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"Meet a Jew" : Es gibt nichts Besseres

  • -Aktualisiert am

Bild: von Zubinkski

Viele Menschen haben Hemmungen, mit Juden zu reden. Hanna hilft ihnen. Die Studentin macht mit bei „Meet a Jew“ und besucht zum Beispiel das Goethe-Gymnasium in Ludwigsburg.

          4 Min.

          Einige Schüler der 11. Klassenstufe des Goethe-Gymnasiums Ludwigsburg sitzen in einem Stuhlkreis und stellen einer jungen Frau interessiert Fragen. Sie besuchen den Seminarkurs „Gegen das Vergessen des Holocaust“, in den Hanna Veiler, die ehrenamtlich für das Projekt des Zentralrats der Juden „Meet a Jew“ arbeitet, eingeladen worden ist. Die schwarzhaarige 23-Jährige, die Kunstgeschichte und Französisch studiert, wurde in Weißrussland als Tochter jüdischer Eltern geboren und wanderte im Jahr 2005 mit ihrer Familie nach Deutschland aus.

          „Ich war schon länger sehr aktiv in jüdischen Organisationen und habe zum Beispiel Ferienlager eines jüdischen Jugendzentrums betreut. Als dann das Projekt ‚Likrat‘, heute ‚Meet a Jew‘, wieder ins Leben gerufen wurde, hatte ich gerade mein Auslandsjahr in Israel beendet und wollte mich sehr gerne daran beteiligen“, sagt Hanna. Nebenbei ist sie Vizepräsidentin der jüdischen Studierendenunion Deutschlands und beteiligt sich an weiteren Projekten. „Ich bringe manchmal den Witz, dass ich bei der Deutschen Bahn Miete zahlen muss, weil ich so viel unterwegs bin. Viel Freizeit habe ich durch die zahlreichen Engagements nicht. Da man heutzutage per Handy oder Laptop ständig erreichbar ist, finden manchmal auch spontane Onlinemeetings statt.“

          350 Ehrenamtliche machen mit

          Das Projekt „Meet a Jew“ hat bundesweit rund 350 Ehrenamtliche und ging aus den Vorgängerprojekten „Likrat“ und „Rent a Jew“ hervor. Es steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert. Dabei mitmachen können jüdische Jugendliche und junge Erwachsene ab 14 Jahren. Sie werden an verschiedene nichtjüdische Einrichtungen wie Schulen, Sportvereine oder Universitäten vermittelt, berichten dort von ihrem Alltag als Juden in Deutschland und beantworten in einer ungezwungenen Gesprächsatmosphäre Fragen. „Ich persönlich gehe sehr gerne an Universitäten und rede dort mit Studierenden, weil ich mich mit den Leuten dort auf einer Augenhöhe fühle. Meiner Meinung nach ist es am sinnvollsten, wenn beide Parteien möglichst gleich alt sind“, sagt Hanna.

          Bevor die Freiwilligen eingesetzt werden, müssen sie Seminare besuchen, in denen ihr Wissen über das Judentum ergänzt wird und ihre kommunikativen Fähigkeiten gestärkt werden. „Man sollte eine Art von aktivem jüdischen Leben führen, falls man daran teilnehmen will. Auf den Seminaren wird das religiöse Wissen aufgefrischt, und man lernt, dies pädagogisch gut zu vermitteln. Wichtig ist auch, seine eigene Position zu kontroversen Themen, die immer wieder aufkommen, zu finden, um auf jegliche Fragen antworten zu können“, betont Hanna. Dabei müsse einem unter anderem klar werden, warum man sich dafür engagiere. „Ich selbst lebe meinen Glauben hauptsächlich mit einer Gemeinschaft beziehungsweise mit Freunden oder Bekannten aus. Meine Familie ist allerdings überhaupt nicht religiös, weswegen ich mit denen nicht feiern kann.“

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