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Weltumseglung : Laura Dekker zu Rekordversuch aufgebrochen

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

In der vergangenen Woche hatte sie sich vor Gericht die Erlaubnis erstritten, nun ist Laura Dekker aufgebrochen. In zwei Jahren will sie um die Welt segeln. Um in die Geschichte einzugehen, muss sie sich aber beeilen.

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          Nach monatelangem Kampf vor den Gerichten hieß es für die 14 Jahre alte Laura Dekker am Mittwochmorgen: Leinen los zur Solo-Weltumseglung. Vom Hafen Den Osse in der Provinz Zeeland aus stach die junge Niederländerin auf ihrer rot-weißen 11, 5-m-Yacht Guppy in See. „Ich habe keine Angst“, sagte Laura Dekker vor dem Start ins Abenteuer, bekleidet mit weißer Hose, einer Weste und einem schwarzen T-Shirt mit Totenkopf.

          Begleitet wurde Dekker beim Verlassen des kleinen Hafens von dutzenden von Booten. Erstes Ziel des Teenagers ist nach zwei- bis dreiwöchiger Fahrt Portugal. Bis dort wird sie ihr Vater auf dem zwei Tonnen schweren Zweimaster begleiten, um letzte technische Tests durchzuführen. „Wir wollen sichergehen, dass das Boot wirklich bereit ist“, sagte Dick Dekker. Von Portugal aus wird seine Tochter dann gut eine Woche später alleine weitersegeln.

          Im Golf von Aden könnte sie auf Piraten treffen

          Ihre Route führt Laura Dekker über den Atlantik durch den Panamakanal in den Pazifischen Ozean. Ein Stop ist geplant auf den Galapagos-Inseln, ehe es nach Australien und Thailand geht. Brisant könnte es im Golf von Aden werden, wo Piraten ihr Unwesen treiben und schon zahlreiche Öltanker aufgebracht haben. Wenn sie diese Gefahr umgehen will, wäre die Reise um Südafrika herum die Alternative. Von dort soll es zurück nach Europa gehen.

          Leinen los: Laura Dekker verlässt den Hafen von Den Osse
          Leinen los: Laura Dekker verlässt den Hafen von Den Osse : Bild: AFP

          „Es ist wunderbar, dass ich jetzt loslegen darf. Ich habe keine Angst“, sagte Laura Dekker kurz vor dem Ablegen in Den Osse, wo sie mit ihrem Vater und ihrem Hund Spot auf einem Boot lebt. Dutzende Menschen hatten sich in der kleinen Hafenstadt eingefunden, um beim Start des möglicherweise historischen Unternehmens dabei zu sein und Laura Dekker zu verabschieden.

          Segeltörn sorgte für hitzige Diskussionen

          Die will als jüngste Solo-Weltumseglerin ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen werden. Dazu müsste sie spätestens am 16. September 2012, vier Tage vor ihrem 17. Geburtstag, ihre Reise über mehr als 20 000 Seemeilen beendet haben. Den Rekord hält die Australierin Jessica Watson, die am 15. Mai dieses Jahres, drei Tage vor ihrem 17. Geburtstag, ihre Weltumseglung nach 210 Tagen und 23 000 Seemeilen in Sydney beendet hatte. Diese Bestmarke möchte Dekker unbedingt knacken, „und wenn es nur um einen Tag ist“.

          Lange Zeit stand der geplante Törn von Laura Dekker in den Sternen. Der Fall hatte für eine hitzige öffentliche Diskussion in den Niederlanden gesorgt. Besonders die Rolle der Eltern, die das Vorhaben ihrer Tochter vehement unterstützen, war und ist immer noch umstritten. Während Kinderschützer vor den negativen Auswirkungen der auf zwei Jahre angelegten Reise auf die Entwicklung des Teenagers warnen, bestand die Familie auf die „Verwirklichung des Traumes“ der inzwischen 14 Jahre alten Schülerin.

          „Laura hat salzige Meeresluft im Blut“

          Erst in der vergangenen Woche hatte ein Familienrichter in Middelburg Laura Dekker grünes Licht für die Weltreise gegeben. Ihre geschiedenen Eltern erhielten das volle Sorgerecht zurück. Vor einem Jahr hatte das Familiengericht in Utrecht das Mädchen noch unter die Obhut des Jugendamtes gestellt. Begründung: Sie sei den Anforderungen einer derartigen Solotour nicht gewachsen und verstoße gegen das Schulpflichtgesetz.

          Dieser Meinung ist Dekkers Anwalt Peter de Lange ganz und gar nicht. „Laura hat die salzige Meeresluft im Blut. Aus dem jungen Mädchen des Gerichts ist ein junges Mädchen des Segelns geworden“, erklärte der Jurist. Das einzig verbliebene Problem seines Schützlings kann aber auch er nicht lösen. Auf die Frage, was sie auf ihrer Reise am meisten vermisse, antwortete Laura Deckker spontan: „Meinen Hund Spot.“

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