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Zehnkampf : 8162 Punkte zum Sieg

  • -Aktualisiert am

Bild: Zubinski

Zehnkämpfer Niklas Kaul ist Weltmeister. Mit 17 Jahren startete er in Kolumbien und blendete die 15 000 Zuschauer einfach aus, so sagt der Schüler

          2 Min.

          Cali, Kolumbien, 16. Juli 2015, U-18-WM, 20.20 Uhr Ortszeit, Start des 1500-Meter-Laufs. Ein Mensch steht besonders im Mittelpunkt. Es ist die letzte Disziplin eines Zehnkampfs, in dem Niklas Kaul Geschichte schreiben kann. „Für die erste Gruppe ist der Lauf beendet, sie muss nun auf unsere Gruppe warten, in der meine beiden engsten Verfolger Hans-Christian Hausenberg, Ludovic Besson und ich um die Goldmedaille kämpfen. Ich hatte vor diesem Lauf ein klares Ziel vor Augen, nämlich als erster Jugendlicher überhaupt die 8000-Punkte-Marke zu knacken. Ich wusste, dass ich dafür meinen eigenen Rekord über die 1500 Meter einstellen musste, aber Bestleistungen zu überbieten ist bei einem Zehnkampf keine Seltenheit“, erinnert sich der 17-jährige Sportler an die WM in Cali. „Die 15 000 Zuschauer blendete ich einfach aus. Ich schloss für einen kurzen Moment die Augen und atmete tief durch. Startschuss, die Zuschauer jubelten.“

          Beim Schulsport ist die Verletzungsgefahr zu hoch

          Es ist sieben Uhr, ein ganz normaler Schultag im Leben von Niklas Kaul beginnt. Zunächst eine Doppelstunde Physik - eines seiner drei Leistungsfächer. Seine anderen beiden Leistungskurse sind Mathematik und Sozialkunde. „Viele verstehen nicht, warum ich nicht Sport als Leistungskurs gewählt habe, doch für mich war klar, dass durch intensiven Schulsport die Verletzungsgefahr für mich einfach zu hoch ist. Dieses Risiko wollte ich nicht eingehen“, erklärt der Schüler des Gymnasiums Nieder-Olm.

          Bei allen Erfolgen ist der 1,90 Meter große Zehnkämpfer bodenständig geblieben. Während andere Leistungssportler einen strikten Ernährungsplan einhalten und am Wochenende nicht ausgehen, schließt sich Niklas gerne mal seinen Freunden an, um nach der Schule zu entspannen. Schlecht scheint dies für ihn nicht zu sein, denn seine sportlichen Leistungen verbessern sich stetig. Nach sechs Stunden auf der Schulbank begibt er sich zunächst nach Hause zum Mittagsschlaf. Verständlich bei 16 bis 17 Stunden Training und 32 Schulstunden in der Woche.

          Auch die Eltern sprinteten vielen davon

          Um 17 Uhr beginnt der zweite Teil des Tages, das Leistungstraining. Beim USC Mainz wird er von seinen Trainern auf die Wettkämpfe vorbereitet, unter anderem von seinem Vater Michael, der selbst früher deutscher Meister über 400 Meter Hürden war. Auch seine Mutter Stefanie, mehrfache österreichische Meisterin über 400 Meter Sprint und 400 Meter Hürden, hat einiges an Talent an ihren Sohn vererbt.

          Auf dem Sportplatz geht es los mit dem Aufwärmprogramm. 2 bis 2,5 Kilometer Warmlaufen, gefolgt von Stabilisationsübungen. Es folgt das spezifische Zehnkampftraining. Wie jeden Mittwoch fängt es an mit dem Stabhochsprung, wo heute die Technik im Vordergrund steht. Verkürzter Anlauf und Sprung in die Sandkiste, um Grifftechnik und Haltung zu verbessern. Die zweite Hälfte des Trainings besteht aus kurzen Sprints. Zwanzigmal 100 Meter hintereinander „durchpowern“, mit jeweils einer Minute Pause nach jedem Durchgang und nach zehn Durchläufen einmalig vier Minuten Pause. Danach ist das Training beendet. Am Abend sind noch die Schulaufgaben zu erledigen.

          Zugleich stellte er einen neuen Rekord auf

          Manchmal denkt Niklas Kaul noch an die WM in Cali, vor allem an das letzte Rennen und an den Glücksmoment, als er als Dritter das Ziel erreichte mit der neuen persönlichen Bestleistung von 4:42.29 Stunden. 8002 Punkte im U-18-Zehnkampf: persönliche Bestleitung und Weltrekord. Mit diesem Lauf hat sich Niklas in der Geschichte des Junioren-Zehnkampfs verewigt. In diesem Jahr konnte er seine Leistung sogar noch steigern. Bei der U-20-WM im polnischen Bydgoszcz wurde er mit 8162 Punkten Weltmeister und stellte zugleich einen neuen Weltrekord auf. Und was sind seine Pläne für die Zeit nach dem Leistungssport? „Irgendwas in sportlicher Richtung würde mich sehr interessieren, vielleicht ein Studium zum Sportlehrer.“

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