einem Bau aus dem 16. Jahrhundert vor dem Eingang der historischen Bohlenstube. Der Name Bohlenstube entstand aufgrund der dunkelbraunen Bohlenbretter, womit man zu jener Zeit die Wände vertäfelte, erklärt Ruß. Die niedrige Decke und die niedrigen Türrahmen zeugen vom Baustil des 16. Jahrhunderts. Die alten Bohlen blieben jedoch jahrelang unentdeckt, sie waren zutapeziert und mehrmals überstrichen worden. Nach einem Wasserschaden zur Jahrtausendwende wurden sie wiederentdeckt. Zuvor mietete der Clubgründer im Winter die neben seinem Laden am Marktplatz 36 gelegene Eisdiele Venezia als zusätzlichen Raucherraum an. Vor 15 Jahren weihten die Männer dann die renovierte Bohlenstube ein.

          Weitere Themen

          Der Andere von Wham!

          Andrew Ridgeley im Porträt : Der Andere von Wham!

          Dass Andrew Ridgeley nie so berühmt wurde wie sein Bandkollege George Michael hat ihn nie gestört. Jetzt hat er ein Buch über die gemeinsame Zeit geschrieben. Ein Treffen in Hamburg.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.