https://www.faz.net/-gum-9dpze

Wünschewagen : Noch einmal ans Meer oder zum Spiel

  • -Aktualisiert am

Bild: Studio Zubunt, LABOR Frankfurt

Hin zu Sehnsuchtszielen: Ein gut ausgerüsteter Wünschewagen fährt unheilbar Kranke an ganz besondere Orte.

          Wenn man ihn von weitem sieht, denkt man, es sei ein ganz normaler Krankenwagen. Doch es ist kein normaler Krankenwagen, es ist der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Blau, Weiß, Orange – das sind seine typischen Farben. Menschen helfen, Menschen einen letzten Wunsch erfüllen – das sind seine Aufgaben. Klaus Müller (alle Patientennamen sind geändert), 58 Jahre alt, leidet an unheilbarem Krebs. Vor seinem Tod hat er noch einen letzten Wunsch. Er möchte auf die Hochzeit seines Sohnes Oliver nach Mainz. Es war ein sonniger Freitagmorgen im April. Klaus Müller wurde um 9 Uhr aus dem Krankenhaus abgeholt und zum Standesamt nach Mainz gebracht. Er war sehr aufgeregt und freute sich, dass er diesen besonderen Tag mit seinem Sohn und der gesamten Familie erleben durfte. Im Standesamt umarmte er ihn und seine zukünftige Frau Maria. Während der Zeremonie hatte er Tränen in den Augen, weil er glücklich war und an diesem Tag seine Krankheit und Sorgen für einige Stunden vergessen konnte. Nach der Hochzeitsfeier, am späten Nachmittag gegen 17 Uhr, wurde Klaus wieder nach Hause in seine Heimat ins Saarland gefahren. Dieser Tag war etwas ganz Besonderes für ihn und er war dankbar, dass der Wünschewagen ihm diese Fahrt ermöglicht hat, denn ohne ihn wäre die Fahrt aufgrund seines Gesundheitszustandes nicht möglich gewesen. Und genau das ist die Intention des Wünschewagens: „Unmögliches möglich machen“, sagt Bernhard Roth, seit 20 Jahren Landesgeschäftsführer des ASB im Saarland.

          Ohne Ehrenamtliche liefe das nicht

          An dem Projekt arbeiten viele ehrenamtliche Helfer, Rettungssanitäter und Pfleger mit. Hauptsächlich wird es durch Spenden finanziert. Zurzeit gibt es in jedem Bundesland mindestens einen Wünschewagen. „Gäbe es den Wünschewagen nicht, dann müsste man ihn erfinden, damit diesen Menschen in ihrem Leid noch einmal ein Lächeln in das Gesicht gezaubert werden kann“, sagt der 60-Jährige voller Überzeugung. Wie kann man eine Wunschfahrt buchen? Das Verfahren ist einfach. Die Angehörigen der erkrankten Person rufen beim ASB in ihrem Bundesland an und vereinbaren einen Termin mit der Person, die für die Wunschfahrten zuständig ist. Danach wird der Gesundheitszustand des Patienten geprüft, und der Arzt muss ein Attest ausstellen. Wenn der Patient transportfähig ist und der Wunsch realistisch ist, dann kann die Fahrt stattfinden. Gustav Stein ist an Darmkrebs erkrankt. Der 57-Jährige hat noch einen letzten Wunsch. Er möchte ein Spiel seines Lieblingsvereins Bayern München live im Stadion sehen. Es war ein Samstagmorgen im März. Gustav und seine Frau Ina wurden um 11 Uhr zu Hause abgeholt und nach München in die Allianz-Arena gefahren, um dort das Spiel von Bayern München gegen den Hamburger SV zu sehen. An diesem Tag war er fröhlich, und ihm ging es nach langer Zeit mal wieder richtig gut, so dass er diesen Tag voll und ganz mit seiner Frau genießen konnte. Als sein Lieblingsverein dann auch noch 6:0 gewonnen hatte, freute er sich umso mehr. Seine Augen strahlten, er wirkte gelöst und zufrieden. Auch seine Frau war froh über diesen Tag. Auf der Fahrt nach Hause ins Saarland sprach er nur noch von dem Spiel und dass er dankbar sei, dass es dieses Projekt gibt, denn wegen seiner Krankheit konnten die Angehörigen diese Fahrt nicht allein durchführen und benötigten die Hilfe der Ehrenamtlichen.

          Weitere Themen

          Papa kommt mit

          Südafrika : Papa kommt mit

          Obwohl er schwer dement ist, reist eine Tochter noch einmal mit dem Vater um den halben Globus – zum Glück!

          Topmeldungen

          Vor Wahl in Straßburg : So kämpft von der Leyen um Stimmen

          Zu vage und nicht ehrgeizig genug: Für ihren Auftritt vor dem EU-Parlament musste von der Leyen von vielen Seiten Kritik einstecken. Die CDU-Politikerin reagiert mit detaillierten Strategien – vor allem im Klimaschutz. Hilft ihr das so kurz vor der Wahl?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.