https://www.faz.net/-gum-9160c

Wohnkonzept : Das Dorf in der Stadt

  • -Aktualisiert am

Bild: Claudia Weikert

Man kennt seine Nachbarn, nutzt Gemeinschaftsräume, und das Kino ist auch integriert: Mitten in Zürich überzeugt ein ungewöhnliches Wohnareal.

          3 Min.

          Im Hof fühlt man sich ein wenig wie in einem Panoptikum“, sagt Simone Isliker lachend. Sie hat Philosophie studiert und später bei der Polizei in der Kommunikation gearbeitet. Der Innenhof der Kalkbreite liegt wie eine Insel inmitten des belebten Zürcher Quartiers Außersihl. Bäume und Sträucher im sonnendurchfluteten Hof spenden Schatten. Der Hof ist für alle zugänglich, auch für Menschen, die nicht in der Siedlung wohnen. Dort trifft man Jung, Alt und Familien mit Kindern an. Die großen Fenster der Wohnungen öffnen den Blick in den belebten Hof. Ein Teil der Dachlandschaft, die den Hof ringförmig umschließt, kann öffentlich genutzt werden. Simone Isliker wohnt dort mit ihrem Freund, seitdem das Areal vor drei Jahren fertiggestellt worden ist. Eigenen Wohnraum reduzieren und stattdessen mehr ins Zusammenleben investieren, so lautet das Konzept der modernen Siedlung. Hier lässt es sich im Vergleich zu anderen Neubauwohnungen in der Stadt Zürich preisgünstig leben.

          Bibliothek und Waschsalon

          Um das Zusammenleben gemeinsam zu gestalten und zu organisieren, trifft sich der Gemeinderat monatlich, um Wünsche und Probleme an- und auszusprechen. Simone Isliker findet gut, dass es diese Möglichkeit gibt und sich Bewohner für das gemeinsame Wohl engagieren. Zum Wohnkonzept gehören Gemeinschaftsräume und Einrichtungen. In der Eingangshalle steht zum Beispiel ein großes Bücherregal. Wer Leselust verspürt, darf sich bedienen. Auffällig ist die bunte Zusammenstellung unterschiedlicher Einrichtungsstücke. „Diese Möbel habe ich noch nie gesehen, obwohl ich hier mindestens zweimal in der Woche vorbeikomme“, schmunzelt die 33-Jährige und betrachtet eine Couch in der Caféteria. „Ein Möbelhaus nutzt die Kalkbreite als Werbefläche und stellt regelmäßig neue Einrichtungsstücke zur Verfügung.“ Gegenüber der siedlungseigenen Bibliothek finden sich Nachbarn zum Wäschewaschen im gemeinsamen Waschsalon zusammen. Auf einem für Besucher unzugänglichen Teil des Daches sind Wäscheleinen aufgespannt.

          Katzensprung zur Haltestelle

          „Bei den Kräutern“ nennt sich ein anderer Abschnitt der Dachanlage, auf dem sich das Hochbeet befindet. Simone Isliker berichtet erfreut von den Setzlingen in ihrem Beet: „Ich habe Brokkoli, Artischocken, Fenchel und Blumenkohl angepflanzt.“ Gemüse und Kräuter wachsen mit Panoramablick über die Dächer der Stadt. „Ich bin im Zürcher Oberland in einem Bauernhaus aufgewachsen“, berichtet die junge Frau, „das nächste Haus war einen halben Kilometer entfernt.“ Obwohl sie heute mitten in der Stadt wohnt, fühlt sie sich hier wohl und kann sich vorstellen, noch lange in der Kalkbreite zu bleiben. Die Bewohner und Arbeitenden der Kalkbreite verzichten auf ein Auto. Dabei sind die zentrale Lage und eine gute Verkehrsanbindung von großem Vorteil. Bei der Planung musste keine Fläche für Parkplätze bereitgestellt werden, was sich letztlich günstig auf die Mieten auswirkt. Zur nächsten Haltestelle der Straßenbahn ist es nur ein Katzensprung. In zehn Minuten gelangt man zum Hauptbahnhof, an den Paradeplatz oder die Seepromenade.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine Frau telefoniert in einer Telefonzentrale für die Arzthotline 116117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes.

          Keine Impftermine möglich : Nette, aber hilflose Impfhotlines

          Die Impfstoffbeschaffung ist Bundessache, das Verabreichen aber die der Länder. In keinem von ihnen lässt sich ein Termin für eine Impfung vereinbaren. Die Länder halten den Bund für schuldig – und Pfizer.
          Das erste Interview nach seiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden: Ministerpräsident Armin Laschet in der Düsseldorfer Staatskanzlei.

          Interview mit Armin Laschet : „Auch mit Friedrich Merz“

          Ein Gespräch mit dem neuen CDU-Vorsitzenden Armin Laschet über die Einbindung des unterlegenen Konkurrenten, die Kanzlerkandidatur, den Kampf gegen Corona, sein Verhältnis zu Russland, die Seidenstraße – und über Twitter.
          2:4-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach: der nächste schwere Schlag für die Dortmunder.

          2:4 bei Mönchengladbach : Dortmund nun endgültig in der Krise

          Mönchengladbach zieht nach dem Sieg im wilden Borussen-Duell in der Tabelle an den Dortmundern vorbei. Der BVB kann seine Probleme in der Abwehr nicht abstellen und bangt nun um die Qualifikation für die Champions League.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.