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Wallfahrt : Blasen an den Füßen, aber guter Dinge

  • -Aktualisiert am

Bild: LABOR / Moni Port

Was als Dankeschön für ein genesenes Baby begann, ist heute eine große Wallfahrt. An Pfingsten pilgern Gläubige nach Altötting, genießen Geselligkeit und Natur.

          4 Min.

          Wer an Pfingsten denkt, hat wohl in erster Linie Frühlingswetter und Feiertage vor Augen. Nichts scheint ferner zu liegen, als sich tagelang zu Fuß über Wald- und Wiesenwege zu quälen. Genau das vollbringen mehrere tausend Bayern, die sich seit mehr als 50 Jahren jährlich auf die Pfingstwallfahrt nach Altötting begeben. Der Ursprung liegt im Jahr 1954, als sich Anton Stöckl für den Fall der Genesung seines schwerkranken Neugeborenen schwor, zur Altöttinger Basilika St. Anna zu pilgern. Nachdem sein Sohn tatsächlich wieder gesund, trat er mit einem Freund noch im selben Jahr den Weg an. Zwei Jahre später organisierte er dann die erste offizielle Wallfahrt mit zwölf Teilnehmern.

          Bis zu 1000 Wallfahrer

          „Mit den ersten Wallfahrern wurde vereinbart, dass jeder Teilnehmer im nächsten Jahr je einen neuen Weggefährten mitbringt. Das hat auch sehr gut funktioniert“, erzählt Antonia Wudi, die zurückhaltende Hauptorganisatorin. Inzwischen, mehr als 60 Jahre später, beträgt die Anzahl aller Teilnehmer insgesamt sechs- bis achttausend Pilger. Dabei gibt es verschiedene numerierte Gruppen, die sich in ihren Startpunkten am Pfingstwochenende unterscheiden und deren Teilnehmeranzahl zwischen 200 und 1000 Wallfahrern liegt.

          „Es ist schon verdammt anstrengend“, findet Verena Bäuml, eine dunkelblonde Studentin, die bereits zum vierten Mal teilnahm. „Ich wurde in meiner Pfarrei St. Konrad angeworben. Da haben alle gesagt, dass man das locker schaffe und ich einfach die Schuhe anziehen soll, die ich sonst auch trage. Als ich dann aber bereits drei Stunden nach dem Start in Heimstetten elf Blasen an den Füßen hatte, wurde mir klar, dass 88 Kilometer in drei Tagen zu laufen alles andere als ein Zuckerschlecken ist.“

          Geborgenheit in der Gruppe

          Dennoch finden sich die Pilger unterschiedlichen Alters, Berufs oder ethnischen Hintergrunds Jahr für Jahr wieder in ihren Gruppen zusammen. „Uns alle verbindet der Glaube an Maria. Viele wollen einfach danke sagen für die Hilfe im Alltag, aber auch die gemeinsame Zeit mit den anderen Wallfahrern und die Geborgenheit in der Gruppe sind uns und den Teilnehmern wichtig“, glaubt Christian Fiedler. Der in der Finanzbranche tätige 41-Jährige mit den kurzen grauen Haaren leitet seit einigen Jahren die zweite in Heimstetten startende Gruppe. „Außerdem hilft die Nähe zur Natur beim Abschalten und Loslassen vom Alltag.“

          Singend und unter Applaus

          Auch Verena Bäuml unterstreicht den Zusammenhalt unter den Pilgern. „Ausnahmslos jeder ist unglaublich freundlich und hilfsbereit. Einmal sagte ich unterwegs zu einem Freund, ich hätte Hunger, woraufhin zwei unterschiedliche Fremde mir sofort ihr Essen anboten. Als ich bei einer Freundin über Schmerzen im Unterschenkel klagte, bot mir ein pilgernder Physiotherapeut gleich seine Hilfe an. Es ist ein Phänomen.“ Den abschließenden Höhepunkt stellt Pfingstmontag die letzte Etappe dar. In Heiligenstadt treffen alle Gruppen zusammen, um dann singend und vom Applaus der Einwohner und Schaulustigen begleitet in Altötting einzulaufen. „Es ist schon ein bewegendes Gefühl, in so einer riesigen Masse mit Gebet oder Gesang in die Stadt und dann zum Abschlussgottesdienst in die Basilika einzuziehen - phantastisch!“, schwelgt die 22-jährige Verena in Erinnerungen.

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