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Weltreise : Mafiös, aber der Typ half weiter

  • -Aktualisiert am

Bild: Moni Port

Seit er Rentner ist, radelt und reist der unerschrockene Urs Egli um die Welt. Schneeregen, fehlende Ausreisestempel und die Sackgasse Krim halten ihn nicht ab.

          4 Min.

          Morgen beginnt der Rest meines Lebens.“ Nach diesem Lebensmotto startet Urs Egli die wildesten Fahrradtouren, die man sich nur vorstellen kann. Ob von New York entlang der amerikanischen Ostküste nach Saint Lucia in der Karibik oder einmal von zu Hause nach Schottland und zurück. Keine Strapazen der Welt können den 70-jährigen, athletisch wirkenden ehemaligen Unternehmer aus dem Zürcher Oberland aufhalten. Ausgerechnet durch das Krisengebiet in der Krim sollte ihn seine bisher letzte Reise führen, die sich fast als Sackgasse erwies.

          Abenteuerlust, Neugierde und Sportsgeist treiben den dynamischen Rentner zu solchen Höchstleistungen an. „Ein wichtiger Leitspruch für mich ist, dass ich keine Angst habe und mir keine unnötigen Sorgen mache.“ Denn Egli ist ein Mann mit Prinzipien: „Mir kommt immer etwas in den Sinn.“ Dieser Grundsatz gelte immer, doziert er, und ohne Zögern fährt er fort, Sterben sei immer einsam. Egal, ob er jetzt in einem Straßengraben an einem Schädelbruch sterbe oder im Bett friedlich einschlafe. „Die letzte Stunde gehört immer einem selbst.“

          Total durchnässt in die Imbiss-Baracke

          Locker erzählt Egli von seiner Rundreise, die ihn im Frühsommer von seinem Wohnort Wetzikon in der Ostschweiz im Gegenuhrzeigersinn um das Schwarze Meer herum wieder nach Hause führen sollte. Bereits am zweiten Tag überraschte ihn das Wetter. In den österreichischen Alpen musste er während vier Tagen bei drei Grad Celsius gegen Schneeregen ankämpfen. Total durchnässt betrat er eine Imbiss-Baracke in Felbertauern, nahe Lienz, wo er sich und seine Kleider trocknen konnte und sich dabei den Fragen des etwas rundlichen Wirtes stellen musste, der nicht glauben konnte, dass Egli älter war als er. Trotz widrigster Bedingungen setzte er seine Reise noch am selben Tag fort.

          Extremsport schon in jungen Jahren

          Egli musste im Alter von 28 Jahren als ältester Sohn das Straßen- und Tiefbauunternehmen seines Vaters übernehmen, als dieser verstarb. Zuvor hatte er in Biel an der Ingenieurschule Automobiltechnik studiert und Sprachkurse in Englisch, Französisch und Spanisch belegt. Die Firma, seine Familie mit vier Kindern und sein politisches Engagement als liberaler Gemeinderat erforderten während fast 40 Jahren seine ganze Energie. Mit 65 Jahren legte Egli alle seine Verpflichtungen ab. Der Neurentner und Abenteurer suchte nach einer sportlich und zeitlich anspruchsvollen Beschäftigung. Als ihn ein guter Freund fragte, ob er auf eine Radtour durch Indochina mitkommen wolle, war für Egli der Fall klar. Er hatte schon in jungen Jahren extremen Ausdauersport betrieben, weshalb er sich auf das Abenteuer einließ. Dieses Erlebnis war der Impuls für viele weitere Fahrradreisen durch fremde Länder und Kontinente. Egli hatte sein neues Hobby gefunden. Innerhalb von vier Jahren bestritt er insgesamt sieben Touren mit einer stolzen Gesamtdistanz von 36 000 Kilometern, durchschnittlich 120 Kilometer täglich.

          Einreisegenehmigung für Abchasien

          Im Vorfeld seiner Reisen kümmert sich Egli nur um Kreditkarten und Visa. Alles weitere muss er mit Improvisationstalent und Unerschrockenheit vor Ort lösen. Der weißhaarige Abenteurer hatte zum Beispiel eine Einreisegenehmigung von Georgien nach Abchasien, einer seit 20 Jahren abtrünnigen Provinz Georgiens, in der Tasche. Obwohl die Grenzüberquerung im Internet fast überall als unmöglich beschrieben wurde, bekam Egli bei einer Passkontrolle am georgischen Grenzposten zwar keinen Ausreisestempel, wurde aber nach Abchasien weitergelassen. „Allen Unkenrufen zum Trotz befand ich mich scheinbar ganz offiziell in Abchasien.“

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