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Weihnachtskrippe : Oma ist restauriert

  • -Aktualisiert am

Idylle auf zehn Quadratmetern: Die liebevoll gestaltete Weihnachtskrippe mit 120 Figuren steht das ganze Jahr in Thomas Klöppels Wohnung im Eifelort Mendig.

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          Das hier war vorher mein Esszimmer. Aber irgendwann hat die Krippe zu viel Platz eingenommen“, sagt Thomas Klöppel und deutet stolz auf sein Kunstwerk. Heute ist von dem Esszimmer nichts mehr übrig, denn die mittlerweile zehn Quadratmeter große Weihnachtskrippe füllt nahezu den ganzen Raum aus, und sogar der Esstisch musste in ein anderes Zimmer verlegt werden. Auf der einen Seite des beleuchteten und wohnlichen Raumes steht ein Gebäude, vor dem echtes Wasser in einem kleinen Brunnen plätschert, der zur Krippe gehört. Der gesamte Untergrund ist mit braunem Sand bedeckt, der zusammen mit den beigen Gebäuden aus Styrodur, die in aufwendiger und genauester Handarbeit von dem 46-Jährigen selbst angefertigt werden, das Ganze so echt wirken lässt. Wo man auch hinblickt, entdeckt man an jeder Stelle noch eine neue Figur oder ein anderes Detail, das beim ersten Betrachten nicht ins Auge fällt.

          Oft kommen Besucher wieder

          „Ich hatte nie vor, dass das so groß werden soll. Das war früher eine kleine Ecke, und entweder habe ich dann eine Figur gesehen, die ich unbedingt haben wollte, und musste einen Rahmen dafür schaffen, oder ich hatte eine Idee für ein neues Gebäude und habe dann nach den Figuren gesucht, die da reinpassen“, erzählt der gelernte Florist aus Mendig in der Eifel mit einem Schmunzeln im Gesicht. Heute kann man sogar telefonisch Termine vereinbaren, um das ganzjährig aufgebaute Werk bewundern zu können. „Ich freue mich, wenn sich jemand für die ganze Arbeit interessiert und die Krippe auch anderen Leuten gefällt. Oftmals kommt ein Besucher oder eine Besucherin dann auch ein weiteres Mal wieder und bringt noch jemanden mit“, sagt Klöppel, während er auf einen Stapel mit Flyern deutet, die als Werbung für seine Krippe dienen sollen. „Es könnten jedoch mehr sein“, ergänzt er grinsend. Alles begann, als er vor 14 Jahren die 30 Zentimeter großen, handgefertigten Figuren im orientalischen Stil der Künstlerin Angela Tripi sah und sich damals schon dachte, dass er in diese Figuren Geld investieren würde. Angela Tripi ist eine sizilianische Künstlerin, die durch die Herstellung ihrer Figuren eine alte sizilianische Technik aus dem 18. Jahrhundert wieder ins Leben ruft. Doch es blieb bis vor zwölf Jahren nur ein Gedanke. „Zwei Jahre drauf, im Winterurlaub, habe ich einen Ausflug nach Innsbruck gemacht, und da habe ich die Figuren in einem Geschäft gesehen“, erinnert sich Thomas Klöppel. Danach hat er sich dann näher mit den Figuren beschäftigt und sich ein ganzes Jahr lang mit verschiedenen Händlern auseinandergesetzt, bis er schließlich Maria, Josef und das Jesuskind als erste Bestandteile seiner Krippe kaufte.

          Sie haben einen langen Weg hinter sich

          Mittlerweile gehören zu seinem Kunstwerk mehr als 120 verschiedene Figuren, die alle einen langen Weg hinter sich gebracht haben, bis sie schließlich als wertvolle Unikate Teil der Weihnachtskrippe des 46-Jährigen wurden. „Sie werden von Hand aus Ton geformt, und zwar als Ganzes, das heißt, jede Figur wird so, wie sie nachher ist, nackt geformt. Dann werden sie getrocknet und anschließend bei 1000 Grad in einem Ofen gebrannt. Bemalt werden danach nur Hände, Gesicht und der Hals“, erklärt Thomas Klöppel das Herstellungsverfahren und beschreibt besonders fasziniert den Vorgang, wie die Figuren angezogen werden. Dabei werden echte Stoffe in eine Leimlösung getränkt und dann über den fertigen Körper gelegt. Damit das Gesamtbild am Ende so lebendig und wirklichkeitsnah wirkt, wird jede einzelne Falte, die das jeweilige Kleidungsstück haben soll, mit Sekundenkleber fixiert. Einige Umhänge oder Oberteile werden dann noch mit einem feinen Pinsel durch goldene oder braune Verzierungen und Muster gestaltet, wodurch jede Figur noch mal ein individuelles und einzigartiges Merkmal erhält, um dann auch möglichst dem altorientalischen Stil der Kleidung zu gleichen. Die Ideen für die individuelle Gestaltung erhält Angela Tripi durch die Geschichte und das Leben der Palästinenser und setzt diese dann vor allem in den Mustern und Farbtönen der Kleidung um. Dadurch unterscheiden sich diese Figuren von den herkömmlichen Krippenfiguren.

          Tage voller Erwartung und schlaflose Nächte

          Ebenso besonders und einzigartig wie die Anfertigung jeder Figur ist auch die Geschichte des Kaufprozesses. „Jede Figur hat eigentlich auch ihre eigene Geschichte, wo ich sie entdeckt habe oder wie ich dann an sie rangekommen bin. Da ist zum Beispiel eine Oma mit zwei Kindern an der Hand, die ich mal im Internet entdeckt habe. Mein Bruder hat dann mit den Verkäufern aus Italien verhandelt. Als die Figur dann ein paar Tage später ankam, habe ich sie ausgepackt, und beide Kinder waren abgebrochen. Der italienischen Firma war das aber egal, als wir dann noch mal angerufen haben, weil sie ihr Geld ja schon hatte“, schildert Klöppel das Ärgernis, während er sich an die Tage voller Erwartung und schlaflose Nächte erinnert. Trotz des unglücklichen Verlaufs bezeichnet er diese gerne als seine Lieblingsgeschichte. „Sie ist letztendlich ja gut ausgegangen, und ich bin auch froh, dass ich die Figur damals gekauft habe. Es hat sich zum Glück nur um einen ganz glatten Bruch gehandelt, der dann von einem Restaurator repariert werden konnte.“ Gegessen wird jetzt übrigens in der Küche, und das alte Esszimmer kann einzig und allein der Krippe gewidmet werden.

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