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Einkaufsdienst der Malteser : „Wir sehen uns nächste Woche“

  • -Aktualisiert am

Bild: Philip Waechter

Sie nehmen sich Zeit für Besorgungen und lang entbehrte Gespräche: Ein junger Mann macht mit beim Ehrenamtlichen Einkaufsdienst der Malteser

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          Machen Sie es gut, wir sehen uns nächste Woche!“, verabschiedet sich Philipp Boeselager von einem Mann im Rollstuhl mittleren Alters und einem breiten Lächeln im Gesicht. Aufgrund seiner Krankheit ist er in seinem Alltag eingeschränkt, wobei schon ein einfacher Einkauf für ihn eine starke gesundheitliche und physische Belastung darstellt. Deshalb gehen ehrenamtliche Helfer der Malteser zwei- bis dreimal im Monat für ihn einkaufen, um das Unfallrisiko und die Infektionsgefahr zu mindern.

          Komplett kostenlos

          Vor einigen Monaten ist Philipp Boeselager zu den Maltesern gekommen. Der 28-Jährige erzählt: „Ich habe zweieinhalb Jahre in einer Digitalisierungsagentur gearbeitet und letztes Jahr im Dezember meinen Job gekündigt, um nachträglich meinen Master in Management und Innovation zu machen. Da ich die Zeit bis zum Studienbeginn sinnvoll nutzen wollte und schon zuvor mit den Maltesern Kontakt hatte, bin ich über einen Freund zum Einkaufsdienst der Malteser gekommen.“ Die Einsatzbereiche des Einkaufsdienstes sind vielfältig. Vom Supermarkteinkauf über die telefonische Annahme der Einkaufslisten bis hin zur Koordination des Einkaufsdienstes muss für alles gesorgt werden. „Ich fahre mit der Bahn innerhalb Berlins zum Klienten und gehe dort anschließend in einen beliebigen Supermarkt in der Nähe einkaufen.“ Es handelt sich oft um die Wocheneinkäufe und Besorgungen aus der Apotheke, die daraufhin bei den Kunden persönlich vorbeigebracht werden. Die Dienstleistung ist für die Beteiligten komplett kostenlos, und es ist ausschließlich der bestellte Einkauf zu bezahlen. Doch oftmals bekommen die ehrenamtlichen Helfer ein bisschen Trinkgeld, als Dank für ihre tatkräftige Unterstützung.

          Da steckt viel mehr hinter

          Allerdings geht es hier nicht allein um die Besorgung von Lebensmitteln, Hygieneartikel oder Medizin, sondern es steckt viel mehr dahinter. „Wir nehmen uns die Zeit, um schöne Gespräche zu führen und Nähe zu spenden, denn die Menschen sollen den sozialen Kontakt nicht missen“, berichtet Philipp Boeselager. Für ihn ist es wichtig, sich mit den Menschen auszutauschen und immer offen für ein Gespräch zu sein. Dadurch werden viele neue soziale Kontakte geknüpft, doch es werden auch einige Herausforderungen bewältigt, wie die Konfrontation mit schwierigen Persönlichkeiten. Egal ob unfreundlich, verärgert oder aufdringlich, die Helfer müssen sich damit auseinandersetzen. Es sei eine große Verantwortung, als ehrenamtlicher Helfer zu arbeiten, die oftmals unterschätzt werde. Der Helfer meint, allein die Bereitschaft, seine Freizeit für etwas Gutes zu investieren, bringt einen voran. „Es macht einen sehr großen Unterschied, die Tätigkeit über mehrere Monate auszuüben, im Vergleich zu ein paar Wochen, weshalb es wichtig ist, diese Entscheidung gut zu überdenken und nicht wahllos zu handeln.“

          Das gute Gefühl, gebraucht zu werden

          Trotzdem zieht es immer mehr Menschen an, ehrenamtlich zu arbeiten, denn man teilt seine Lebenszeit mit anderen und spürt, es kommt etwas zurück. Dies zeigt sich vor allem bei Einsätzen mit älteren Menschen. „Letztens war ich bei einer älteren Dame mit Gehhilfe, die seit dem Tod ihres Mannes auf die Hilfe der Malteser zurückgreift. Sie wohnt im zwölften Stock eines Wohnhauses und ist aufgrund ihres Alters nicht mehr sehr mobil“, berichtet er. Am meisten habe sich die ältere Dame über den sozialen Kontakt und die Gespräche gefreut, denn diese lassen sie für einen Moment das Alleinsein vergessen. Mit funkelnden Augen sagt er, die Freude und die Dankbarkeit der Menschen zaubere ihm immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Das mache die ehrenamtliche Arbeit lohnenswert. Natürlich können durch diese Einsätze bei Weitem nicht alle Probleme gelöst werden, doch die Freude der Menschen gibt einem das Gefühl, gebraucht zu werden, so auch bei der älteren Dame. Bevor Philipp Boeselager gegangen ist, gab er ihr noch ein paar Worte mit auf den Weg und seinen Abschiedsgruß: „Machen Sie es gut, wir sehen uns nächste Woche!“

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